Oetker will die Milliarden aus dem Verkauf der Reederei Hamburg Süd nutzen, um sein Stammgeschäft auszubauen.

Oetker

16.12.16
Deals

M&A: Oetker will Milliarden ins Stammgeschäft pumpen

Die Oetker-Gruppe will die Milliarden aus dem Verkauf der Reederei Hamburg Süd in Zukäufe im Lebensmittelgeschäft stecken. In Kombination mit dem starken Cashflow könnte Oetker am M&A-Markt bald eine gewaltige Finanzkraft entfalten.

Die Oetker-Gruppe will ihr angestammtes Lebensmittelgeschäft mit Zukäufen ausbauen. Das sagte der Oetker-Beiratschef und Familienpatriarch August Oetker im Interview mit dem „Handelsblatt“ und dem „Focus“. „Dort liegen unsere Ursprünge, und dort wollen wir weiter wachsen. Wir haben durchaus eine längere Liste von Unternehmen, die wir gern kaufen wollen – falls sie zum Verkauf kommen“, sagte Oetker. Vor allem im Ausland soll die Lebensmittelsparte wachsen, so Oetker weiter. Die Gruppe hatte zuletzt im Frühjahr 2015 die Osnabrücker Konditorei Copenrath & Wiese übernommen, seitdem gab es keine größeren Zukäufe mehr.

Das Geld für die Übernahmen soll aus dem Verkauf der Reederei Hamburg Süd kommen. Anfang Dezember hatte Oetker angekündigt, die Reederei an die dänische A.P. Moller-Maersk verkaufen zu wollen. Der Grund ist die momentane Schifffahrtskrise, in der Hamburg Süd ohne starken Partner unter die Räder zu kommen drohte. Zum Kaufpreis hatte Oetker sich nicht geäußert.  Branchendienste und skandinavische Banken schätzen ihn auf bis zu 3,7 Milliarden Euro. Hamburg Süd setzte im Geschäftsjahr 2015 rund 6 Milliarden Euro um. In Verbindung mit dem stabilen Cashflow und der konservativen Bilanz von Oetker ergibt das eine erhebliche Finanzkraft für künftige M&A-Manöver.

Der neue Oetker-Finanzchef steht schon fest

Neben der Ankündigung von Übernahmen äußerte sich Oetker auch zu der CFO-Personalie bei der Gruppe. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Finanzchef Albert Christmann als erster familienfremder Manager an die Spitze von Oetker aufsteigen wird. Der Berufung war ein langer Familienstreit vorangegangen, zahlreiche Familienmitglieder hatte sich lange gegen den Aufstieg Christmanns gewehrt. Es war spekuliert worden, dass Oetkers Halbbruder Carl Ferdinand den Posten haben wollte. Dazu sagte Oetker jetzt: „Niemand hat qua Familienzugehörigkeit Anspruch auf Führungspositionen im Unternehmen. Da braucht es mehr.“

Wer als CFO auf Albert Christmann folgt, ist noch nicht öffentlich bekannt. Es gebe allerdings schon einen Nachfolger, der derzeit nur noch nicht namentlich genannt werden könne, so Oetker. Der neue CFO komme aus dem Unternehmen, sei aber kein Familienmitglied, erklärte Oetker. Auch Albert Christmann war ein Oetker-Eigengewächs, als er zum Konzern-CFO ernannt wurde. Vorher hatte er diverse operative Führungspositionen durchlaufen, unter anderem bei der Radeberger-Brauereigruppe, die zu Oetker gehört.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de