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Siemens mistet weiter aus

Das große Ausmisten bei Siemens geht weiter. Nun trennt sich der Konzern von gleich zwei Geschäften und sammelt deutlich mehr als 1 Milliarde Euro ein. Foto: Siemens
Das große Ausmisten bei Siemens geht weiter. Nun trennt sich der Konzern von gleich zwei Geschäften und sammelt deutlich mehr als 1 Milliarde Euro ein. Foto: Siemens

Bei Siemens geht es Schlag auf Schlag mit dem großen Reinemachen im Portfolio. Wie der Konzern am Vorabend der heutigen Hauptversammlung bekanntgab, verkauft er das Post- und Paketlogistikgeschäft an das Hamburger Technologieunternehmen Körber. Dieses war bislang Teil der Sparte „Portfolio Companies“, aus der nun in hoher Frequenz M&A-Deals hervorgehen.

Körber zahlt  1,15 Milliarden Euro, das Closing des Deals ist noch für dieses Jahr angepeilt. Das Geschäft mit Flughafenlogistiklösungen, ebenfalls Teil von Siemens Logistics, bleibt bei Siemens, betont Ralf P. Thomas. Der CFO bekräftigt, dass der Konzern hier weiterhin „stabil und profitabel“ als ein weltweit führendes Unternehmen am Markt bleiben wolle.

CFO-Profil

Zusätzlich zu dem Spartenverkauf an Körber gibt Siemens auch seine 50-prozentige Beteiligung an einem Unternehmen für E-Auto-Antriebe an den Joint-Venture-Partner Valeo ab. Diese Transaktion will Siemens-Chef Roland Busch bis spätestens Juli abschließen. Den Kaufpreis für den Ausstieg aus dem E-Auto-Joint-Venture nannte Siemens nicht, wohl aber, dass nach der Trennung ein positiver Ergebniseffekt von 300 Millionen Euro anfallen wird.

Auch der jüngst erfolgte Verkauf der Verkehrstechniktochter Yunex an die Atlantia-Holding der italienischen Unternehmerfamilie Benetton beschert Siemens nennenswerte Buchgewinne und Cash-Zuflüsse. Die Bewertung dieses M&A-Deals lag bei knapp 1 Milliarde Euro.

Körber-CFO Onno Schüssler ist Integrationsspezialist

Der neue Eigentümer von Siemens‘ Post- und Paketlogistikgeschäft kennt sich mit Portfolio-Pflege ebenfalls bestens aus. Das Familienunternehmen Körber hat sich schon vor vielen Jahren einem großen Konzernumbau unterworfen und seitdem massiv in das Geschäft mit Ausrüstung für die Logistikindustrie investiert. Dafür holte das Unternehmen 2019 den M&A-erfahrenen Linde-Manager Onno Schüssler als CFO zu Körber Supply Chain. Seitdem musste Schüssler schon mehr als ein Dutzend Zukäufe und Beteiligungen integrieren und das stark expandierende Unternehmen auf Profitabilität ausrichten.

Mit dem Erwerb von Siemens Logistics erreicht die Buy-and-Build-Strategie von Körber Supply Chain einen Meilenstein. Der Milliardenzukauf erweitert das bestehende Supply-Chain-Angebot um Lösungen für die Post- und Paketlogistik, der Körber in den nächsten Jahren zweistellige Wachstumsraten vorhersagt. Die Sortiersparte umfasst Planung, Konstruktion, Installation und Wartung von Produkten für die Post- und Paketautomatisierung. Konzerne wie die Deutsche Post investieren seit Jahren Milliarden in den Bau immer neuer, hochmoderner Paketsortieranlagen.

Entsprechend stattlich ist die Bewertung: Basierend auf den ausgewiesenen 500 Millionen Euro Jahresumsatz bezahlt Körber ein Multiple von 2,3x Umsatz für die Siemens-Sparte. Zum Vergleich: Die aktuellen FINANCE-Multiples beziffern den Marktwert von großen Maschinen- und Anlagenbauern auf 0,69x bis 1,08x Umsatz.

CFO-Profil

Onno Schüssler

Körber Supply Chain

Siemens erlebt Boom beim Auftragseingang

Auch jenseits der M&A-Abteilung läuft es beim Dax-Konzern Siemens ordentlich: Im ersten Quartal, das bei Siemens Ende Dezember endete, kletterte der Umsatz um 9 Prozent auf 16,5 Milliarden Euro, das operative Ergebnis aus dem industriellen Geschäft stieg um 12 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Einen „beispiellosen Boom“ habe der Industriekonzern vor allem bei den Auftragseingängen erlebt aufgrund vorgezogener Beschaffungsmaßnahmen vieler Kunden, zitiert die F.A.Z. CEO Busch. Die Auftragseingänge stiegen im ersten Quartal um 42 Prozent auf 24,2 Milliarden Euro.

Unter dem Strich bleibt Siemens ein Nachsteuergewinn von 1,8 Milliarden Euro, ein Plus von 30 Prozent – für die Börse Grund genug, die Aktie um 7,5 Prozent nach oben und damit aus dem Abwärtstrend hinaus zu treiben, den das Papier seit Jahresbeginn etabliert hatte.

„Wir schärfen und optimieren kontinuierlich unser Portfolio, um Siemens als fokussiertes Technologieunternehmen weiter zu stärken.“

Siemens-CEO Roland Busch

Als nächste Etappe der Transformation könnte bei Siemens der Verkauf der Großmotorenproduktion „Large Drive Applications“ anstehen. Diese Einheit wird gerade ausgelagert.

melanie.ehmann[at]finance-magazin.de

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Melanie Ehmann ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen am M&A- und Private-Equity-Markt. Sie hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Melanie Ehmann sechs Jahre in der Redaktion des Platow Verlags, zunächst als Volontärin, später als Wirtschaftsjournalistin im Platow Brief und den Sonderpublikationen.

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