Salzgitter übernimmt Verteidigungsunternehmen Thyrolf & Uhle
Salzgitter baut das Defence-Portfolio aus. Der Stahl- und Technologiekonzern übernimmt dazu Thyrolf & Uhle. Thyrolf & Uhle verarbeitet Sicherheitsstähle und stellt Komponenten für den Infrastrukturschutz sowie für den zivilen und militärischen Fahrzeugbau her. Das Unternehmen aus Dessau-Roßlau, das seit 1859 Metallverarbeitung betreibt, beschäftigt rund 100 Mitarbeitende und verarbeitet jährlich über 12.000 Tonnen Stahl.
Durch die Akquisition von Thyrolf & Uhle erweitert Salzgitter seine Kompetenzen im Bereich Sicherheitsstähle. Außerdem will der Konzern aus Niedersachsen so an der steigenden Nachfrage im Defense-Sektor profitieren.
Deutsche Börse kauft ISS Stoxx
Nächster Milliarden-Deal für die Deutsche Börse: Die Frankfurter übernehmen die verbleibenden 20 Prozent an ISS Stoxx von General Atlantic. ISS Stoxx ist ein Unternehmen aus dem Bereich Finanzdaten, Indizes und Research. Es erstellt und verwaltet vor allem Börsen‑Indizes und liefert dazu Daten, Analysen und Tools für Investoren und Finanzmarktteilnehmer.
Diese Transaktion markiert das Ende einer Partnerschaft, die 2019 mit der Übernahme von Axioma begann. Der Kaufpreis beträgt 1,1 Milliarden Euro, basierend auf einem Ebitda-Multiple von 20x. Der Kaufpreis soll dabei aus einer Kombination aus Barmitteln und Fremdkapital finanziert werden.
Mit dem vollständigen Erwerb von ISS Stoxx verfolgt die Deutsche Börse Group ihre strategische Vision, ISS Stoxx als führenden Anbieter von Daten, Analysen und Indizes zu etablieren. Das Research- und Beratungsangebot von ISS bleibt unabhängig. Die Deutsche Börse Group erwartet, dass sich die Transaktion positiv auf das Cash-EPS auswirkt, und plant, ihr AA-Rating beizubehalten.
Bertelsmann übernimmt indisches Joint Venture
Bertelsmann baut die Position im indischen Logistikmarkt aus. Der Medien-, Dienstleistungs- und Bildungskonzern mit Hauptsitz in Gütersloh übernimmt über Bertelsmann Investments (BI) die Mehrheit der Anteile an Lets Transport. BI war seit 2018 an der Plattform beteiligt, die Lkw-Fahrer mit Firmenkunden verbindet. Gegenüber Reuters sagte Konzernvorstand und BI-Chef Carsten Coesfeld, dass man nun 80 Prozent der Anteile halte.
Die Übernahme zielt darauf ab, Lets Transport als Logistikakteur in Indien zu etablieren. Das Unternehmen verzeichnete 2025 einen Umsatzanstieg von 40 Prozent und ist in 25 Städten präsent. Zudem stärkt Bertelsmann damit die eigene Präsenz in einem aus der eigenen Sicht nach wichtigen Wachstumsmarkt. Im Zuge der Ausweitung der Anteile plant BI zudem, die Technologie und das Netzwerk von Lets Transport weiter auszubauen.
Weitere M&A-Deals
Nuveen, ein globaler Vermögensverwalter, hat sich mit dem Vermögensverwalter Schroders auf eine Barübernahme geeinigt. Der Deal bewertet Schroders mit 9,9 Milliarden britischen Pfund (rund 11,4 Milliarden Euro) und schafft einen der größten aktiven Asset Manager weltweit mit 2,5 Billionen US-Dollar (rund 2,1 Billionen Euro) an verwaltetem Vermögen. Die fusionierte Gruppe wird in mehr als 40 Märkten präsent sein und plant, ihre Public-to-Private-Plattform zu erweitern. Schroders soll für mindestens 12 Monate eigenständig bleiben und wird weiterhin von Richard Oldfield geführt. BNP Paribas berät Nuveen finanziell, während Clifford Chance LLP als Rechtsberater fungiert.
Rolf Benz ist künftig wieder in deutscher Hand: Ein deutsches Konsortium übernimmt das traditionsreiche Polstermöbelunternehmen vom chinesischen Investor Kuka Investment and Management. Über den Kaufpreis machten die beteiligten Parteien keine Angaben. Der chinesische Investor hatte Rolf Benz 2018 einst für rund 42 Millionen Euro übernommen. Das Beratungsunternehmen Kearney begleitete den Deal in beratender Funktion.
Das Mannheimer Familienunternehmen Fuchs erwirbt die restlichen 50 Prozent des türkischen Joint Ventures Opet Fuchs von Opet und wird damit alleiniger Eigentümer. Das Unternehmen wird künftig als Fuchs Lubricants Türkiye firmieren. Der deutsche Schmierstoffhersteller erhofft sich von der Übernahme die Stärkung der Marktposition in der Türkei, einem strategisch wichtigen Markt für Fuchs. Das Joint Venture wurde 2005 gegründet und ist ebenfalls im Schmierstoffbereich tätig.
Loancos übernimmt das Tochterunternehmen der Deutschen Kreditbank, FMP Forderungsmanagement Potsdam. FMP ist als Dienstleister im Forderungsmanagement tätig und betreut Engagements im Konsumenten- sowie im besicherten Kreditsegment. FMP verwaltet derzeit ein Forderungsvolumen von mehr als 500 Millionen Euro und soll in Potsdam ansässig bleiben. Die Kanzlei Schalast beriet Loancos bei dem Deal.
Die französische Mistertemp Group übernimmt das deutsche Zeitarbeitsunternehmen Klemme Personal und setzt damit ihre europäische Expansion fort. Nach dem Markteintritt in Spanien im Jahr 2024 ist dies der erste Schritt in den deutschen Markt. Mistertemp kombiniert ein Netzwerk von über 250 Agenturen mit einer digitalen Plattform und zielt darauf ab, ein führender Akteur im Bereich Zeitarbeit zu werden. Taylor Wessing agierte beratend auf der Seite von Mistertemp.
Die All for One Group aus Filderstadt beteiligt sich an Brightflare, einem Cybersecurity-Spezialisten aus Graz. Diese Partnerschaft soll das Cybersicherheitsangebot von All for One erweitern. All for One ist ein internationaler IT-, Consulting- und Service-Provider. Brightflare fokussiert sich auf den Schutz industrieller Anlagen und kritischer Infrastrukturen. Zudem hat sich All for One die Option gesichert, im Jahr 2030 eine Mehrheitsbeteiligung an Brightflare zu erwerben. Brightflare plant, in Deutschland zu expandieren, und will sowohl organisch als auch anorganisch wachsen.
M&A-Berater-News
Fortino Capital hat Philipp Remy zum Managing Partner ernannt. Seit seinem Start bei Fortino im Jahr 2022 hat er laut der Private-Equity-Gesellschaft den Münchner Standort aufgebaut und Fortinos Position im B2B-SaaS- und KI-Sektor gestärkt. In seiner neuen Rolle soll Remy mehr Führungsverantwortung erhalten und die Entwicklung der Strategie für Künstliche Intelligenz verantworten.
Sven Wiesenthal tritt als Director bei Metzler Corporate Finance in Frankfurt ein. Er wird die Beratung von Family Offices, Stiftungen und Familienholdings ausbauen und das M&A-Geschäft im Industrials-Segment stärken. Wiesenthal bringt zwölf Jahre Erfahrung im Industrial-Sektor aus seiner Zeit bei der Deutschen Bank und M.M. Warburg mit.
Info
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Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.
