M&A-Deals: ProSiebenSat.1, Henkel, Delivery Hero

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ProSiebenSat.1 treibt die Verschlankung des Portfolios voran. Foto: Andreas Prott - stock.adobe.com
ProSiebenSat.1 treibt die Verschlankung des Portfolios voran. Foto: Andreas Prott - stock.adobe.com

ProSiebenSat.1 trennt sich von zwei Plattformen

Die Verschlankung des Portfolios bei ProSiebenSat.1 ist in vollem Gange. Die Bayern in italienischer Hand verkaufen die Plattformen Billiger-mietwagen.de und Camperdays. Billiger-mietwagen.de geht an ein Konsortium unter Pivotum Capital. Die Plattform bietet Zugang zu über 2.000 Autovermietern in mehr als 170 Ländern. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Bereits zuvor hatte ProSiebenSat.1 die Unternehmen Esome und Kairion an Pivotum Capital abgegeben. Über den Kaufpreis war ebenfalls Stillschweigen vereinbart worden.

Die 2013 gegründete und noch im selben Jahr von ProSiebenSat.1 übernommene Wohnmobilvermietung Camperdays wurde an nicht näher genannte private Investoren verkauft. Auch bei diesem Deal kommuniziert ProSiebenSat.1 keinen Kaufpreis.

Henkel setzt auf US-Haarpflege

Kurz nach der Übernahme der Haarpflegemarke Not Your Mothers gibt Henkel nun den nächsten Deal bekannt: Der Konsumgüterkonzern erwirbt alle Anteile an der Haarpflegemarke Olaplex. Das Premiumlabel erzielte im vergangenen Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz in Höhe von 370 Millionen Euro.

Der Preis pro Aktie beläuft sich bei der Transaktion auf 2,06 US-Dollar, was einem Gesamtwert von 1,4 Milliarden US-Dollar (rund 1,2 Milliarden Euro) entspricht. Es ist bereits die zweite Akquisition im Haarsegment innerhalb eines Monats – und ein weiterer Schritt Henkels, Haarpflege als Kernkategorie des Consumer-Brands-Geschäfts zu etablieren.

Delivery Hero verkauft taiwanesische Tochter

Im zweiten Anlauf soll der Verkauf des Taiwan-Geschäfts für Delivery Hero nun klappen. Das asiatische Unternehmen Grab steht als Käufer bereit und will die Tochter Foodpanda Taiwan für 600 Millionen US-Dollar (rund 520 Millionen Euro) in bar übernehmen, wie es in einer Mitteilung von Delivery Hero hieß. Die Einnahmen sollen unter anderem zur Reduzierung der Schulden verwendet werden. Im Jahr 2025 lieferte die taiwanesische Tochter Waren im Bruttowert von 1,5 Milliarden Euro aus.

Die Transaktion steht jedoch noch unter dem Vorbehalt der behördlichen Genehmigung. Bereits vor zwei Jahren scheiterte ein Verkauf an Uber Eats am Veto der taiwanesischen Kartellbehörde. 

Weitere M&A-Deals

Die Schwarzwaldmilch-Gruppe hat die Allgäuer Käserei Bauhofer übernommen. Der Freiburger Milchprodukthersteller fokussiert sich primär auf die Segmente Weidemilch, Biomilch, Proteinmilch und lactosefreie Milch. Mit der Akquise baut die Molkerei nun auch ihr Angebot im Käse-Bereich aus. Die Schwarzwaldmilch-Gruppe wurde bei der Transaktion von der Wirtschaftskanzlei Friedrich Graf von Westphalen beraten.

Die Ergo Mediengruppe wächst: Durch den Erwerb des Verlagsgeschäftes des Druck- und Pressehauses Naumann bauen die Obertshausener ihr Portfolio im Bereich regionaler Print-, Digital- und Servicedienstleistungen zum 1. April aus. Der Deal beinhaltet die verlegerischen Aktivitäten der Tageszeitungs- und Wochenblattangebote, die digitalen verlagsnahen Produkte, die Digitalagentur dpn360 sowie den Druckvorstufen-, Logistik- und Zustellbereich von Naumann.

Der Elektroserviceanbieter Mobilezone, eine Tochtergesellschaft der Freenet Gruppe, erwirbt eine Beteiligung an der AK Group. Die Gruppe war seit 2021 im Besitz der Mid-Market Beteiligungsgesellschaft Invision und umfasst die Schweizer E-Commerce-Plattform Apfelkiste sowie Marein, einen Spezialisten für Retail-Branding und Produktbeschaffung. Mit der Transaktion verfolgt Invision das Ziel, die AK Group in ein börsennotiertes Unternehmen einzugliedern. Der Abschluss ist für Ende des ersten Halbjahres 2026 geplant.

Frauenrath hat seine Bau- und Recycling-Sparte an den französischen Baukonzern Colas veräußert. Die Bereiche Straßen- und Tiefbau, Hoch- und Schlüsselfertigbau, Recycling, Rückbau sowie Sanierung erzielten 2025 mit 420 Mitarbeitern einen Umsatz von 150 Millionen Euro. Die Kanzlei Gleiss Lutz beriet Frauenrath bei diesem Deal.

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis übernimmt das US-Unternehmen Pikavation Therapeutics von Synnovation Therapeutics. Im Zuge der bis zu 3 Milliarden US-Dollar schweren Transaktion sollen die Schweizer einen potentiellen Wirkstoff gegen Brustkrebs erhalten. Der Wirkstoff befindet sich in einer frühen klinischen Phase und zielt auf eine Mutation ab, die bei etwa 40 Prozent der Patientinnen mit HR+/HER2- Brustkrebs auftritt. 

M&A-Gerüchteküche

Volkswagen erwägt, Teile des israelischen Raketenabwehrsystems „Iron Dome“ im Werk Osnabrück zu produzieren. Der Autokonzern führt Gespräche mit Rafael Advanced Defense Systems, um das bedrohte Werk mit 2300 Arbeitsplätzen zu sichern, wie es in einem Bericht der „Financial Times“ heißt. Die deutsche Bundesregierung soll den Plan unterstützen, der auch den Verkauf der Systeme an europäische Staaten vorsieht. Die Produktion von Waffen bleibt jedoch ausgeschlossen. Diese Partnerschaft könnte die deutsche Automobilindustrie näher an den Verteidigungssektor bringen.

Uber steht kurz vor der Übernahme des deutschen Premiumfahrdienstes Blacklane, wie das „Manager Magazin“ berichtet. Die Firmenbewertung liegt im höheren dreistelligen Millionenbereich. Blacklane, 2011 in Berlin gegründet, bietet Chauffeur-Dienste für Geschäftsreisende an. Investoren wie Mercedes-Benz und das Family Office von Carsten Maschmeyer könnten vom Verkauf profitieren.

Info

Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.