Quantum Systems kauft Fernride
Quantum Systems hat das Unternehmen Fernride übernommen. Mit dem Deal erweitern die Bayern ihre Expertise von Luft- und Software-Intelligenz auf autonome Bodenmobilität. Fernride bietet eine Software-Plattform für Bodenautonomie in Bereichen wie Containerterminals, Verteidigungslogistik und autonomem Fahren. 2025 erhielt Fernride als erstes Unternehmen in Europa die TÜV-Zulassung für autonome Lkw und hat diese in Tests mit der Bundeswehr eingesetzt. Die Integration von Fernride in die autonome Missions-Software von Quantum Systems soll die Situationswahrnehmung und Entscheidungsfindung verbessern.
Die operative Erfahrung von Quantum Systems in der Ukraine hat die Bedeutung der Interaktion zwischen Luft- und Bodenrobotik verdeutlicht. Durch die Integration von Fernride-Technologien in das Mosaic UXS-System soll ein vernetztes Ökosystem geschaffen werden, in dem unbemannte Systeme als Einheit agieren. Die Technologie soll zudem künftig auf zivile Logistikanwendungen übertragen werden.
Funke schließt aktives M&A-Jahr ab
Neun Zukäufe in den vergangenen zwölf Monaten – die Funke Mediengruppe hat bei ProsiebenSat.1 zugeschlagen und Wetter.com übernommen. Wetter.com ist eine der führenden Plattformen für Wetterinformationen in der DACH-Region und Europa. Die Übernahme umfasst mehr als zehn Domains in 15 Märkten, darunter Weather24 und Meteos24. Das bestehende Wetter.com-Team, einschließlich CEO Marius Neumann, wird in die Funke-Gruppe integriert.
Diese Akquisition ist Teil der Strategie von Funke, das digitale Wachstum zu beschleunigen und das Angebot zu diversifizieren. Die Integration von Wetter.com ermöglicht die Einführung von Premium-Features für Digital-Abonnentinnen und -Abonnenten. Die Social-Media-Präsenz von Wetter.com mit Hunderttausenden Followern auf Plattformen wie Facebook und Tiktok soll zudem die Vermarktungskraft von Funke stärken. ProSiebenSat.1 fokussiert sich mit dem Verkauf hingegen auf das Kerngeschäft Entertainment.
Verkauft Mercedes Athlon an BNP?
BNP Paribas und Mercedes-Benz stehen in exklusiven Gesprächen über den Verkauf von Mercedes‘ Leasingsparte Athlon. BNP will über die 100-prozentige Tochtergesellschaft Arval den Anbieter von Flottenmanagement Athlon übernehmen. Das Asset verfügt über 400.000 Fahrzeuge in zehn europäischen Ländern. Durch eine Übernahme würde Arval seine Flotte auf nahezu 2,3 Millionen Fahrzeuge erweitern und damit zum europäischen Co-Leader im Full-Service-Leasing aufsteigen, heißt es seitens der BNP. Die Transaktion zielt darauf ab, Arvals Marktpräsenz in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland zu stärken und die Partnerschaft mit Mercedes-Benz zu vertiefen.
Die erwartete Rendite auf das investierte Kapital liegt laut BNP bei 18 Prozent, was einem positiven Beitrag von fast 200 Millionen Euro zum Nettoergebnis pro Aktie im dritten Jahr nach Abschluss der Transaktion entspreche. Die Kapitalauswirkung ist bereits in der Kapitalplanung von BNP Paribas berücksichtigt. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Konsultation mit den Arbeitnehmervertretungen.
Weitere M&A-Deals
BASF treibt die Portfoliofokussierung voran und trennt sich vom Geschäft für optische Aufheller. Käufer ist Catexel. Das in Wiesbaden ansässige Unternehmen entwickelt und produziert Spezialchemikalien. Diese Transaktion umfasst das internationale Geschäft sowie die Produktion am Standort Monthey in der Schweiz und betrifft rund 80 Mitarbeitende. Die Veräußerung ist Teil der strategischen Neuausrichtung von BASF. Proventis Partners hat BASF bei der Transaktion beraten.
Brenntag übernimmt die Airedale Group aus Großbritannien. Von der Akquisition erhofft sich der Chemiedistributor, Mischungs- und Formulierungsfähigkeiten in Brenntags Netzwerk im Vereinigten Königreich zu integrieren und das Produkt- und Dienstleistungsangebot für Kunden auszubauen. Die Airedale Group, gegründet 1973, hat sich von einem Farbstoffhändler zu einem diversifizierten Chemievertrieb entwickelt und erzielte 2024 einen Umsatz von 81 Millionen Pfund. Von der Übernahme der Airedale Group erhofft sich Brenntag Synergien für weiteres Wachstum.
Audi hat eine strategische Partnerschaft mit UST geschlossen, einem globalen Transformationsunternehmen mit Schwerpunkt auf KI-gestützte Technologie. UST erwirbt eine Mehrheitsbeteiligung an Italdesign, während Lamborghini, Teil des Audi-Konzerns, einen bedeutenden Anteil behält. Diese Partnerschaft kombiniert USTs Expertise in Automobiltechnik und Künstlicher Intelligenz mit Italdesigns Know-how in Fahrzeugdesign und Prototypenbau. Ziel ist es, moderne, digitale Fahrzeuge zu entwickeln und Italdesigns internationale Präsenz auszubauen. Die Kanzlei Linklaters hat Audi bei dem Deal begleitet.
Die Dekabank hat im Rahmen einer Kapitalerhöhung Anteile an der europäischen Ratingagentur Scope Group erworben. Mit der Beteiligung unterstützt die Deka eine europäische Initiative im Ratingmarkt, der von großen angelsächsischen Agenturen dominiert wird. Die Deka kooperiert bereits mit Scope im Bereich Kapitalmärkte.
Holcim erwirbt eine Mehrheitsbeteiligung an Cementos Pacasmayo, einem führenden peruanischen Baustoffhersteller. Mit prognostizierten Nettoumsätzen von 630 Millionen US-Dollar und einer Ebitda-Marge von 28 Prozent bis 2025 stärkt die Akquisition die Präsenz der Schweizer in Peru. Der Deal im Wert von 1,5 Milliarden US-Dollar soll bis 2026 abgeschlossen sein.
Das Kölner Unternehmen Deutz übernimmt Frerk Aggregatebau. Frerk, mit Sitz in Niedersachsen und sieben Standorten in Deutschland, ist ein führender Anbieter von Notstromsystemen für kritische Infrastrukturen wie Rechenzentren. Deutz will durch die Übernahme seine Position im globalen Notstrommarkt stärken und erwartet einen zusätzlichen Umsatz von 100 Millionen Euro. Der Kaufpreis liegt im oberen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Milbank beriet die Kölner bei dem Deal.
Blick in den M&A-Markt
Henkel sieht sich in den USA mit rechtlichen Hürden konfrontiert, da die Wettbewerbsbehörde FTC Klage gegen die geplante Übernahme eines Teils der Pittsburgh Paint Co. eingereicht hat. Der Deal im Wert von 725 Millionen US-Dollar würde zwei führende Akteure im Markt für Flüssigklebstoffe vereinen. Henkel äußerte sich bisher nicht weiter zu den Vorwürfen.
Deals in Verhandlung
Der Kinderfahrradhersteller Puky aus Wülfrath sucht einen Investor oder Käufer, um seine wirtschaftliche Lage zu stabilisieren. Das Unternehmen plant, mehr als 51 Prozent der Gesellschafteranteile abzugeben, wie die „Wirtschaftswoche“ berichtete. Nach einem Umsatzrückgang von fast 45 Millionen Euro im Coronaboom auf 31,4 Millionen Euro im Jahr 2023 strebt Puky für 2025 einen Umsatz von 37 Millionen Euro an.
Info
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Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.
