D&B Audiotechnik-Standort in Backnang: Für Odewald & Compagnie der wohl lukrativste Exit seit Jahren.

D&B Audiotechnik

29.02.16
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Odewald verkauft D&B Audiotechnik an Ardian

Nach einem harten Bieterwettstreit wird der PE-Investor Ardian neuer Eigentümer von D&B Audiotechnik. Das Berliner PE-Haus Odewald könnte mit dem Deal einen IRR von über 50 Prozent verdient haben. Doch der Erfolg kommt wohl zu spät.

Der französische PE-Investor Ardian hat sich im Wettbieten um den schwäbischen Soundspezialisten D&B Audiotechnik durchgesetzt. Für Ardian ist D&B Audiotechnik schon das dreizehnte Investment aus dem aktuellen Buy-out-Fonds Ardian V.

Verkäufer ist das Berliner Private-Equity-Haus Odewald & Compagnie, das mit D&B Audiotechnik eine hohe Rendite auf das eingesetzte Kapital erzielt hat. Odewald hat den Produzenten von Beschallungssystemen für Stadien, Konzerthallen und Opernhäuser im Jahr 2011 für geschätzte 100 Millionen Euro von dem Münchener Small-Cap-Investor Afinum übernommen.

D&B Audiotechnik, dessen Absatzmarkt um 7 Prozent pro Jahr wächst, hat Marktkreisen zufolge 2015 einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) zwischen 22 und 25 Millionen Euro erwirtschaftet. In dem Bieterprozess hat Odewald dem Vernehmen nach eine Bewertung von mindestens 12x Ebitda gefordert, was auf einen Kaufpreis zwischen 260 und über 300 Millionen Euro hinausliefe.

Da D&B Audiotechnik seine ursprüngliche Fremdverschuldung von 4x Ebitda fast vollständig zurückgefahren hat, dürfte Odewald FINANCE-Berechnungen zufolge seinen Eigenkapitaleinsatz von 50 auf über 250 Millionen Euro in etwa verfünffacht haben, was einer jährlichen Rendite (IRR) von mehr als 50 Prozent entspräche. Odewald wollte diese Zahlen nicht kommentieren.

Odewald hat den Umsatz von D&B Audiotechnik verdoppelt

Ein derart hoher Kaufpreis ließ sich auch deshalb realisieren, weil das Interesse an D&B Audiotechnik bis zuletzt hoch gewesen ist. In der finalen Bieterrunde waren nach Angaben des britischen Newsdienstes „Debtwire“ neben Ardian noch die PE-Häuser Nordic Capital und Astorg Partners mit dabei. Die ebenfalls interessierten Finanzinvestoren 3i, IK Investment Partners und Vitruvian waren in der Runde davor ausgeschieden. Betreut wurde der Verkaufsprozess von der australischen Investmentbank Macquarie. Odewald wurde außerdem unter anderem noch von EY beraten (Finanzierung), Ardian ließ sich unter anderem von Altium (M&A), PwC (Financial) und Herter & Co. (Debt Advisory) beraten. 

Auf Grund einer sehr hohen Cash-Conversion-Rate von fast 80 Prozent zeigten auch die Finanzierungspartner großen Appetit auf D&B Audiotechnik. Laut Debtwire haben die Banken Finanzierungspakete von 5x Ebitda angeboten, die sich durch zusätzliche Second-Lien-Tranchen auf einen Leverage von rund 5,5x Ebitda ausweiteten. In dieser Region boten offenbar auch mehrere Debt-Fonds Unitranche-Finanzierungen an. Wer letztlich den Zuschlag bekommen hat, ist nicht bekannt.
   
Während Odewald Eigentümer des Mittelständlers war, konnte D&B seinen Umsatz von 44 auf 94 Millionen Euro steigern. Die Anzahl der Mitarbeiter stieg von 200 auf 350. Der interne Businessplan, der während des Verkaufsprozesses kursierte, sieht laut Debtwire für 2018 einen geplanten Umsatz von 148 Millionen Euro und ein Ebitda von 39,4 Millionen Euro vor.  

Odewald im Fundraising für Infrastruktur-Fonds

Für das von dem früheren Apax-Manager Torsten Krumm geführte Buy-out-Team von Odewald dürfte der lukrative Exit bei D&B Audiotechnik jedoch zu spät kommen. In dem 610 Millionen Euro schweren Fonds befinden sich nun lediglich noch die Klinikkette Oberberg und der Industriedienstleister Scholpp. Ein Anschlussfonds wurde bislang noch nicht eingeworben, obwohl es dafür nach den üblichen Gepflogenheiten der Private-Equity-Branche schon vor spätestens zwei bis drei Jahren Zeit gewesen wäre.

Mehrere Investments aus dem Fonds wie beispielsweise Saargummi und Walter Services, die mit empfindlichen Verlusten endeten, haben offenbar dazu geführt, dass die Investoren von neuen Kapitalzusagen an Odewald Abstand genommen haben. In der Zwischenzeit haben auch schon mehrere wichtige Investmentmanager Odewald den Rücken gekehrt.

Besser läuft es für den Berliner Finanzinvestor im Small-Cap-Bereich. Nachdem 2008 der erste Fonds für die Unternehmenseinheit Odewald KMU mit einem Volumen von 150 Millionen Euro an den Start ging, folgte im Herbst vergangenen Jahres die Auflegung eines zweiten Fonds mit Zahlungszusagen in Höhe von 200 Millionen Euro. Während der Buy-out-Fonds von Odewald mittlere und hohe zweistellige Millionenbeträge in größere Mittelständler investierte, steckt Odewald KMU 5 bis 30 Millionen Euro Eigenkapital in den Erwerb kleinerer Unternehmen mit Umsätzen von maximal 100 Millionen Euro.

Aktuell versucht Odewald offenbar, neben dem KMU-Fonds ein neues zweites Standbein aufzubauen. Wie aus einer Mitteilung der Europäischen Investitionsbank (EIB) hervorgeht, ist Odewald mit einem neuen Infrastruktur-Fonds auf Investorensuche, der in kleine und mittelgroße Wind- und Solarparks investieren soll. Die EIB ist ein möglicher Ankerinvestor für derartige Fonds.    

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de