Lichter aus für Private Equity: Nur Strategen können sich die Bewertung von Bayer Dermatology leisten.

Bayer AG

04.11.16
Deals

PE-Investoren sind bei Bayer Dermatology aus dem Rennen

Die Dermatologie-Sparte von Bayer wird FINANCE-Informationen zufolge an einen strategischen Käufer gehen. Nur Konzerne können den veranschlagten Kaufpreis von 1 Milliarde Euro rechtfertigen. Das liegt an einer Eigenart der Bayer-Tochter.

Bayer macht Fortschritte beim geplanten Verkauf seiner Hautpflege-Sparte. Die Auktion von Bayer Dermatology ist in der zweiten Runde, wie FINANCE von mehreren mit der Sache vertrauten Personen erfahren hat. Finanzinvestoren kommen als Käufer der Sparte demnach praktisch nicht mehr in Frage, obwohl ihr Hunger nach Healthcare-Investments so groß wie nie ist. Der Grund: Bayer hat angesichts der enormen Bewertungen am M&A-Markt eine ambitionierte Preisvorstellung. 1 Milliarde Euro will der Konzern nach FINANCE-Informationen mit dem Verkauf einspielen.

Doch Bayer Dermatology agiert innerhalb des Dax-Konzerns nicht als eigenständiger Bereich, der einmal im Quartal die Gewinne an die Muttergesellschaft abführt, wie die informierten Personen ausführten. Im Gegenteil: Die Überschneidungen zu anderen Bayer-Sparten seien enorm. Das bedeutet, dass ein Finanzinvestor nach dem Erwerb eine eigene Organisation und eigene IT-Systeme aufbauen müsste.

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Bayer Dermatology ist zu teuer für Private Equity

Das würde die Arbeit für einen Investor besonders teuer machen – und steigert die Gefahr, dass das Investment für ein Private-Equity-Haus schief geht. Kalkulieren die Finanzinvestoren aber diese Kosten und Risiken mit ein, können sie keinen Kaufpreis rechtfertigen, der auch nur in die Nähe von Bayers Preisvorstellung käme.

Bei strategischen Käufern ist die Gemengelage anders. Pharmakonzerne wie Mylan oder Lupin, die Presseberichten zufolge Interesse an der Sparte haben, könnten Bayer Dermatology an die eigene Verwaltung und IT andocken. Insofern sei zu erwarten, dass am Ende der Auktion ein Konzern den Zuschlag bekommt, schlussfolgern die Insider. Die Investmentbank JP Morgan begleitet den Verkauf der Sparte für Bayer.

Mit der Radiologie ist noch eine zweite Tochtergesellschaft von Bayer auf dem M&A-Markt. Bei diesem Asset steht die Auktion noch ganz am Anfang, wie die informierten Personen sagten – und die Ausgangslage für PE-Investoren ist anders. Bayer Radiology agiere im Konzern weitgehend als eigenständige Tochterfirma. Insofern komme die Sparte sowohl für Private-Equity-Investoren als auch für strategische Käufer in Frage. Bayer will mit dem Verkauf FINANCE-Informationen zufolge einen Erlös von mindestens 4 Milliarden Euro erzielen.

Bayer braucht Geld für Monsanto-Deal

Mit den Verkaufserlösen könnte sich Bayer für den Kauf von Monsanto rüsten. Der Konzern will den US-Saatguthersteller für 66 Milliarden US-Dollar kaufen – ein gewagtes Manöver, das Bayer an die Grenze seiner finanziellen Leistungsfähigkeit bringt. Der Pharmakonzern behauptet zwar, für die Akquisition seien keine Spartenverkäufe notwendig, weil die Finanzierung auch so gesichert sei.

Doch tatsächlich müssen die Leverkusener sich für den Monsanto-Kauf neben einer geplanten Kapitalerhöhung zunächst stark verschulden. Die von CFO Johannes Dietsch initierte Brückenfinanzierung beläuft sich auf fast 57 Milliarden US-Dollar und ist vor wenigen Wochen an mehr als 20 Banken aussyndiziert worden. Wenn der Konzern sich 5 Milliarden Euro in die Kasse holte, würde das die künftige Schuldenlast signifikant drücken.

Dass Bayer die Spartenverkäufe trotzdem nicht im Zusammenhang mit dem geplanten Monsanto-Kauf verstanden wissen will, habe nicht zuletzt taktische Gründe, sagten die Insider gegenüber FINANCE: Wähnen die potentiellen Käufer Bayer unter Druck, die beiden Sparten loszuwerden, könnte dies den gebotenen Kaufpreis schmälern.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de