Airbus hat seine restlichen Anteile an Atlas Elektronik an ThyssenKrupp verkauft.

ThyssenKrupp

13.01.17
Deals

M&A-Deals: ThyssenKrupp, Alno, Tui

ThyssenKrupp übernimmt die restlichen Anteile am Joint Venture Atlas Elektronik, Tahoe hält über 43 Prozent an Alno und Alexej Mordaschow nähert sich der Sperrminorität bei Tui. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Deutsche Investorenkonferenz 2017

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Ankündigung zur 14. Deutschen Investorenkonferenz

ThyssenKrupp übernimmt Atlas Elektronik komplett

Der Industriekonzern ThyssenKrupp hat die restlichen Anteile an dem Sonartechnik-Spezialisten Atlas Elektronik vom Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus übernommen. ThyssenKrupp hielt bisher 51 Prozent der Anteile und ist nun alleiniger Eigentümer.  Airbus trennt sich bereits seit einiger Zeit von Beteiligungen abseits des Kerngeschäfts. Mit der Übernahme will ThyssenKrupp die Zusammenarbeit zwischen seiner Sparte Marine Systems und Atlas Elektronik vertiefen. Zum Kaufpreis machten die beiden Unternehmen keine Angaben. Die Zustimmung der Kartellbehörden steht noch aus.

Tahoe gibt trotz Minderheitsbeteiligung den Ton bei Alno an

Nach dem Ende der zweiten und letzten Annahmefrist hält Tahoe Investors nun 43,13 Prozent der Aktien des Küchenherstellers Alno. In dieser zweiten Runde hatten 9,88 Prozent der Aktionäre das Angebot angenommen, ihre Aktien an den Großaktionär zu veräußern. Für eine Aktie hatten die Kleinaktionäre 50 Cent bekommen. Auch wenn Tahoe damit nicht die Mehrheit an Alno hält, kann ohne die Zustimmung des Großaktionärs wenig entschieden werden. Der neue CFO Christian Brenner ist ein Vertreter von Tahoe. Hinzu kommt die Stimmrechtsbindung des CEOs Max Müller. Und auch im Alno-Aufsichtsrat hat Tahoe mit vier Vertretern bei neun Sitzen großen Einfluss.

Alexej Mordaschow vor Sperrminorität bei Tui

Der russische Großaktionär Alexej Mordaschow nähert sich einer Sperrminorität beim Reisekonzern Tui. Der größte Einzelaktionär bei Tui halte mittlerweile 21,18 Prozent der Anteile der Aktiengesellschaft, wie ein Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur dpa bestätigt hat. Erreicht Mordaschow die Schwelle von 25 Prozent, kann er wichtige Entscheidungen auf der Hauptversammlung blockieren. Mordaschow sitzt auch im Tui-Aufsichtsrat, jeder seiner Aktienkäufe muss deshalb gemeldet werden. Laut Angaben der „Bild am Sonntag“ habe Mordaschow zuletzt für knapp 24 Millionen Euro Tui-Aktien gekauft.

Mordaschow hatte bereits einmal eine Sperrminorität bei Tui aufgebaut, diese allerdings nach der vollständigen Übernahme von Tui Travel durch den Tui-Konzern wieder verloren.

Brita übernimmt niederländische O Original

Brita, Spezialist für Trinkwasseroptimierung, hat den niederländischen Anbieter von Wasserspendern O Original übernommen. O Original vermarktet Dispenser und gebrandete Flaschen. Die Kunden von O Original sind aus der Hotellerie, Gastronomie und aus dem Bereich Catering. O Original ergänzt das Dispenser-Geschäft von Brita, das derzeit über 50 Millionen Euro Umsatz generiert. Mit der Übernahme strebt Brita auf den Markt der Benelux-Länder, die O Original im Fokus hat. O Original wird künftig unter dem Namen Brita Vivreau firmieren.

Volkswagen baut Dienstleistungsgeschäft für LKW aus

Der Automobilkonzern Volkswagen übernimmt über seine Tochter Financial Services rund 51 Prozent und damit die Mehrheit am Tank- und Servicekarten-Abwickler LogPay Transport Services, die die DVB Bank veräußert. LogPay richtet sich in erster Linie an LKW-Fahrer, die mit den ausgegebenen Tankkarten an Tankstellen unterschiedlicher Anbieter bezahlen können. Außerdem können die Karten in 18 europäischen Ländern für die Begleichung von Maut-Gebühren genutzt werden. Volkswagen Financial Services wurde bei dem Deal von der Wirtschaftskanzlei Noerr unter der Federführung von Felix Blobel und Ariane Neubauer beraten.

Armacell übernimmt Isolierungsgeschäft von Nomaco

Der Dämmstoffhersteller Armacell aus Münster übernimmt das Isolierungsgeschäft von Nomaco in den USA. Nomaco ist führender Produzent extrudierter PE-Dämmstoffe. Mit der Übernahme der Produktionsstätte in Yukon, Oklahoma, stärkt Armacell seine Präsenz und Kundennähe auf dem nordamerikanischen Markt. Im Rahmen der Transaktion werden auch mehrere Führungskräfte zu Armacell wechseln, um einen störungsfreien Übergang im Geschäft zu ermöglichen. Der aufgekaufte Bereich konnte bei Nomaco im Jahr 2016 rund 28 Millionen US-Dollar Umsatz generieren. Der Preis, den Armacell für die Übernahme entrichten muss, ist nicht bekannt.

Standard Industries hält Mehrheit an Braas Monier

Der amerikanische Baustoffkonzern Standard Industries hält 73,3 Prozent an dem Dachpfannen-Hersteller Braas Monier und konnte sich damit in der ersten Runde noch nicht die Dreiviertel-Mehrheit sichern. Die Aktionäre von Braas haben bis zum 25. Januar nochmals Gelegenheit, ihre Aktien zu verkaufen. Die Hauptversammlungs-Mehrheit hatte das US-Familienunternehmen bereits vorher sicher. Braas Monier hatte lange gegen die Übernahme gekämpft. Kurz vor Weihnachten einigten sich beide Parteien auf eine Aufstockung des Angebots. Damit bietet der US-Konzern nun insgesamt 1,09 Milliarden Euro für die Hessen.

M&A-Personalien

Simon Vogel wechselt als Partner ins Münchener Büro der Wirtschaftskanzlei Dentons. Vogel kommt von King & Wood Mallesons. Bei Dentons wird der Aufgabenbereich Vogels vor allem das Private-Equity-Geschäft sein.

Die Kanzlei Ebner Stolz hat zum Jahreswechsel sein Team für Gesellschaftsrecht in Stuttgart ausgebaut. Roderich Fischer und Ronald Kagan wechseln aus dem Stuttgarter Büro von AFR Aigner Fischer Radlmayr zu Ebner Stolz. Fischer und Kagan sollen den Bereich M&A Legal, der sich mit rechtlichen Fragen bei Transaktionen befasst, ausbauen.

Die Wirtschaftskanzlei Noerr hat zum Jahreswechsel neue Partner ernannt. Rechtsanwalt Fabian Badtke ist Spezialist für deutsches und europäisches Kartellrecht. Alexander Israel gilt als Spezialist für Kartellrecht, Prozessführung vor den EU-Gerichten und für regulatorische Fragen. Patrick Mückl begleitet unter anderem Unternehmenstransaktionen arbeitsrechtlich. Und der neue Partner Nikolai Warneke ist Experte für Finanzierungsrecht, unter anderem berät er bei Akquisitionsfinanzierungen. Daneben ernannte Noerr noch neue Senior Counsel und National Partner. Auch wurden zehn Anwältinnen und Anwälte zu Associated Partnern ernannt, vier zu Counsel.

Die deutsche Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO hat einen neuen Partner verpflichtet. Hartmut Paulus hat zum Jahresbeginn die Leitung für den Bereich Corporate Finance, darunter M&A, in Deutschland übernommen. Der 46-Jährige Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Paulus war zuvor bei der US-amerikanischen Corporate-Finance-Boutique Duff & Phelps, wo er als Managing Director mit dem Aufbau des Geschäftsbereichs Valuation Advisory in Deutschland beauftragt war.

Norton Rose Fulbright verstärkt seine M&A-Kompetenz mit zwei neuen Partnern am Standort Hamburg. Der 43-jährige Patrick Narr gilt als Corporate und M&A-Experte und kommt von White & Case. Ebenfalls von White & Case kommt der neue Partner Stefan Feuerriegel, der im Immobilienrecht beheimatet ist.

Die Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells hat weltweit neue Partner und Counsel ernannt. Darunter sind auch drei Partner in Deutschland. Alexander Klicznik wird als Experte für gewerblichen Rechtsschutz Partner in Düsseldorf tätig sein. Peter Huber und Matthias Schweiger werden künftig als Partner am Standort München fungieren, Huber für Gesellschaftsrecht und M&A, Schweiger für Litigation.

Weitere M&A-Deals

Die ziegelproduzierenden Juwö Poroton-Werke übernehmen den Wettbewerber Zeller Poroton aus Bayern. Der Umsatz von Juwö Poroton soll sich nach der Übernahme auf fast 30 Millionen Euro belaufen, das Unternehmen einen wichtigeren Stellenwert in West- und Südwest-Deutschland einnehmen. Der Kaufpreis ist nicht bekannt.

Der PE-Investor Main Capital hat sich an dem Softwareunternehmen Artegic beteiligt. Artegic ist ein Anbieter von Marketing Automation Software in Deutschland. Main Capital will das Unternehmen unter anderem durch Zukäufe beim Wachstum unterstützen. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. FINANCE-Informationen zufolge lag dem Deal aber ein Enterprise Value in Höhe eines niedrigen einstelligen Millionenbetrags zugrunde.

Der Münchner Medienkonzern Burda expandiert in Großbritannien und übernimmt das Medienunternehmen Immediate Media. Immediate Media publiziert Heim- und Hobbymagazine und beschäftigt 1.300 Mitarbeiter. Bisheriger Eigentümer war der private Kapitalfonds Exponent. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt.

Sika, ein Unternehmen aus der Spezialitätenchemie, übernimmt Bitbau Dörr, einen Hersteller von Abdichtungssystemen aus Österreich. Dörr hat seinen Sitz in Innsbruck und beschäftigte im vergangenen Geschäftsjahr 85 Mitarbeiter. Die Österreicher können einen Umsatz von 50 Millionen Schweizer Franken vorweisen. Zu finanziellen Details der Transaktion machten die Unternehmen keine Angaben.

Die Finanzinvestoren Bain Capital und Advent sind an einem Kauf des Kartenzahlungsdienstleisters Concardis interessiert. Das berichtet Reuters unter Berufung auf vertraute Personen. Momentan gehört Concardis einem Konsortium, zu dem mehr als 30 Banken und Verbände gehören – darunter auch die Deutsche Bank. Im Gespräch ist ein Übernahmepreis von rund 700 Millionen Euro.

Der US-Kosmetikkonzern Coty, der zum Portfolio der deutschen Milliardärsfamilie Reimann gehört, übernimmt 60 Prozent an dem Online-Händler Younique. Younique vertreibt online Kosmetikprodukte.  Der Preis liegt bei etwa 600 Millionen Dollar. Younique konnte im vergangenen Jahr einen Umsatz von etwa 400 Millionen Dollar vorweisen.

Das Softwareunternehmen USU Software hat die IT-Service-Agentur UnitB Technology übernommen. Der Kaufpreis liegt etwa zwischen 4 und 5,1 Millionen Euro, er ist neben einem fixen Anteil abhängig von einem erfolgsabhängigen variablen Anteil. Der Kaufpreis wird in bar bezahlt.

Die Beteiligungsgesellschaft VR Equitypartner ist nun mit einer Minderheit an Grundig Business Systems (GBS) beteiligt, einem Anbieter für digitale Komplettlösungen. GBS ist in Besitz der Münchener Beteiligungsgesellschaft Induc zusammen mit der Mirablau GmbH und weiteren Investoren. Details der Transaktion wurden nicht bekanntgegeben. Induc wurde bei dem Deal von Arqis beraten (Federführung: Andreas Dietl und Lars Laeger). Noerr hat VR Equitypartner beraten.

Die Beteiligungsgesellschaft Mutares hat ein Angebot zur Übernahme des Stahlrohrgeschäfts von Aperam abgegeben. Dazu gehören das Werk in Ancerville und ein Distributionszentrum in Annecy, beide in Frankreich. Der Umsatz lag im Jahr 2015 bei 67 Millionen Euro.

Der Reisekonzern Tui plant weiterhin den Verkauf seines Spezialreiseanbieters Travelopia. Dafür wurde nun die Citigroup mit dem Veräußerungsprozess beauftragt. Laut der britischen Zeitung „CityAM“ ist ein Unternehmenswert von 500 bis 600 Millionen Euro im Gespräch, als mögliche Übernahmekandidaten gelten demnach Kuoni, KKR und Warburg Pincus.

Der Autozulieferer Leoni veräußert sein Geschäft mit Kabelkonfektion und Kabelsätzen für Haushaltsgeräte und Elektrowerkzeuge. Den Bereich übernimmt der kalifornische Zulieferer Bizlink. Laut Leoni beträgt der Unternehmenswert 50 Millionen Euro. Bei der Transaktion wurde Leoni von Hengeler Mueller beraten. Baker McKenzie trat auf Seiten von Bizlink als Berater auf (Federführung: Gwyneth Gu und Gerald Schumann).

Die Dorea-Gruppe, Betreiber von Pflege- und Senioreneinrichtungen, übernimmt die Margarethenhof-Gruppe, die auf die vollstationäre Pflege und Betreuung von Senioren spezialisiert ist. Die Margarethenhof-Gruppe wird von ihrem geschäftsführenden Gesellschafter Joseph Devadas veräußert. Über den Kaufpreis wurden keine Informationen veröffentlicht. Dorea wurde bei dem Deal von Hogan Lovells beraten.

Der Data und Analytics-Experte Bisnode übernimmt den Datenspezialisten Swan Insights aus Belgien. Swan Insights ist ein 2013 gegründetes Unternehmen, das seinen Markt in Belgien, Luxemburg, Deutschland und Großbritannien hat. Bisnode konnte 2015 einen Umsatz von etwa 390 Millionen Euro vorweisen. Zu finanziellen Details der Transaktion machten die Unternehmen keine Angaben.

Der schwedische Leuchtenhersteller Fagerhult übernimmt den deutschen Lichtspezialisten WE-EF Leuchten. Für 100 Prozent der Unternehmensanteile überweist Fagerhult den Eigentümern, die von Hogan Lovells beraten werden, 81 Millionen Euro. Außerdem übernimmt Fagerhult auch den Lichtexperten Flux Eclairage aus Frankreich vollständig. Der Kaufpreis liegt hier bei 5 Millionen Euro. Nach Genehmigung der Kartellbehörden sollen die Deals noch im ersten Quartal 2017 abgeschlossen werden. Fagerhult wird von Orrick (Federführung: Konstantin Heitmann und Kristoffer Jacobsson) beraten. Die Eigentümer wurden von und Hogan Lovells (Federführung: Andreas Meyer) beraten.

Der Finanzkonzern Wüstenrot und Württembergische (W&W) investiert in das Finanz-Start-up Treefin, das einen digitalen Finanzassistenten entwickelt. Die Stuttgarter halten künftig 75 Prozent an Treefin. Der Preis für den Einstieg ist nicht bekannt.

Für die Übernahme des Schweizer Agrochemiekonzerns Syngenta ist der chinesische Staatskonzern ChemChina offenbar zu Zugeständnissen bereit. Es geht darum, Bedenken der EU-Wettbewerbsbehörde bei der 43-Milliarden-Dollar-Transaktion auszuräumen. Unter Berufung auf Insider berichtet Reuters von überschaubaren Konzessionen, sie sollen lediglich Veräußerungen mit einem Volumen von weniger als 500 Millionen Dollar anbieten.

Der DAX-Konzern Continental und der US-Automobilzulieferer Nexteer planen ein Gemeinschaftsunternehmen. Das neue Unternehmen soll Continental und Nexteer zu gleichen Teilen gehören und auf elektronische Lenk- und Bremssysteme für Anwendungen des automatisierten Fahrens spezialisiert sein.

Über seine Tochter Arvato übernimmt das Medienunternehmen Bertelsmann das indische IT-Analytics-Start-up Ramyam. Damit baut Bertelsmann seine Geschäfte in Indien aus. Finanzielle Details zur Transaktion sind nicht bekannt.

Die Beteiligungsgesellschaft Afinum hat sich am Hebezeugproduzenten Hoffmann Fördertechnik beteiligt. Die Beteiligung wurde von der BayernLB begleitet. Bei der Finanzierung wurde die bayerische Landesbank von der Anwaltssozietät Shearman & Sterling beraten. 

Die KTP Holding hat im Dezember über eine Kapitalerhöhung einen neuen Gesellschafter an Bord geholt: Die Wagner Holding beteiligte sich mit 25,01 Prozent an dem Hersteller für mehrwegfähige Transportverpackungslösungen für großvolumige und empfindliche Güter. Die bisherigen Gesellschafter sind weiter unverändert bei KTP investiert. VR Equitypartner ist seit Januar 2011 an der KTP beteiligt. VR Equitypartner wurde von Orrick, Herrington & Sutcliffe (Christoph Brenner und Bernhard Schmaderer), Wagner von Martin Bürmann von Ritterhaus Rechtsanwälte sowie Imap M&A Consultants und Falk beraten.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.