Einigung bei Siemens Gamesa: Die Münchener zahlen Iberdrola aus.

Siemens

05.02.20
Deals

Siemens kauft Störenfried Iberdrola teuer heraus

Siemens entledigt sich bei der Tochter Gamesa seines schwierigen Mitgesellschafters Iberdrola und stockt seine Beteiligung auf. Den neuen Frieden lässt sich der Konzern einiges kosten.

Siemens hat die restlichen Anteile des spanischen Energieversorgers Iberdrola an der gemeinsamen Windkrafttochter Siemens Gamesa erworben. Für die 8,1-prozentige Beteiligung legen die Münchener 20 Euro pro Aktie hin, was immerhin einer recht hohen Prämie von 32 Prozent auf den durchschnittlichen Aktienkurs der letzten 30 Handelstage entspricht. Am Dienstag schlossen die Titel von Siemens Gamesa bei knapp 16 Euro. Insgesamt kostet der Deal 1,1 Milliarden Euro, die Siemens aus eigenen Mitteln aufbringen will.

Mit dem Zukauf kommt Siemens auf rund 67 Prozent der Stimmrechte, der Rest befindet sich im Freefloat. Trotz der Zweidrittel-Mehrheit ist laut Unternehmensmitteilung kein verpflichtendes Übernahmeangebot an die restlichen Aktionäre angedacht. Wichtigster Passus im Schreiben dürfte aus Siemens-Sicht jedoch dieser sein: „Alle Rechtsstreitigkeiten zwischen Iberdrola und Siemens werden beigelegt.“

Siemens und Iberdrola lagen im Clinch

Zwischen den Parteien rumort es schon lange. Die Spanier, die früher als Großaktionär bei Gamesa das Sagen hatten, ließen sich bei den damaligen Fusionsverhandlungen im Frühjahr 2017 trotz des geringeren Anteils umfangreiche Sonderrechte zusichern. So soll Iberdrola, nicht nur Gesellschafter, sondern auch ein wichtiger Kunde von Siemens Gameasa, beispielsweise weiter den CFO bestimmt haben, berichteten Medien.  

Dennoch schien Iberdrola-Chef Ignacio Galán unzufrieden mit den neuen Machtverhältnissen und polterte immer wieder öffentlich: So würde Siemens seiner Ansicht nach das gemeinsame Unternehmen als deutsche Filiale betrachten. In Folge dessen forderte er eine Neubesetzung der Chefposten im Verwaltungsrat und im Vorstand. Bereits als das Gemeinschaftsunternehmen wenige Monate nach dem Zusammengehen zweimal die Gewinnprognosen kassieren musste, machte Galán seinem Unmut Luft und ließ die Serviceverträge mit Siemens Gamesa für spanische Windparks beenden.

Siemens kann sich auf den Börsengang konzentrieren

Mit der Ankündigung von Siemens, den Siemens-Gamesa-Anteil in die neue Siemens Energy einbringen zu wollen, eskalierte der brodelnde Konflikt. Iberdrola sah seinen Einfluss schwinden und fürchtete einen Interessenkonflikt – der Streit sollte vor Gericht entschieden werden.

Mit dem Herauskaufen von Iberdrola ist dies zwar nun vom Tisch. Mit einem Preis von über 1 Milliarde Euro ist die Ruhe aber auch teuer erkauft. Gleichwohl haben Siemens, Gamesa und Iberdrola ein Kooperationsabkommen unterzeichnet, von dem sich Siemens jährliche Synergieeffekte in Höhe von bis zu 100 Millionen Euro erhofft.

Zudem kann sich Siemens nun voll auf die Abspaltung des Energiegeschäfts und den für Ende dieses Jahres geplanten Börsengang konzentrieren. So sieht Siemens-CEO Joe Kaeser die Windkrafttochter Gamesa als wesentlichen „Eckpfeiler im Portfolio der neuen Siemens Energy, um die notwendige Wende von konventioneller zu erneuerbarer Energie zu gestalten“.

Siemens-Energiegeschäft ist herausfordernd

Dennoch bleibt das Geschäft anspruchsvoll. Zwar legten die Umsatzerlöse von Siemens Gamesa im Geschäftsjahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 12 Prozent auf 10,2 Milliarden Euro zu, allerdings stagnierte der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte (Ebita) bei 483 Millionen Euro.

Und auch das erste Quartal 2020 lief schwierig an, wie heute veröffentlichte Zahlen zeigen: Die Umsätze sanken verglichen mit dem Vorjahr um 12 Prozent auf rund 2 Milliarden Euro, vor allem im Offshore-Geschäft. Das bereinigte Ebita lag sogar bei einem Verlust von 165 Millionen Euro, wo im Vorjahr noch ein Plus von 100 Millionen Euro ausgewiesen war. Neben den geringeren Umsatzerlösen spielten hier auch Projektverzögerungen in Nordeuropa mit hinein, so Siemens. Immerhin stieg der Auftragseingang bei Gamesa im ersten Quartal stark an.

Das ebenfalls in Siemens Energy einfließende Geschäftsfeld „Gas and Power“ verlor im Geschäftsjahr 2019 auf Umsatzseite 3 Prozent auf 17,7 Milliarden Euro, und auch das bereinigte Ebita lag mit 679 Millionen 6 Prozent unter dem Vorjahreswert. Im ersten Quartal 2020 stagnierten die Umsätze mit 4,5 Milliarden Euro faktisch, während der Quartalsgewinn um 63 Prozent auf 62 Millionen Euro stark absackte, unter anderem wegen Aufwendungen für die Aufstellung als eigenständiges Unternehmen.

Der Auftragseingang legte immerhin leicht zu. Auch für das Geschäftsjahr 2020 rechnen die Münchener für die Energiesparte weiterhin mit einem starken Preisdruck aufgrund des sehr wettbewerbsintensiven Marktumfelds.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de