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Uniper beginnt Verkauf des Fernwärmegeschäfts

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Auch der Verkauf des Kohlekraftwerks Datteln 4 ist eine kartellrechtliche Voraussetzung, die Uniper erfüllen muss. Foto: flightpixel – stock.adobe.com
Auch der Verkauf des Kohlekraftwerks Datteln 4 ist eine kartellrechtliche Voraussetzung, die Uniper erfüllen muss. Foto: flightpixel – stock.adobe.com

Der Düsseldorfer Energiekonzern Uniper arbeitet laut einem Bericht des „Handelsblatts“, das sich auf Finanzkreise bezieht, an der Veräußerung seines Fernwärmegeschäfts. Dieses soll offenbar im Rahmen eines strukturieren M&A-Prozesses veräußert werden, den die Investmentbank Rothschild orchestrieren soll.

Steag wohl an Uniper-Sparte interessiert

Der Geschäftsbereich könnte dem Bericht zufolge mit 300 bis 400 Millionen Euro bewertet werden. Als Interessenten werden unter anderem der Stromerzeuger Steag, aber auch lokale Versorger und Infrastrukturinvestoren angeführt. Auf Nachfrage des FINANCE Magazins wollten die Düsseldorfer die Berichterstattung nicht kommentieren.

Uniper muss dabei gezwungenermaßen aus dem Fernwärmegeschäft aussteigen. Der Konzern geriet im Zuge des Angriffs Russlands auf die Ukraine in die Bredouille, weil er zur Erfüllung von Lieferverträgen zu horrenden Preisen Gas anderweitig einkaufen musste. Am Ende des Annus horribilis standen ein negatives Vorsteuerergebnis (Ebit) von rund 11 Milliarden Euro und ein bereinigter Konzernfehlbetrag von rund 7 Milliarden Euro in den Büchern. Schlussendlich rettete der Bund den Konzern – mit Erlaubnis der EU-Kommission und 34,5 Milliarden Euro aus der Staatskasse.

Dies geschah jedoch unter der Bedingung der EU-Kommission, dass Uniper mehrere Unternehmenssparten, „die einen erheblichen Teil seines Ergebnisses darstellen“ bis Ende 2026 verkaufen muss. Konkret betrifft dies das Kohlekraftwerk Datteln 4, das Kraftwerk Gönyű in Ungarn und eine Reihe internationaler Tochtergesellschaften. Mit dem Verkauf der 20-prozentigen Beteiligung an der niederländischen BBL-Pipeline und der Rohölverarbeitungssparte Uniper Energy DMCC haben die Düsseldorfer einen Teil ihrer Pflichten bereits erfüllt.

Uniper kappte Verbindung zur russischen Tochter

Schon seit längerem steht zudem die russische Tochter Unipro auf dem Prüfstand. Zu dieser habe Uniper unterdessen alle Verbindungen gekappt. Ein klassischer Verkauf ist aber nicht leicht: „Die Suche nach einem Käufer ist aber unter den gegenwärtigen Bedingungen sehr schwierig“, erklärte Uniper-Chef Michael Lewis kürzlich gegenüber der „Rheinischen Post“.

Seit der Verstaatlichung und nicht zuletzt wegen des rasanten Verfalls der Gaspreise auf dem Weltmarkt konnte Uniper in der ersten Jahreshälfte 2023 wieder schwarze Zahlen schreiben. Der bereinigte Konzernüberschuss lag bei rund 2,5 Milliarden Euro, das bereinigte Ebit bei rund 1,5 Milliarden Euro. „Es ist mir dennoch wichtig darauf hinzuweisen, dass das Ergebnis zu einem großen Teil auf außerordentlichen Effekten beruht und sich so in den nächsten Jahren vermutlich nicht wiederholen wird“, ordnete die seit März amtierende Uniper-CFO Jutta Dönges die Zahlen ein.

Und es gibt weitere positive Nachrichten: Uniper sieht sich offenbar dazu in der Lage, die KfW-Kreditlinie vollständig zurückzuzahlen. Von den 18 Milliarden Euro habe Uniper bislang 2 Milliarden Euro genutzt, diese will der Energiekonzern nun begleichen. Die Kreditlinie selbst soll als Liquiditätsreserve bestehen bleiben.

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