Nach drei Jahren wirtschaftlicher Stagnation sollte 2026 die ökonomische Trendwende für Deutschland kommen. Auf 0,8 bis 1,5 Prozent wurden die Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von den führenden Wirtschaftsforschungsinstituten zum Jahreswechsel taxiert – getrieben von den Mehrausgaben der öffentlichen Hand für Infrastruktur und Verteidigung.
Doch in den vergangenen Wochen haben sich die Erwartungen spürbar eingetrübt. Grund dafür sind die geopolitischen Spannungen rund um den Globus, wobei der Krieg im Nahen Osten und die seitdem steigenden Energiepreise das Potential haben, die Erholung gänzlich abzuwürgen. In dem für Deutschland wichtigsten Konjunkturbarometer, dem Ifo-Index, spiegelt sich das bereits wider.
Kritische Lage durch Kriege und Konflikte
Den Ende März veröffentlichten Zahlen zufolge blicken die Firmen ähnlich skeptisch wie zuletzt auf ihre Lage, bewerten ihre Aussichten aber spürbar schlechter. Wie sich die geopolitischen Spannungen auf die Restrukturierungsfälle in Deutschland auswirken, war deshalb Thema des 28. Restrukturierungsbarometers, das FINANCE (Schwesterpublikation von DerTreasurer) in Zusammenarbeit mit dem Beratungshaus Struktur Management Partner (SMP) regelmäßig durchführt.
Der Beginn des Iran Kriegs am 28. Februar lag dabei in der Mitte des Befragungszeitraums – nicht alle der 51 Restrukturierungsexperten und Finanzierer, die an der Umfrage teilgenommen haben, konnten in ihren Antworten auf das Ereignis reagieren. Das Bild ist dennoch eindeutig: Fast drei Viertel der Befragten (73 Prozent) erwarten aufgrund von Kriegen und Konflikten rund um den Globus starke bis sehr starke Auswirkungen auf das Restrukturierungsgeschehen hierzulande. „Damit haben die geopolitischen Spannungen deutlichen Einfluss auf Restrukturierungsfälle in Deutschland, zumindest in einzelnen Branchen“, sagt Georgiy Michailov, Geschäftsführer bei SMP.
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Automotive besonders betroffen
Nicht überraschend ist die Automotive-Branche aus Sicht der Befragten von geopolitischen Konflikten besonders betroffen, ist sie doch stark durch globale Wertschöpfungsketten verflochten. 77 Prozent der Umfrageteilnehmer sehen den Sektor daher auch besonders gefährdet. Dahinter folgen das produzierende Gewerbe (65 Prozent) sowie Energie & Grundstoffe (33 Prozent).
Als größte Herausforderung nennen die Befragten weiterhin den Ukraine-Krieg (56 Prozent), gefolgt von einem Mix aus erratischer US-Politik und Zöllen (23 Prozent). Der Iran-Krieg (17 Prozent) dürfte, Stand heute, als Herausforderung deutlich an Gewicht gewonnen haben, denn er begann am Ende der Befragung und eskalierte danach durch die iranische Blockade der Straße von Hormus, durch die der globale Energiehandel aus dem Tritt kam.
Info
Das gesamte Restrukturierungsbarometer finden Sie hier.