Die Deutsche Börse bekommt bei ihrer geplanten Fusion mit der LSE ausgerechnet von dem Hedgefonds Rückenwind, der den letzten Übernahmeversuch noch torpediert hatte.

Deutsche Börse

30.05.16
Deals

TCI ist für Fusion von Deutscher Börse und LSE

Vor elf Jahren verhinderte TCI die Übernahme der LSE durch die Deutschen Börse. Jetzt macht der britische Hedgefonds Stimmung für den gleichen Deal. FINANCE erklärt, warum TCI-Gründer Chris Hohn den neuen Versuch gutheißt.

Die Deutsche Börse bekommt bei ihrem Plan, die London Stock Exchange zu übernehmen, unerwartete Unterstützung: Ausgerechnet der Hedgefonds TCI spricht sich für den Deal aus. Vor elf Jahren tat TCI-Gründer Christopher Hohn noch alles, um die Fusion der Handelsplätze zu torpedieren.

TCI-Gründer Christopher Hohn – damals noch Großaktionär der Deutschen Börse – verhinderte nicht nur den Deal. Er sorgte mit seiner Kampagne auch dafür, dass der damalige Deutsche-Börse-CEO Werner Seifert von seinem Posten zurücktrat.

Jetzt ist Hohn nicht mehr an der Deutschen Börse beteiligt – und spricht sich offen für die Fusion aus. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ erklärte er, er unterstütze den Deal. Das liege daran, dass sich die Unternehmensführung „stärker an das angelsächsische Modell“ anlehne.

TCI lobt Holding-Pläne bei Deutscher Börse/LSE

Was Hohn damit meint: Die Deutsche Börse plant, über die beiden Landesgesellschaften mit Sitz in Frankfurt und London eine Holding nach britischem Recht zu stellen. In der gibt es nicht einen Vorstand und einen Aufsichtsrat, sondern nur ein Gremium, das so genannte Board. 2005, als Hohn die Fusion verhinderte, wollte die Deutsche Börse die LSE dagegen in die deutsche Aktiengesellschaft integrieren.

Hohn schätzt an dem Plan einer britischen Holding, dass die Struktur den Aktionären mehr Macht geben würde. Der Einfluss der Arbeitnehmervertreter dagegen wird geschwächt, weil sie in einem angelsächsischen Board anders als in einem Aufsichtsrat deutscher Bauart nicht vorkommen. 

Das begreift Christopher Hohn als „Chance“, erklärt er im Spiegel. „Die deutsche Politik muss begreifen, dass der künftige Erfolg der Deutschland AG davon abhängt, ob sie ihre Unternehmensführung modernisiert“, sagt er. „Dort, wo es keinen starken Aktionär gibt, wird der übergroße Einfluss der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat zum Problem.“    

Die Arbeitnehmervertreter würden Manager durch „überzogene Boni“ dazu bewegen, einen „Bestandsschutz für Jobs zu geben und hohe Löhne zu zahlen“, ohne dabei auf die langfristige Entwicklung des Unternehmens zu achten, führt Hohn aus. Dies können nur durch die Aktionäre verhindert werden. 

philipp.habdank[at]finance-magazin.de