M&A-Deals: SAP, Personio, DHL

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SAP und Techwolf arbeiten bereits über eine Partnerschaft zusammen, nun folgt die Übernahme. Foto: kittyfly - stock.adobe.com
SAP und Techwolf arbeiten bereits über eine Partnerschaft zusammen, nun folgt die Übernahme. Foto: kittyfly - stock.adobe.com

SAP schnappt sich belgischen KI-Spezialisten

SAP übernimmt Techwolf, einen in Gent gegründeten Spezialisten für KI-gestützte Personalplanung. Über den Kaufpreis machten beide Seiten keine Angaben, der Abschluss ist noch vor Jahresende geplant.

Im Mittelpunkt des Deals steht Techwolfs Produkt „Context Graph for Work“, das Tätigkeiten und Fähigkeiten von Beschäftigten erfasst und mit der Unternehmensstrategie verknüpft. SAP-Kunden haben zu dem Angebot bereits über eine bestehende Partnerschaft der beiden Unternehmen Zugang. Techwolf wurde 2018 gegründet und sammelte Berichten zufolge im Frühjahr 43 Millionen US-Dollar ein. SAP soll an der Finanzierungsrunde als Investor beteiligt gewesen sein. Nach der Übernahme soll Techwolf als eigenständiges Unternehmen unter dem bisherigen Chef Andreas De Neve weiterbestehen.

Personio kauft Ausgabenmanager Circula

Der Münchner HR-Softwareanbieter Personio übernimmt Circula, eine 2017 in Berlin gegründete Ausgabenmanagement-Plattform für mittelständische Unternehmen. Im Zuge der Transaktion wechselt das gesamte Team zu Personio. Finanzielle Details nannten beide Seiten nicht.

Für Personio soll der Deal eine Lücke schließen. Der Münchner HR-Softwareanbieter hat zuletzt eine eigene Lohnabrechnung aufgebaut und will nun auch Auslagen, Firmenkarten und Benefits auf derselben Plattform abbilden. Beide Unternehmen arbeiten bereits seit mehreren Jahren zusammen und teilen sich eine gemeinsame Kundenbasis.

DHL baut Paketstationsnetz mit Myflexbox aus

DHL übernimmt Myflexbox, einen Salzburger Betreiber von rund 3.000 anbieteroffenen Paketautomaten in Deutschland und Österreich. Verkäufer ist der britische Finanzinvestor Star Capital, der 2023 die Mehrheit an dem 2018 als Tochterunternehmen der Salzburg AG gegründeten Start-up übernommen hatte. Über den Kaufpreis machten beide Seiten keine Angaben.

Für DHL schließt der Zukauf laut eigenen Aussagen eine strategische Lücke im anbieterunabhängigen Automatensegment. Das Unternehmen führt Myflexbox mit seiner eigenen Marke „DeinFach” zusammen, die derzeit rund 1.700 Automaten in Deutschland betreibt. Myflexbox soll dennoch als eigenständige Marke erhalten bleiben und weiterhin alle Paketdienstleister gleichberechtigt bedienen, um das Alleinstellungsmerkmal der Anbieterunabhängigkeit zu wahren.

Bis 2030 plant DHL, das kombinierte Netz auf 25.000 Standorte in Deutschland auszubauen, rund siebenmal mehr als der aktuelle Myflexbox-Bestand. Mit dem Zukauf kommt DHL insgesamt auf mehr als 21.000 Automatenstandorte.

Weitere M&A-Deals

Zeiss übernimmt Ceres Holographics, einen 2009 gegründeten schottischen Spezialisten für holografische Technologien mit Sitz in Livingston. Der Jenaer Optikkonzern integriert das Unternehmen in seine Geschäftseinheit Zeiss Microoptics, die sich auf die Industrialisierung der Holografie für Automotive, Luft- und Raumfahrt sowie den Consumerbereich konzentriert. Im Mittelpunkt steht die Technologie von Ceres für holografische Windschutzscheiben-Displays, die Zeiss mit seiner eigenen Pro-Sight-Plattform kombinieren will. Der Konzern plant mit dem Zukauf die Marktreife der Technologie zu beschleunigen und perspektivisch auch Bereiche wie Near-to-Eye-Displays und den Einzelhandel zu erschließen.

EMP wechselt den Besitzer: Der 1986 gegründete europäische Händler für Rock- und Metal-Merchandise ist künftig in den Händen der britischen Medien- und Commerce-Plattform Whynow, die EMP von Warner Music übernimmt. EMP soll in die Plattform integriert werden und Künstlern sowie Rechteinhabern künftig eine zentrale Anlaufstelle für Merchandise, E-Commerce und Medieninhalte bieten. Für Whynow ist der Zukauf der Einstieg in den europäischen Direktvertrieb. Im Zuge der Transaktion errichtet Whynow zudem einen Standort in Berlin. Über den Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Die Kanzlei Gleiss Lutz beriet Warner Music beim Verkauf.

Die Gründer des Fitness-Wettkampfformats Hyrox, Christian Toetzke und Moritz Fürste, investieren in das britische Fitness-Start-up Xenom. Über die Höhe des Investments machten beide Seiten keine Angaben. Gleichzeitig vereinbarten Hyrox und Xenom eine strategische Partnerschaft in den Feldern Marketing, Eventaktivierung und Ausbildung. Xenom veranstaltet stadionbasierte Wettkämpfe in zehn standardisierten Fitnessdisziplinen und hatte zuletzt 15 Millionen US-Dollar in einer Seed-Runde eingesammelt, die von der Investmentgesellschaft WNDR um Jeffrey Katzenberg angeführt wurde. Xenom plant nach ersten Wettkämpfen in Dallas, London, Miami und Malaga für 2027 seine erste vollständige internationale Saison.

Der britische Cloud-ERP-Software-Anbieter Unit4 übernimmt Napta. Napta betreibt eine Plattform für Ressourcenmanagement und Skills Intelligence. Über den Kaufpreis machten beide Seiten keine Angaben. Die Franzosen betreuen nach eigenen Angaben mehr als 100 Kunden in Europa und bleiben nach dem Zusammenschluss unter der Führung von Mitgründer Arnaud Caldichoury eigenständig. Für Unit4 schließt der Zukauf eine Lücke im Bereich kompetenzbasierter Personalplanung für Dienstleister.

Das Kölner Buchungsmanagement-Start-up Anny übernimmt den Kölner KI-Spezialisten Hidesk, weniger als ein Jahr nach dessen Gründung. Das gesamte Team bleibt operativ an Bord. Hidesk betreut nach eigenen Angaben mehr als 250 Kunden und wächst derzeit stark. Mit dem Zusammenschluss will Anny KI‑gestützte Kundenkommunikation mit dem eigenen Buchungssystem verbinden. Über den Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht.

M&A-Berater-News

Carlos Robles y Zepf wechselt als Partner in die Corporate-M&A-Praxis von Baker Tilly am Frankfurter Standort. Er kommt von Mayer Brown, wo er seit 2021 als Partner tätig war. Zuvor arbeitete er unter anderem bei DLA Piper als Partner und Co-Chair der Industriegruppe Chemicals. Sein Schwerpunkt liegt auf Transaktionen in den Bereichen Industrials, Energy und Infrastructure.

Deals in Verhandlung

Der Bund leitet die Reprivatisierung des verstaatlichten Gaskonzerns Sefe ein. Das Wirtschaftsministerium hat nach eigenen Angaben den Bewerbungsprozess für beratende Kanzleien und Investmentbanker gestartet. Insidern zufolge soll Lazard den Verkaufsprozess begleiten. Dieser soll demnach Anfang 2027 beginnen, ein Börsengang gilt laut Ministeriumskreisen als unwahrscheinlich. Wie die „Börsen-Zeitung“ berichtet, werde der Unternehmenswert auf rund sechs Milliarden Euro geschätzt, was dem staatlichen Rettungsbetrag von 2022 entspricht.

Der US-Finanzinvestor Apollo hat ein unverbindliches Angebot für den verstaatlichten Energieversorger Uniper abgegeben, wie „Reuters“ berichtet. Im Rennen sind demnach außerdem der tschechische Energiekonzern EPH, ein Konsortium aus Brookfield und dem kanadischen Pensionsfonds CPPIB sowie der norwegische Energiekonzern Equinor. Zudem soll ein Konsortium aus KKR und RWE ein Angebot eingereicht haben. Der Bund hält 99,12 Prozent an Uniper und will bis zu 74,12 Prozent verkaufen. Reuters zufolge könnte der Deal Uniper mit rund zehn Milliarden Euro bewerten. Das Finanzministerium lässt sich von UBS und JP Morgan beraten.

Die NRW-SPD schaltet sich in den möglichen Übernahmeversuch von BASF bei Evonik ein. Die Fraktion hat am Dienstag einen Antrag im Landtag eingereicht, der die Landesregierung auffordert, die Eigenständigkeit des Chemiekonzerns zu sichern. Eine Landesbeteiligung solle dabei kein Tabu sein. Zuerst hatte das „Manager Magazin“ berichtet.

Konkret bringt die SPD eine gemeinsame Beteiligung von Land und RAG-Stiftung von „50 Prozent plus X“ ins Spiel, möglicherweise finanziert über die NRW-Bank. Das würde nach SPD-Berechnungen rund 800 Millionen Euro kosten. Die RAG-Stiftung hält derzeit 44 Prozent an Evonik. Stiftungschef Bernd Tönjes steht dem Plan skeptisch gegenüber und hat mehrfach betont, seinen Anteil eher auf 25,1 Prozent reduzieren zu wollen.

Info

Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.