Ende der Zurückhaltung von Merck am M&A-Markt: Der Dax-Konzern torpediert die laufenden Fusionsgespräche zwischen den beiden US-Chemiekonzernen Versum und Entegris mit einem Gegenangebot für Versum. Beraten von der Investmentbank Guggenheim sowie der Kanzlei Sullivan & Cromwell bietet Merck 48 US-Dollar in bar pro Versum-Aktie.
Nach Berechnung von Merck sind das 16 Prozent mehr als der gegenwärtige Kurs von Versum und 52 Prozent mehr als vor der Fusionsankündigung von Versum und Entegris. Zudem bietet Merck – anders als Entegris – den Versum-Aktionären den Kaufpreis in bar. Das Merck-Angebot hat ein Volumen von 5,3 Milliarden Euro und bewertet Versum mit 12,6-fachen erwarteten Ebitda des laufenden Jahres. „Unser Angebot bietet den Versum-Aktionären einen sicheren Wert und schützt sie vor Integrations- und anderen Post-Merger-Unwägbarkeiten. Außerdem ist die Transaktion voll durchfinanziert“, umwirbt Merck die Anteilseigner des US-Targets.
Merck erhofft sich viel von Versum
Versum ist ein Spezialist für Elektronikmaterialien, die von der Halbleiter- und Displayindustrie eingesetzt werden. In Geschäft mit Display-Chemikalien ist Merck Weltmarktführer. Die Portfolios beider Unternehmen „ergänzen sich gegenseitig“, meint Merck. Von einer Zusammenführung erhofft sich der Dax-Konzern schnellere Innovationszyklen, Größenvorteile, eine erweitere globale Präsenz und effizientere Lieferketten.
Käme Merck bei Versum zum Zug, würde sich die Übernahme in eine Phalanx weiterer großer M&A-Deals einreihen, die Merck in der jüngeren Vergangenheit in den USA getätigt hat.
Ende 2014 zahlte Merck 17 Milliarden Dollar für den Laborausrüster Sigma-Aldrich. Schon 2009 hatten die Darmstädter gut 7 Milliarden Dollar für das US-Unternehmen Millipore ausgegeben.
FINANCE-Köpfe
Leverage von Merck sinkt unter 3x Ebitda
Nach dem Kauf von Sigma-Aldrich hatte der Konzern eine Pause bei großen M&A-Deals ausgerufen, um CFO Marcus Kuhnert die Gelegenheit zu geben, den milliardenschweren Schuldenberg auf ein niedrigeres Niveau zu bringen.
Ende des dritten Quartals 2018 betrug die Nettofinanzverschuldung 10,1 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr 2018 erwartet Merck einen operativen Gewinn von 3,7 bis 3,9 Milliarden Euro, woraus sich ein aktueller Leverage von deutlich unter 3x Ebitda errechnet. Auch nach der Integration von Versum soll der Leverage unter 3x Ebitda verbleiben, sagte CFO Kuhnert am späten Nachmittag in einem Investoren-Call. Trotzdem rutschte die Merck-Aktie im Anschluss um 4 Prozent ins Minus.

