Henkel schlägt in den USA zu
Dritter Deal innerhalb von drei Monaten: Henkel übernimmt die Haarpflegemarke Not Your Mothers von der US-Private-Equity-Gesellschaft Main Post Partners. Die Marke erzielte 2025 einen Umsatz von rund 190 Millionen Euro und verzeichnete ein zweistelliges Wachstum. Über die finanziellen Details des Deals vereinbarten beide Seiten Stillschweigen.
Mit der Akquisition will der Dax-Konzern seinen Marktanteil im nordamerikanischen Hair-Segment weiter ausbauen. „Die Übernahme bietet zudem Chancen für Innovation und Synergien mit unserer Expertise in Haarpflege und Styling in den USA – dem größten Haarmarkt der Welt“, sagt Wolfgang König, Vorstand bei Henkel für den Unternehmensbereich Consumer Brands.
Axel Springer kauft Telegraph Media Group
Die renommierte Telegraph Media Group, zu der unter anderem die Tageszeitung Daily Telegraph gehört, ist künftig in deutscher Hand. Axel Springer übernimmt die britische Mediengruppe von dem Investor Redbird IMI für 575 Millionen Pfund (rund 665,4 Millionen Euro) in bar.
Axel Springer plant, die Telegraph-Gruppe international zu stärken und die Expansion in den US-Markt voranzutreiben. Die redaktionelle Unabhängigkeit soll dabei gewährleistet bleiben, heißt es von Axel Springer. Zudem wolle man die technologische Transformation und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz weiter vorantreiben.
Dovid Efune, Herausgeber von The New York Sun, unterstützte bei der Transaktion, während Liontree als Finanzberater und die Kanzlei Freshfields als rechtlicher Berater von Axel Springer fungierten.
Tegut ist Geschichte
Tegut steht vor dem Aus: Migros Zürich, der bisherige Eigentümer der deutschen Supermarktkette, will sich aus dem deutschen Markt zurückziehen und verkauft die Mehrheit der Tegut-Filialen an Edeka, wie die „Lebensmittelzeitung“ berichtet. Weiter heißt es, dass auch Rewe einen Teil der Filialen übernehmen wird. Im Gegensatz zu Edeka muss Rewe keine Zentralfunktionen integrieren. Die Marke Tegut soll nicht weiter fortgeführt werden und vom Markt verschwinden.
Migros nimmt nicht näher bezifferte Abschreibungen in Kauf, um sich auf das Kerngeschäft in der Schweiz zu konzentrieren. Die Entscheidung folgt auf anhaltende Herausforderungen für Migros und Tegut. „Deutschland ist ein sehr anspruchsvoller, sehr preisgetriebener, kostenintensiver Markt. Für ein Schweizer Unternehmen ist es nicht einfach, hier zu bestehen“, sagt Patrik Pörtig, CEO von Migros Zürich. Wie viel Kapital in den vergangenen Jahren verbrannt wurde, sei schmerzhaft gewesen, doch man wolle das Kapitel nun schließen. Gleiss Lutz beriet Migros bei der Transaktion.
Weitere M&A-Deals
Der Hersteller kognitiver Roboter Neura geht fortan gemeinsame Wege mit Qualcomm. Ziel der Partnerschaft mit dem amerikanischen Halbleiterhersteller und Mobilfunkanbieter ist es, die Entwicklung von Robotik und Physical AI im Bereich Gehirn- und Nervensystem gemeinsam voranzutreiben.
Phoenix Contact E-Mobility schreitet mit der strategischen Neuausrichtung voran und trennt sich von seinem Pkw-Geschäft. Die TE Connectivity-Gruppe mit Hauptsitz in den USA übernimmt den Geschäftsteil. Dieser Asset Deal markiert den Beginn des geplanten Rückzugs aus dem Pkw-Segment, der bis Ende 2026 abgeschlossen sein soll.
Die Konsolidierung am Zeitungsmarkt schreitet voran. Die Rheinische Post übernimmt die Westfälische Medien Holding. Die Transaktion umfasst alle Aktien und steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Bundeskartellamts. Mit der Übernahme steigt die Gruppe zur auflagenstärksten Tageszeitungs-Verlagsgruppe in Nordrhein-Westfalen auf. Die Westfälische Medien Holding umfasst bekannte Titel und digitale Angebote im Münsterland. Die bisherigen Eigentümer, Benedikt und Eduard Hüffer, sehen den Verkauf als strategischen Schritt.
Die Mediengruppe Pressedruck, bekannt für die Augsburger Allgemeine, hat 51 Prozent der Anteile am Augsburg Journal Verlag erworben. Anja Marks-Schilffarth bleibt als Chefredakteurin und geschäftsführende Gesellschafterin im Unternehmen, während Gründer Walter Kurt Schilffarth weiterhin als Gesellschafter fungiert. Ziel der Übernahme ist die Entwicklung einer digitalen Wachstumsstrategie und die Erweiterung des Angebots für Leser und Werbekunden.
Finastra, ein Anbieter von Finanz-Software, hat eine Partnerschaft mit Fraudaverse geschlossen, um eine KI-gestützte Betrugspräventionslösung anzubieten. Diese Integration in Finastras Financial Messaging soll Banken Echtzeitschutz vor Bedrohungen bieten und reduzierte Betriebskosten ermöglichen.
Gesellschafterwechsel bei Herber & Petzel: Der Heizungs- und Klimatechnikbetrieb schließt sich mit Konzmann zusammen. Mit der Integration von Herber & Petzel baut der Haßlocher Klimaanlagenanbieter seine Kälte- und Klimatechnik in der Münsterländer Region aus.
Der südkoreanische Entwickler NC Soft beteiligt sich mehrheitlich an Justplay: Das Unternehmen übernimmt 70 Prozent der Anteile an der Berliner Mobile-Game-Plattform für 202 Millionen US-Dollar (rund 174 Millionen Euro). Mit der Transaktion, die Ende April abgeschlossen werden soll, setzt NC Soft auf Wachstum im globalen Casual-Games-Markt.
M&A-Berater-News
Carlsquare holt einen EY-Partner ins Haus: Nach knapp drei Jahren verlässt Maurice Harbison das Londoner Big-Four-Büro und steigt bei der M&A-Beratung ein. Er wird an den Standorten in Berlin und London tätig sein. Harbisons Beratungsschwerpunkt wird auf der Beratung von Gründern und Private-Equity-Investoren bei M&A-Deals, Kapitalmarkttransaktionen und Wachstumsfinanzierungen liegen. Zum Eintrittsdatum von Harbison machte Carlsquare keine Angaben.
Deals in Verhandlung
Neue Entwicklungen im Deal rund um Klöckner & Co: Worthington Steel hat die Mindestannahmeschwelle für das Übernahmeangebot auf 57,5 Prozent gesenkt. Die Annahmefrist verlängert sich dadurch bis zum 26. März 2026. Bis zum 9. März 2026 sicherte sich Worthington Steel bereits 56,9 Prozent des Grundkapitals von Klöckner. Der Angebotspreis bleibt bei 11,00 Euro je Aktie, was einer Prämie von 98 Prozent auf den Drei-Monats-Durchschnittskurs entspricht.
ProSiebenSat.1 will seine Online-Beteiligungen Parshipmeet und Flaconi vorerst behalten. Eine Trennung bleibe jedoch langfristig möglich. Für andere Teile seines Digital-Portfolios sucht der Medienkonzern weiterhin Käufer. Reuters zufolge umfasst das Verkaufsangebot die Einkaufs-App Marktguru, die Mietwagen-Vergleichsseite Billiger-Mietwagen.de und den Erlebnisgeschenke-Anbieter Jochen Schweizer Mydays. Diese Maßnahmen sind Teil eines Umbaus, den MFE vorantreibt, um den Fokus wieder auf das Kerngeschäft Fernsehen zu legen und die Schulden zu reduzieren.
M&A-Gerüchteküche
Thyssenkrupp Steel Europe, Deutschlands größter Stahlhersteller, steht im Fokus von Übernahmegesprächen. Der indische Stahlkonzern Jindal Steel hat Interesse bekundet und verhandelt intensiv mit dem Mutterkonzern Thyssenkrupp. Parallel dazu zeigt die US-amerikanische Flacks Group Interesse, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. Flacks ist bekannt für die Sanierung kriselnder Unternehmen und war bereits in der Vergangenheit in Deutschland aktiv, jedoch endeten viele der Investments in der Insolvenz. Beispiele dafür sind etwa die Familienbetriebe Ogro Beschlagtechnik aus Nordrhein-Westfalen, Zippel aus Bayern oder die Firma Holzverpackung Hüfingen aus dem Schwarzwald.
Info
Sie haben auch von Deals, Personalien oder sonstigen spannenden Gerüchten aus der deutschen M&A-Szene gehört? Dann schreiben Sie uns gerne an frederic.haupt[at]finance-magazin.de
Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.
