M&A-Deals: Der österreichische Konzern Red Bull veranstaltet Sport-Events, verkauft Getränke und besitzt jetzt auch noch einen Buchverlag.

Red Bull

19.04.13
Deals

M&A-Deals: Red Bull, Hess, CVC

Die Suche nach einem Investor für den Leuchtenhersteller Hess läuft auf Hochtouren, das als Getränkeproduzent gestartete Unternehmen Red Bull übernimmt einen Buchverlag und PE-Investor CVC holt sich die Mehrheit am Energiedienstleister Ista zurück. Diese und weitere M&A-Deals und M&A-News der Woche lesen Sie in unserem Rückblick.

Red Bull übernimmt Buchverlag

Der Getränkehersteller Red Bull wird im Verlagsgeschäft aktiv. Red Bull hat in dieser Woche die Übernahme des Salzburger Verlags Ecowin bekannt gegeben. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Für den Verlag soll der M&A-Deal neue Möglichkeiten des internationalen Vertriebs bringen. Ecowin soll in die Red-Bull-Sparte Media House Publishing eingegliedert werden. Unter diesem Dach bündelt der Konzern, der sich seit einigen Jahren auch im Medienbereich breiter aufstellt, verschiedene Medienbeteiligungen und Neugründungen. Red Bull setzte 2012 nach eigenen Angaben rund 4,9 Mrd. Euro um.

30 Interessenten im M&A-Prozess für Hess

Der skandalgeplagte Leuchtenhersteller Hess, der nach Bilanzmanipulationen im Februar Insolvenzantrag stellen musste, soll im Rahmen eines Asset Deals verkauft werden. „Wir befinden uns derzeit mit rund 30 strategischen Investoren im Gespräch“, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Volker Grub in dieser Woche mit. Unter anderem soll der österreichische Konzern Zumtobel nach FINANCE-Informationen zu den Interessenten zählen. Mit einigen Investoren würden bereits sehr weitgehende Gespräche geführt, Grub erhofft sich bereits im Mai eine „gewisse Vorentscheidung“. Aufgrund der Ergebnisse der internen Sonderuntersuchung und der Bestätigung der Manipulationsvorwürfe sei ein Asset Deal die einzige Möglichkeit. Durch die drohenden Schadensersatzansprüche seitens der Gläubiger und Aktionäre ergebe sich ein unkalkulierbares Risiko, das kein Investor bereit sei einzugehen. Gegen die früheren Vorstände von Hess, CEO Christoph Hess und CFO Peter Ziegler, wurden bereits Ansprüche auf Schadensersatz angemeldet. Das finale Restrukturierungskonzept für Hess soll Ende dieses Monats vorliegen. Grub gilt als äußerst erfahrener Insolvenzverwalter und hat zuletzt unter anderem den Wäschehersteller Schiesser durch die Restrukturierung begleitet.

PE-Investor CVC übernimmt erneut Ista-Mehrheit

Der PE-Investor CVC Capital Partners hat erneut die Mehrheit an Ista, einem Anbieter von Energiemanagementservices, von Charterhouse Capital Partners übernommen. Der M&A-Deal hat ein Volumen von 3,1 Mrd. Euro. CVC ist seit 2003 an Ista beteiligt und hatte 2007 die Mehrheit an dem Dienstleister abgegeben. Seitdem hielt der PE-Investor eine Minderheitsbeteiligung, die er nun erneut zu einer Mehrheit ausbaut. Das Management von Ista ist weiter am Unternehmen beteiligt. Der vollständige Abschluss des M&A-Deals wird bis zur Jahresmitte erwartet.Freshfields Bruckhaus Deringer hat
Charterhouse Capital Partners beraten.

Henkel hat Kapital für M&A-Deals

Der Konsumgüterkonzern Henkel könnte sich größere Akquisitionen leisten. Vorstandschef Kasper Rorsted zufolge könnte Henkel M&A-Deals im Volumen von 3,5 bis 4 Mrd. Euro stemmen, ohne die aktuellen Schuldenratings zu gefährden. Den letzten großen Zukauf hatte Henkel im Jahr 2008 mit der Übernahme von National Starch für knapp 4 Mrd. Euro getätigt. Im nachfolgenden Banken-Crash machte Henkel die Integration des Megadeals allerdings zu schaffen. Zuletzt war Henkel am M&A-Markt mit der Übernahme mehrere polnischer Marken von PZ Cussons aktiv.

Burda übernimmt Gruner + Jahr Polen

Der Zeitschriftenverlag Burda International übernimmt alle Aktivitäten von Gruner + Jahr in Polen zu einem nicht genannten Preis. Dazu zählen mehr als 30 Zeitschriften, mehr als 20 digitale Medienangebote, Events und das Buchgeschäft. Die Kartellbehörden müssen dem M&A-Deal noch zustimmen, eine Entscheidung erwartet Burda zum Juli dieses Jahres. Nach eigenen Angaben wird Burda mit der Transaktion der zweitgrößte polnische Zeitschriftenverlag. Ein Team von CMS Hasche Sigle um Coporate Partner Henrik Drinkuth hat Gruner + Jahr bei dem M&A-Deal beraten.

PE-Investor DPE beteiligt sich an SLM Solutions

Der PE-Investor Deutsche Private Equity (DPE) investiert in den 3-D-Druck im Bereich metallischer Bauteile. DPE stattet die inhabergeführte SLM Solutions mit Wachstumskapital aus, die Altgesellschafter bleiben nach Abschluss der Transaktion „maßgeblich“ beteiligt. Über den Wert der Transaktion haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Verantwortlich für die Beteiligung bei DPE sind Volker Hichert und Lars Becker. Der Verkäufer wurde von einem Team von CMS Hasche Sigle um Lead Partner Sebastian Orthmann beraten, der Verkaufsprozess wurde von der Future Materials Group geleitet. Der Käufer wurde von Ebner Stolz Mönning Bachem, Codex Partners und Honert & Partner beraten.

Kuka stärkt Geschäft in den USA

Der Anbieter von automatisierten Produktionsanlagen Kuka hat das Anlagenbaugeschäft des Automobilzulieferers Utica Companies in Michigan übernommen. Der M&A-Deal macht Kuka nach eigenen Angaben zur Nummer 1 unter den nordamerikanischen Systemanbietern für die Automobilindustrie. Der Kaufpreis liegt im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Kuka sichert sich durch den Zukauf zusätzliche Technologien und hofft mit den neuen Produktionsstandorten auf höhere Skaleneffekte.

Portfoliogesellschaft von H.I.G. Europe kauft zu

Der deutsche Hersteller von Kohlenwasserstoffen Haltermann, eine Portfoliogesellschaft des PE-Investors H.I.G. Europe, hat den britischen Hersteller von kohlenwasserstoffbasierten Lösemitteln Petrochem Carless (Umsat 2012 ca. 440 Mio. Euro) übernommen. Zum Kaufpreis wurde nichts bekannt. Die Haltermann Holding wird nach dem M&A-Deal als HCS Group als Holdinggesellschaft von Haltermann und PCL fungieren. Der PE-Investor H.I.G. Europe hatte Haltermann im Juli 2011 übernommen, Verkäufer war damals Dow Chemical.

Reimann kauft weiter im Kaffee-Bereich zu

Das Unternehmen Oak Leaf, das vollständig von der JAB Investor Group unter Leitung der Holding Joh. A. Benckiser der Investorenfamilie Reimann gesteuert wird, hat ein Übernahmeangebot von 12,50 Euro in Cash für jede Aktie von D.E. Master Blenders (Senseo) vorgelegt. Das Board von D.E. Master Blenders empfiehlt den Aktionären die Annahme. Reimann hatte in den vergangenen Monaten bereits Peet's Coffee & Tea in Kalifornien übernommen und für die Caribou Coffee Company geboten. Das Gebot für D.E. Master Blenders summiert sich auf rund 7,5 Mrd. Euro. Die Investoren wollen neben 4,9 Mrd. Equity auch 3 Mrd. Fremdfinanzierung aufbieten. Die Finanzierung stellen Banc of America, Citibank, Rabobank und Morgan Stanley. Die Equity-Finanzierung stellen die Mitglieder der JAB Investor Group JAB Forest, BDT Oak Acquisition Vehicle (eine Investorengruppe unter Führung von BDT Capital Partners), Société Familiale d'Investissements und Einheiten unter Quadrant Capital Advisors. Lazard ist Lead Financial Adviser von D.E. Master Blenders bei dem M&A-Deal, Goldman Sachs und JP Morgan sind weitere Finanzierungsberater. Allen & Overy und De Brauw Blackstone Westbroek sind Rechtsberater.

Ares erweitert sein Portfolio

Die auf den Gesundheitssektor fokussierte Schweizer Investmentgruppe Ares Life Sciences hat 100 Prozent des Gesellschaftskapitals von Planet Biopharmaceuticals übernommen. Der M&A-Deal schließt die hundertprozentige Tochtergesellschaft Antigen Laboratories ein, einen Produzenten von Allergenextrakten. Die Umsetzung des M&A-Deals unterliegt noch verschiedenen Abschlussbedingungen. Der Zukauf soll die kürzlich unterzeichnete Übernahmevereinbarung mit Greer Laboratories, einem Unternehmen für Hyposensibilisierungsprodukte, ergänzen. Ares ist zudem Hauptaktionär des französischen Unternehmens Stallergenes, bei dem der Investor 2010 eingestiegen ist.

M&A-News: Personalien

Die deutsche Niederlassung des PE-Investors The Riverside Company hat Peter Schaberger (41) zum Partner ernannt. Riverside Europe Partners betreut in der DACH-Region vom Standort München aus derzeit sechs Beteiligungen. Schaberger ist seit 2005 bei Riverside. Unter anderem war er 2008 am Verkauf der Richter Chemie-Technik beteiligt und betrieb 2010 den Verkauf von Lautsprecher Teufel. 2011 verantwortete Schaberger die Akquisition der Keymile Gruppe, die Riverside gemeinsam mit Halder von Hannover Finanz übernommen hat.

Bernd M. Stütz verstärkt seit dieser Woche den europäischen Senior Adviser Beirat der auf mittelständische M&A-Deals fokussierten Beratungsgesellschaft @visory Partners in Wiesbaden. Die M&A-Beratung will dadurch die Zusammenarbeit mit Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau sowie mit Automobilzulieferern intensivieren. Stütz begann seine berufliche Laufbahn bei ZF Friedrichshafen und war dort auch Mitglied der Geschäftsleitung. Später war er unter anderem Finanzvorstand von Bran & Luebbe sowie CFO bei Sanierungsfällen wie TCPOS und Binz. Zuletzt war Stütz Vorsitzender der Geschäftsführung des Pumpenherstellers Lewa, der 2009 von den PE-Investoren DBAG und Quadriga an die japanische Nikkiso verkauft worden war.

Weitere M&A-Deals

Daimler hat wie erwartet seinen verbliebenen 7,5-prozentigen Anteil an EADS verkauft. Der Platzierungspreis liegt mit 37 Euro je Aktie am oberen Ende der zuvor genannten Spanne. Daimler erzielt damit rund 2,2 Milliarden Euro.

Der Essener Energiekonzern RWE hat in dieser Woche den Verkauf seiner Anteile am Gaspipeline-Projekt Nabucco bestätigt. Die Anteile seien wie geplant Anfang März an den österreichischen Konzern OMV verkauft worden. Zum Verkaufspreis wurden keine Angaben gemacht.

Der Oberflächenspezialist Konrad Hornschuch hat den Geschäftsbetrieb des Mittelständlers Era Beschichtung übernommen. Mehrheitsgesellschafter Equistone Partners unterstützte den Asset Deal. 2012 erreichte Era über 30 Mio. Euro Umsatz. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. 

Altran hat das Konstruktions- und Entwicklungsunternehmen AirCad übernommen. Mit der Akquisition erwirbt Altran gleichzeitig die Genehmigung als Entwicklungsbetrieb (DOA), die europäische Akkreditierung zur Erlangung der Abnahmegenehmigung für Flugzeuge. Ein Kaufpreis wurde nicht bekannt.

Der Berliner Dienstleister Dussmann hat zum 15. April alle Anteile an der Dresdner Kühlanlagenbau (DKA) übernommen. DKA erwirtschaftete mit dem Bau und der Wartung von Kühl- und Klimaanlagen 2012 einen Umsatz von 73 Mio. Euro. Dussmann will mit dem M&A-Deal den Bereich Gebäudetechnik stärken. Ein Kaufpreis wurde nicht bekannt.   

Das mittelständische Saatzuchtunternehmen Dieckmann Seeds mit Sitz in Niedersachsen verkauft Teile seines europäischen Geschäftsbetriebs an den US-Konzern Monsanto. Der M&A-Deal umfasst die Geschäftsbereiche Raps- und Roggensaatgut sowie den Vertrieb von Mais und Sonnenblumen. Finanzielle Details wurden nicht bekannt, die Kartellbehörden müssen noch zustimmen.

Der Teilausstieg bei RTL könnte dem Medienkonzern Bertelsmann bis zu 1,6 Mrd. Euro einbringen. Die bis zu 25,5 Mio. Aktien werden zum Pries von 54 bis 62 Euro angeboten, ein Bankenkonsortium unter Federführung der Deutschen Bank und Morgan Stanley wird die Aktien bis zum 29. April bei institutionellen und privaten Investoren anbieten. Das Anteilspaket insgesamt liegt bei 17 Prozent, gelingt die Transaktion wäre Bertelsmann noch mit 75 Prozent an RTL beteiligt.

Die ProSiebenSat.1 Group hat über ihre Gesellschaft SevenVentures den Webseitenbetreiber Silver Tours übernommen. SilverTours betreibt ein Portal für den Preisvergleich bei Mietwagen. Die Kartellbehörden müssen dem M&A-Deal noch zustimmen. Ein Team von Clifford Chance unter Federführung von Partner Christoph Witte hat die Gründer von SilverTours beraten.

Das Unternehmen Solutio, spezialisiert auf Anlagekonzepte im Bereich alternativer Assetklassen, hat einen Management Buy-Out erfolgreich abgeschlossen. Andreas Varnavides, bis Ende 2012 stellvertretender Vorstandsvorsitzender der UBS Deutschland und ehemaliger CEO von UBS Global Asset Management, wird Gesellschafter und Vorsitzender des Aufsichtsrats. Im Zuge eines Management Buy-Out erwerben der Vorstand, Senior-Mitglieder des Unternehmens und Andreas Varnavides die Anteile der Gründungsgesellschafter Alfred Straubinger und Werner Döttinger.

Meerane Automotive übernimmt im Rahmen einer übertragenden Sanierung den Produktionsstandort des insolventen Automobilzulieferers Pampus Automotive in Meerane. Pampus hatte im Januar Insolvenzantrag gestellt, das Verfahren wurde im April eröffnet. Insolvenzverwalter ist Christoph Schulte-Kaubrügger, Partner bei der Kanzlei White & Case.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de