Siemens AG

23.10.17
CFO

Nach Gewinnwarnung: Siemens tauscht Gamesa-CFO aus

Nach zwei Gewinnwarnungen in nur drei Monaten tauscht Siemens den Finanzchef seiner Windkrafttochter Siemens Gamesa aus. In dem deutsch-spanischen Unternehmen bahnt sich ein Machtkampf an.

Siemens Gamesa-CFO Andrew Hall muss seinen Posten bei dem erst vor einem Jahr zum Weltmarktführer fusionierten Windkraftkonzern räumen. Nachdem das Unternehmen eine zweite Gewinnwarnung innerhalb von nur drei Monaten aussprechen musste, zieht die Führungsriege des Dax-Konzerns nun personelle Konsequenzen bei dem derzeit größten Sorgenkind im Unternehmensportfolio. 

Siemens Gamesa hat große Absatzprobleme

Ursprünglich hatte die Siemens-Tochter für das laufende Geschäftsjahr einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 900 Millionen Euro vorausgesagt. In zwei Schritten wurde die Prognose zuletzt aber auf 790 Millionen Euro (Ebit) nach unten korrigiert. Im abgelaufenen Quartal rutschte Siemens Gamesa sogar in die roten Zahlen ab. Ursache dafür waren Abschreibungen auf  Lagerbestände, was auf größere Absatzschwierigkeiten hindeutet.

Diese Angst wird auch von der sehr schwachen Entwicklung bei den neuen Orders genährt: Der Auftragseingang von Siemens Gamesa hat sich in den vergangenen Monaten halbiert. Die Folgen für den Aktienkurs sind gravierend: Seit der Fusion von Siemens und Gamesa im April ist der Kurs um 44 Prozent eingebrochen, der Wert des 59-prozentigen Anteils, den Siemens an der Firma hält, ist um mehrere Milliarden Euro abgeschmolzen.

Der Negativtrend von Siemens Gamesa auf einen Blick

Miguel Ángel López wird CFO bei Siemens Gamesa

Halls Nachfolger als CFO wird der Siemens-Manager Miguel Ángel López, der sein Amt am 1. Dezember antreten wird. López ist seit rund 16 Jahren als Manager für den Siemens-Konzern tätig. Auf die personellen Veränderungen hat laut Informationen des „Handelsblatts“ vor allem der spanische Großaktionär Iberdrola gedrängt.

Dass Siemens bei dem einstigen spanischen Vorzeigekonzern nun aber einen Siemens-Mann durch einen anderen ersetzt, dürfte im Lager der spanischen Aktionäre wenig Wohlwollen finden – zumal auch die Offshore-Sparte mit Andreas Nauen einen Siemensianer als neuen Chef bekommt. Es bahnt sich ein Machtkampf an. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, seien die Spanier unzufrieden mit der Art und Weise, wie Siemens den Windkraftkonzern führt.

Bisher hat sich Siemens-Gameas-Chef Markus Tacke nicht öffentlich zu einem möglichen Aktionärskonflikt geäußert. Tacke hatte erst im Mai die Führung des Windkraftkonzerns übernommen.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de