Der Verkauf des Dentalspezialisten Amann Girrbach könnte dem Investor TA Associates 450 Millionen Euro oder mehr einbringen.

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27.07.16
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TA Associates plant Verkauf von Amann Girrbach

Der Investor TA Associates will den Österreicher Dentalspezialisten Amann Girrbach zur Auktion stellen, wie FINANCE aus Marktkreisen erfahren hat. Goldman Sachs soll helfen, den richtigen Zeitpunkt zu finden.

TA Associates will den österreichischen Zahntechnikspezialisten Amann Girrbach auf den Markt bringen. Wie FINANCE aus Marktkreisen erfahren hat, wird der Private-Equity-Investor in Kürze die Investmentbank Goldman Sachs als Verkaufsberater mandatieren.

Das Kerngeschäft von Amann Girrbach ist es, Maschinen für die Herstellung von Zahnersatz zu bauen. Die Abnehmer sind Zahnärzte und -labore. Als im Jahr 2003 der österreichische Investor Alpine Equity bei dem Familienunternehmen aus Vorarlberg einstieg, lag der Umsatz bei 7 Millionen Euro. Alpine fusionierte die Firma mit dem Pforzheimer Wettbewerber Girrbach und baute das Geschäft rasant aus. Als Alpine die Firma 2010 an den US-amerikanischen Wachstumsinvestor TA Associates weitergab, war der Umsatz auf 46 Millionen Euro angewachsen.

TA legte ein besonderes Augenmerk auf die Internationalisierung des Unternehmens. Damit trieb der Investor den Umsatz weiter in die Höhe. 2015 soll die Kennzahl bei etwa 100 Millionen Euro gelegen haben, erfuhr FINANCE von drei mit der Sache vertrauten Personen. Die Marge konnte TA dem Vernehmen nach ebenso steigern: Jetzt soll der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) zwischen 20 und 30 Millionen Euro liegen – gegenüber 5,6 Millionen Euro im Jahr 2010. TA gab auf Anfrage keinen Kommentar zu einem möglichen Verkauf oder zu den Kennzahlen des Unternehmens ab. Ein Sprecher von Amann Girrbach war nicht zu erreichen.

Stellt TA Amann Girrbach noch in diesem Jahr zur Auktion?

Einer der Insider äußerte gegenüber FINANCE, es gebe bei dem Investor zwei Sichtweisen auf den Verkauf von Amann Girrbach. Nach der ersten ist es sinnvoller, das Unternehmen erst im Jahr 2017 anzubieten. Schließlich wachsen Umsatz, Cashflow und Gewinn stetig und schnell, so dass es vorteilhaft für TA wäre, die Zahlen von 2016 als Grundlage des Verkaufspreises zu benutzen.

Außerdem, so die Vertreter eines verzögerten Verkaufs, werde Amann Girrbach im März 2017 auf der deutschen Branchenmesse Internationale Dental-Schau neue Produkte vorstellen, die den Firmenwert gerade für strategische Käufer weiter in die Höhe treiben dürften.

Die andere Sichtweise: TA sollte Amann noch in diesem Jahr verkaufen, um Geld in den 2009 aufgelegten Fonds zu spülen. Dahinter dürfte das Ziel stehen, den Fondsinvestoren einen Teil des eingezahlten Geldes mitsamt Rendite schon jetzt zurückzubezahlen. Goldman Sachs soll dem TA-Team um Managing Director Jonathan Meeks und Director Birker Bahnsen als Sparringspartner dienen, um den richtigen Verkaufszeitpunkt zu bestimmen.

Amann Girrbach könnte mehrere Konzerne interessieren

Unabhängig davon, wann Amann Girrbach genau zur Auktion gestellt wird, dürfte das bisher nur mäßig bekannte Investment einen beachtlichen Preis erzielen. Geht man in einem optimistischen Szenario von einem 2015er-Ebitda von 30 Millionen Euro aus und setzt ein Bewertungs-Multiple von 15x an, beliefe sich der Verkaufswert auf 450 Millionen Euro.

Wartet TA bis zum nächsten Jahr ab, könnte der Preis noch höher liegen. Damit würde eine Firma, die viele deutsche Private-Equity-Manager, M&A-Berater und Investmentbanker nicht einmal vom Namen her kennen, schlagartig zu einem Mid-Cap-Asset mit der Perspektive, nach dem möglichen Engagement eines dritten Investors in den Large-Cap-Bereich vorzudringen.

Allerdings halten die informierten Kreise es für wahrscheinlicher, dass ein strategischer Käufer am Ende den Zuschlag bekommt. Der größte direkte Wettbewerber von Amann Girrbach ist der multinationale, durch mehrere Fusionen entstandene Dentalkonzern Dentsply Sirona (der an der Nasdaq notiert ist, aber eine große Dependance in Bensheim an der Bergstraße unterhält, die aus einer Abspaltung von Siemens hervorgegangen ist). Aber auch für weitverzweigte Konzerne wie Kyocera aus Japan oder für Medizintechnikunternehmen mit einem breiteren Portfolio wie Gebr. Brasseler aus Lemgo wäre Amann Girrbach als technologiestarker Nischenanbieter eine mögliche Ergänzung.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de