Glücklich vereint: Nach Parship übernimmt der PE-Investor Oakley Capital nun auch Elite Partner. Wie weit treiben die Briten ihre Buy-and-Build-Strategie im Online-Dating-Sektor noch voran?

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09.06.15
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PE-Investor Oakley zimmert deutschen Online-Dating-Champion

Oakley Capital mischt den deutschen Markt für Online-Partnervermittlung weiter auf. Nach dem Marktführer Parship übernimmt der PE-Investor jetzt auch Elite Partner. Es ist nicht gesagt, dass dies schon das Ende der Buy-and-Build-Strategie ist.

Der britische PE-Investor Oakley Capital schlägt erneut am Markt für Partnervermittlungsportale zu. Nur wenige Wochen nach der Übernahme des deutschen Marktführers Parship kauft der Investor jetzt auch den Konkurrenten Elite Partner. Verkäufer ist der Internetkonzern Tomorrow Focus, der bei dem Deal durch ein Team von der Kanzlei Taylor Wessing unter Federführung von Peter Hellich beraten wurde. Berater für Oakley war die Kanzlei Ashurst unter Federführung von Lars Jessen.

Die 2004 entstandene Online-Plattform Elite Partner ist nach eigenen Angaben eines der führenden Dating-Portale im deutschsprachigen Raum. Das Hamburger Unternehmen Elite Medianet, das die Plattform betreibt, erzielte 2014 einen Umsatz von etwa 28 Millionen Euro bei einem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 2,6 Millionen Euro.

Oakley zahlt Tomorrow Focus 9x Ebitda für Elite Partner

Insgesamt 23,3 Millionen Euro lässt sich Oakley die Übernahme kosten, davon 22 Millionen Euro in Cash. 14,8 Millionen Euro kassiert Tomorrow Focus-CFO Dirk Schmelzer sofort. Der Restbetrag von 7,2 Millionen Euro ist innerhalb der nächsten zwei Jahre fällig und wird von Tomorrow Focus in Form eines Darlehens gewährt. Die Zinsen dafür sind stattlich: Reizt Oakley Capital die zweijährige Rückzahlungsfrist voll aus, kassiert Tomorrow Focus für das Darlehen Zinsen in Höhe von 1,3 Millionen Euro – fast 20 Prozent der Darlehenssumme. Insgesamt wird Elite Partner dadurch mit dem 9-fachen abgelaufenen Ebitda bewertet.

Tomorrow Focus begründet den Verkauf, der noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Freigabe steht, mit einer strategischen Neuausrichtung. Der Internetkonzern will sich stärker auf das Reisesegment fokussieren, wo er unter anderem die Bewertungsplattform Holiday Check betreibt.

Führt Oakley Elite Partner und Parship zusammen?

Für Oakley ergeben sich nun interessante strategische Optionen und Einsparmöglichkeiten. Auf der einen Seite locken nennenswerte Synergien, vor allem im technischen und administrativen Bereich. Elite Partner ist mit 80 Mitarbeitern und Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz deutlich kleiner als Parship und könnte durch die Einbindung in gemeinsame Strukturen deutlich an Effizienz gewinnen. Parship hat rund 150 Mitarbeiter und ist nach eigenen Angaben in 13 Ländern aktiv. Beide Firmen haben ihren Hauptsitz in Hamburg.

Zudem könnte Oakley die beiden Plattformen auch nach außen hin zusammenlegen oder zumindest Brücken zwischen ihnen bauen. Das wäre naheliegend, ist Größe doch ein entscheidender Faktor im Internetgeschäft, insbesondere bei Dating-Portalen. Je größer die Auswahl an Singles, desto attraktiver wird eine Plattform für neue Kunden.

Oakley hält sich zu seinen strategischen Plänen aber noch bedeckt: In einer Mitteilung heißt es lediglich, Oakley blicke „mit Spannung auf das zukünftige gemeinsame Wachstum der beiden Gesellschaften und Marken.“ Diese Aussage lässt vieles offen und schließt eigentlich nur eines aus: Dass Elite Partner als Marke verschwindet und der Kundenstamm in Parship aufgeht.

Wie weit treibt Oakley die Buy-and-Build-Strategie bei Parship?

Eine zusätzliche Möglichkeit, noch mehr Synergien zu schöpfen, wären auch weitere Zukäufe von Online-Portalen in anderen europäischen Ländern. Oakley Capital wäre dies zuzutrauen. Das PE-Haus ist spezialisiert auf pan-europäische Buy-and-Build-Strategien im Medien- und Internetsektor und ist neben Parship und Elite Partner auch an diversen weiteren europäischen Freizeitportalen beteiligt.

Kosteneffizienz und ein großer Mitgliederstamm werden im Online-Datinggeschäft zusehends erfolgskritisch, da mit kostenlosen Flirt-Apps wie zum Beispiel Tinder den Plattformen wie Parship und Elite Partner harte Konkurrenz erwachsen ist. Diese Marktumwälzung dürfte ein wichtiger Auslöser für die Entscheidung von Holtzbrinck (Parship) und Tomorrow Focus (Elite Partner) gewesen sein, sich von ihren Dating-Portalen zu trennen. Diese hatten beide Eigentümer in den vergangenen Jahren mit immensen Marketingbudgets am Markt positioniert und sich dabei einen harten Kampf um Neukunden geliefert.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de