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15.04.16
Deals

PE-Investor Ardian will beim Modehändler S&B Kasse machen

Der PE-Investor Ardian steht Medienberichten zufolge vor dem Ausstieg bei dem Modehändler Schustermann & Borenstein. Das 2012 eingegangene Investment soll mehrere hundert Millionen Euro einbringen. Die Rendite wäre stattlich.

Der Münchener Modehändler Schustermann & Borenstein (S&B) könnte bald den Besitzer wechseln: Der französische PE-Investor Ardian, der 2012 die Mehrheit an dem Familienunternehmen übernommen hatte, bereitet nach Informationen der F.A.Z. den Ausstieg vor. Ardian bestimme gerade Berater, die den Versteigerungsprozess aufsetzen sollen. Die Vorauswahl sei auf JP Morgan gefallen. Der PE-Investor war gegenüber FINANCE zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Ardian hatte vor vier Jahren etwa zwei Drittel der S&B-Anteile für rund 200 Millionen Euro übernommen, wie es damals aus Verhandlungskreisen hieß. Das verbleibende Drittel blieb bei den namensgebenden Familien, die ihre Anteile Branchenkennern zufolge auch dieses Mal behalten wollen. Der auf Mid-Cap-Deals spezialisierte Investor Ardian kann laut Finanzkreisen eine attraktive Rendite erwarten.

Ardian steigert S&B-Wert mit Buy-and-Build-Strategie

Bei dem nun angestoßenen Verkaufsprozess dürfte die Gesamtbewertung von S&B über den damals kolportierten 300 Millionen Euro liegen. Vor der Übernahme durch Ardian erwirtschaftete der Münchener Modehändler laut Bundesanzeiger 168 Millionen Euro Umsatz. Innerhalb von drei Jahren – 2014 sind die aktuellsten im Bundesanzeiger verfügbaren Daten – kletterte der Umsatz auf 256 Millionen Euro.

Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag 2014 bei 34,7 Millionen Euro. Beide Werte sollten für 2015 im unteren zweistelligen Prozentbereich steigen. Der FAZ zufolge soll der Umsatz inzwischen rund 300 Millionen Euro erreichen, das Ebitda knapp 50 Millionen Euro. Dies lässt auf eine Gesamtbewertung von rund einer halben Milliarde  Euro schließen.

Für die Wertsteigerung hat Ardian eine Buy-and-Build Strategie verfolgt: Unter der Regie des PE-Investors hat der Modehändler, der auf den Vertrieb von Restbeständen von Edelmarken am Ende der Saison spezialisiert ist, sein Onlinegeschäft ausgebaut und dafür auch auf Zukäufe gesetzt. Erst kürzlich erwarb das Unternehmen die Swiss Online Shopping AG, die zwei Schweizer Modeplattformen betreibt. Der Kauf von Produkten bei S&B ist den Mitgliedern eines exklusiven Clubs vorbehalten, deren Zahl streng begrenzt ist.

Ardian hält Schustermann & Borenstein seit vier Jahren

Ardian hatte 2012 – damals noch unter dem Namen Axa Private Equity – den Zuschlag für Schustermann & Borenstein erhalten. Der PE-Investor, der sich inzwischen von dem französischen Versicherungskonzern Axa losgelöst hat, war als einziger Bieter übrig geblieben. Die Finanzinvestoren Bridgepoint, Cinven und 3i hatten sich damals aus dem von der Investmentbank Macquarie organisierten Prozess zurückgezogen.
Der PE-Investor ist eigenen Angaben zufolge derzeit mit acht Portfoliounternehmen in Deutschland aktiv.

Hinzu kommt der schwäbische Soundspezialisten D&B Audiotechnik, den die Franzosen vom PE-Investor Odewald übernehmen. Vor sechs Wochen hatte sich Ardian in einem harten Bieterwettstreit durchgesetzt. Das Kaufpreismultiple bei diesem Deal: Dem Vernehmen nach deutlich mehr als 10x Ebitda.

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