Infineon will Konkurrent Rectifier kaufen.

Infineon

21.08.14
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Milliardendeal: Infineon will Rectifier übernehmen

Infineon geht ins Risiko: Der Halbleiterhersteller will den kriselnden US-Wettbewerber Rectifier für umgerechnet 2,25 Milliarden Euro erwerben. Nach schwierigen Jahren der Restrukturierung setzt der Dax-Konzern voll auf Angriff. Doch CFO Dominik Asam verspricht weiter eine solide Bilanz.

Paukenschlag nach Börsenschluss: Der Halbleiterhersteller hat einen Kaufvertrag mit dem US-Konkurrenten Rectifier unterzeichnet. 40 US-Dollar in bar bieten die Münchner pro Aktie, was einem Wert von ca. 3 Milliarden US-Dollar (2,25 Milliarden Euro) entspricht. Das teilte das Dax-Unternehmen gestern nach Börsenschluss mit.

Infineon will mit der Akquisition des US-Rivalen, der ebenfalls stark im Geschäft mit Chips für die Energiesteuerung ist, gleich drei Ziele erreichen: Skaleneffekte erzielen, seine globale Präsenz in Asien ausbauen und die Position in den USA stärken. Zuletzt möchten sich die Münchener auch den Zugriff auf eine neue Technologie sichern: Rectifier ist ein Spezialist für die Produktion von Halbleitern auf Basis von Galliumnitrid.

Infineon: Dank Sparprogramm wieder auf Kurs

Dafür sind Infineon-CEO Reinhard Ploss und CFO Dominik Asam bereit, einen stolzen Preis zu zahlen: Das Gebot liegt 47,7 Prozent über dem durchschnittlichen Aktienpreis von Rectifier in den vergangenen drei Monaten. Analysten halten die Bewertung für das US-Unternehmen, das jährlich eine Milliarde Dollar umsetzt und sich in der Restrukturierung befindet, für hoch.
Infineon hingegen rechnet jedoch damit, dass sich die Übernahme schon im ersten Jahr im Hinblick auf den Gewinn je Aktien auszahlt, bereits im zweiten Jahr soll Rectifier den Planungen von Infineon zufolge einen Margenbeitrag von 15 Prozent leisten. „Die Akquisition von International Rectifier ist eine einmalige Gelegenheit“, sagt CEO Ploss.

Nach einer jahrelangen Durststrecke – die ehemalige Siemens-Tochter kämpfte mit hohen Verlusten und der starken Zyklizität ihres Geschäfts – wechselt Infineon damit nun wieder in den Angriffsmodus. Dank des harten Sparkurses der letzten zwei Jahre zahlte sich aus, sieht sich der Dax-Konzern wieder auf Kurs: „Wir haben Infineon massiv repositioniert“, berichtete Asam im Februar bei FINANCE-TV.  Die Absatzpreise seien nicht mehr so volatil wie früher, die Abnehmer besser diversifiziert.

Das schlägt sich auch in den Zahlen nieder: In den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2013/2014 stiegen die Umsätze um knapp 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 3,15 Milliarden Euro, der Konzernüberschuss legte sogar um 172 Prozent auf 354 Millionen Euro zu. Diese Entwicklung war sogar so gut, dass Vorstandschef Ploss erst jüngst die Prognose für das laufende Geschäftsjahr leicht angehoben hatte.

Infineon nutzt Cash-Reserven für Übernahme

Wegen der hohen Barreserven – Ende Juni beliefen sie sich das Netto-Cash gut 2 Milliarden Euro – war im Markt bereits seit längerem über Zukäufe spekuliert worden. Infineon hatte stets betont, dass man sich Akquisitionen durchaus vorstellen könne, wenn der Kaufpreis, das Unternehmen und seine Produkte zur Strategie von Infineon passen würden. Bei Rectifier scheint das nun der Fall gewesen zu sein.

Einen Teil der Barmittel nutzt der Dax-Konzern nun zur Finanzierung der Übernahme. Von den 2,25 Milliarden Euro werden 800 Millionen Euro in Cash bezahlt, dazu erhält Infineon Kredite im Umfang von insgesamt 1,5 Milliarden Euro von der Bank of America Merrill Lynch und der Citigroup Global Markets, die Infineon außerdem bei der Transaktion beraten.

Doch der Halbleiterhersteller hat aus der Vergangenheit gelernt: Das Unternehmen betont sogleich, dass sich die Kapitalstruktur dadurch nicht verschlechtern sollen: CFO Asam strebt Zielspannen von 30 bis 40 Prozent Brutto-Cash im Verhältnis zum Umsatz an, die Brutto-Finanzschulden dürfen das Ebitda nicht um mehr als das doppelte übersteigen. Es werde erwartet, dass dies auch nach dem Closing der Fall sei.

Die Akquisition bedarf noch der Zustimmung der zuständigen Aufsichtsbehörden und der Aktionäre von International Rectifier. Das Closing wird für Ende 2014 oder für Anfang 2015 erwartet, abhängig von der Zustimmung der Aufsichtsbehörden.

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