Newsletter

Abonnements

M&A-Deals: NKD, G+D, Siemens Energy

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken
Mit dem neuen Eigentümer Mr. Nice beabsichtigt NKD, auf etwa 4.000 Standorte zu expandieren. Foto:  Ulf - stock.adobe.com
Mit dem neuen Eigentümer Mr. Nice beabsichtigt NKD, auf etwa 4.000 Standorte zu expandieren. Foto:  Ulf - stock.adobe.com

NKD wechselt den Besitzer

NKD ist künftig in afrikanischer Hand: Die südafrikanische Mr Price Group hat einen Kaufvertrag zur Übernahme der NKD Group von TDR Capital unterzeichnet. Mr Price ist ein an der JSE gelisteter Omni-Channel-Händler für Bekleidung und Haushaltswaren im südlichen Afrika mit einem Jahresumsatz von rund 2 Milliarden Euro.

Unter der Eigentümerschaft der Private-Equity-Gesellschaft TDR Capital hat NKD seine Position als europäischer Textil-Discounter gestärkt. So hat NKD etwa seine Omni-Channel-Strategie durch den Einsatz von Data Science und die Erweiterung des digitalen Ökosystems, einschließlich der Einführung einer App in Österreich, vorangetrieben.

Mit der Übernahme durch die Mr Price Group plant NKD, sein Filialnetz von derzeit 2.200 auf 3.000 Standorte auszubauen und langfristig auf 4.000 Filialen zu erweitern. Diese Expansion soll die Marktposition in Europa stärken und die Mitarbeiterzahl erhöhen. Die Akquisition ist der erste Zukauf der Mr Price Group in Europa und generell der erste Deal außerhalb Afrikas. Die Kanzlei Mayer Brown beriet Mr Price bei der Transaktion, wohingegen Weil aufseiten von TDR Capital agierte.  

G+D baut digitales Payment und Banking aus

Das globale Securitytech-Unternehmen Giesecke+Devrient (G+D) übernimmt das Payments & Banking Services Business des Bank-Verlags, einer Tochter des Bundesverbands deutscher Banken. Diese Akquisition stärke die Position von G+D im Bereich Payment- und Banking-Dienstleistungen in Deutschland, heißt es in einer Mitteilung. Die Übernahme ermögliche es G+D, das Angebot im digitalen Payment und Banking zu erweitern, einschließlich elektronischer Bezahlsysteme, digitaler Wallets und Authentifizierung. Die Investition in die IT-Modernisierung und den Betrieb der kritischen Payment-Infrastruktur beläuft sich laut Aussagen des Unternehmens auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag.

Von der Integration des Payments & Banking Services Business in das Tochterunternehmen Netcetera verspricht sich G+D eine bessere Performance und kürzere Time-to-Market-Zyklen für digitale Innovationen. Kunden sollen laut dem Unternehmen zudem von reduzierter Integrationskomplexität und neuen Möglichkeiten im digitalen Payment- und Banking-Bereich profitieren. Der Geschäftsbereich „Business Support“ des Bank-Verlags bleibt beim Bankenverband.

Aktivisten üben Druck auf Siemens Energy aus

Der aktivistische Investor Ananym Capital drängt Siemens Energy zur Abspaltung des verlustreichen Windkraftgeschäfts. In einem Schreiben fordert der Investor eine strategische Überprüfung, um den Aktienkurs um bis zu 40 Prozent zu steigern. Siemens Energy profitiert derzeit vom wachsenden Strombedarf, während die seit Jahren strauchelnde Windkraftsparte Siemens Gamesa mit Milliardenverlusten kämpft. Ananym Capital sieht in der Abspaltung eine Möglichkeit, den wahren Wert der Siemens-Energy-Aktie freizulegen.

Trotz Fortschritten im Windkraftbereich bleibt die Sparte verlustreich. Siemens Energy-CEO Christian Bruch betonte gegenüber dem „Handelsblatt“ die Bedeutung der gesamten Wertschöpfungskette von der Stromerzeugung bis zu Zukunftstechnologien wie Wasserstoff. Eine Entscheidung über die Zukunft der Windkraftsparte könnte weitreichende Auswirkungen auf die strategische Ausrichtung des Konzerns haben.

Weitere M&A-Deals

Die Kühne Holding hat ihren Anteil am Chemikalienhändler Brenntag von 15 auf 20,1 Prozent erhöht und ist damit der größte Anteilseigner des Unternehmens. Zweitgrößter Aktionär bleibt Artisan Partners mit über 15 Prozent.

Zahnen Technik aus Rheinland-Pfalz erwirbt das Ingenieurbüro Kurt Freudenberg. Mit der Übernahme erweitert Zahnen seine Präsenz im Rhein-Main-Gebiet und integriert Freudenbergs Expertise in EMSR-Technik und Wasser- und Abwassertechnik. Freudenberg bedient hauptsächlich öffentliche Auftraggeber. Nachfolgekontor, Teil der Syntra Group, beriet den Verkäufer Thomas Mauder bei diesem Deal.

Senstar Technologies plant die Übernahme des Lidar-Spezialisten Blickfeld. Lidar, kurz für Light Detection and Ranging, ist eine Fernerkundungstechnologie, die Laserlicht nutzt, um präzise 3D-Karten und -Modelle von der Umgebung zu erstellen. Beide Unternehmen haben eine verbindliche Vereinbarung getroffen, die noch behördliche Genehmigungen erfordert. Blickfeld soll als Tochterunternehmen unter seinem bisherigen Namen weitergeführt werden, das bestehende Management bleibt den Plänen zufolge im Amt. Die Übernahme soll Synergien in den Bereichen Sicherheit, Industrie und Verkehr schaffen.

Socotec, ein führender Anbieter von Prüf-, Inspektions- und Zertifizierungsdiensten im Bau- und Infrastrukturbereich, hat die Unternehmen Röhll und Koch übernommen. Beide sind auf Kampfmittelräumung spezialisiert. Diese Akquisitionen sollen Socotecs Präsenz im deutschen Markt erweitern und das Engagement für Sicherheit und Nachhaltigkeit in der Infrastrukturentwicklung unterstreichen. Röhll und Koch erzielten zuletzt zusammen einen Jahresumsatz von 46 Millionen Euro. GvW beriet die Anteilsinhaber von Röhll und Koch bei dem Deal.

M&A-Berater-News

Schaeffler erweitert sein M&A– und Beteiligungsgeschäft: Maria Boerner übernimmt die Rolle der Senior Legal Counsel für M&A und Investments. Zuvor war sie bei der Kanzlei A&O Shearman als Senior Associate tätig. Boerner wird für M&A-Transaktionen, Venture-Capital-Engagements und Fondsinvestitionen verantwortlich sein. Ihre internationale Erfahrung umfasst Deals wie das 15-Milliarden-Euro-Angebot von A.P. Møller-Mærsk für DB Schenker.

Deals in Verhandlung

Thyssenkrupp prüft weiterhin ein unverbindliches Angebot des indischen Unternehmens Jindal Steel International für den Erwerb von Thyssenkrupp Steel Europe. Im Vordergrund steht die Prüfung hinsichtlich der wirtschaftlichen Zukunftsfähigkeit, der Fortführung der grünen Transformation und der Beschäftigung an den Stahl-Standorten. Parallel dazu haben Thyssenkrupp und die EP Group ihre Gespräche über ein mögliches Joint Venture beendet. EPG gibt demnach ihren 20-Prozent-Anteil an Thyssenkrupp Steel Europe zurück und erhält den Kaufpreis erstattet.

Der Großaktionär Peter Möhrle Holding plant, seine Beteiligung am Nutzfahrzeugzulieferer Jost Werke zu reduzieren. In einem beschleunigten Auktionsverfahren sollen bis zu 1,5 Millionen Aktien, was 10,1 Prozent des Grundkapitals entspricht, verkauft werden. Bereits Anfang September hatte die Holding ein ähnliches Aktienpaket veräußert. Die Jost-Aktie, die im SDax notiert ist, ist derzeit rund 55 Euro wert. Die Berenberg Bank ist als ausführende Bank an diesem Deal beteiligt.

Info

Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.