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22.01.19
Deals

„Unregelmäßigkeiten“ setzen Hymer-Thor-Deal unter Druck

Eigentlich schien der Verkauf des Caravanherstellers Hymer an den US-Konzern Thor Industries bereits in trockenen Tüchern. Doch jetzt sorgen Untersuchungen bei der Nordamerika-Tochter von Hymer für Probleme.

Auf der Zielgerade muss die Übernahme des schwäbischen Caravanherstellers Hymer an den US-Wettbewerber Thor Industries nochmal aufgeschnürt werden: Wegen einer laufenden Untersuchung bei der Nordamerika-Tochter von Hymer verhandeln die beiden Parteien nun über einen Abschluss des Deals ohne das Nordamerika-Geschäft. Die Amerikaner hatten im September 2018 verkündet, das Familienunternehmen für 2,3 Milliarden Euro übernehmen zu wollen.

Der Grund für die Nachverhandlungen: Erste Untersuchungen hätten bei der Erwin Hymer Group North America Unregelmäßigkeiten im Berichtswesen ergeben, wie Hymer mitteilt. Daraufhin habe der Konzern einen umfassenden Audit durch externe Wirtschaftsprüfer eingeleitet.

Im Verlauf der Untersuchungen wurden mehrere Manager der Nordamerika-Tochter suspendiert, heißt es weiter. Andere Hymer-Manager wurden damit beauftragt, das Geschäft und die Untersuchungen bei der Sparte zu unterstützen. Weitere Details will Hymer dazu nicht bekanntgeben.

Thor Industries setzt auf baldigen Abschluss des Deals

Thor Industries gibt sich weiterhin optimistisch, dass der Deal bald abgeschlossen werden kann, wie aus einer Mitteilung des US-Konzerns hervorgeht. Der US-Konzern erwartet, dass der Kauf im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres, was am 30. April endet, abgeschlossen werde. Alle regulatorischen Freigaben für den Deal lägen bereits vor.

FINANCE-Köpfe

Stefan Junker, Erwin Hymer Group AG & Co. KG

Während  seines berufsbegleitenden Studiums beginnt Stefan Junker seine Karriere 1989 im Controlling des Automobilzulieferers Leopold Kostal. Nach einer zweijährigen Zwischenstation im Beteiligungscontrolling des Wasserspezialisten Gerolsteiner Brunnen, kehrt Junker zu Leopold Kostal als kaufmännischer Leiter eines Joint Ventures in China zurück, um dieses von erster Stunde an aufzubauen. Später leitet er sämtliche kaufmännischen Funktionen einer Tochtergesellschaft von Leopold Kostal in Mexiko.

2000 wechselt Junker zum Akustikspezialisten Sennheiser, wo er  nach drei Jahren Tätigkeit als Director Finance and Controlling zum Mitglied der Geschäftsleitung berufen wird. 2011 folgt dann der Wechsel als CFO zu dem Klimaanlagen- und Heizgerätehersteller Spheros. Dort begleitet er erfolgreich einen Secondary Exit und wechselt anschließend im April 2013 zum Wäge- und Schneidespezialisten Bizerba, wo er die Position des CFO und Chief Operating Officer übernimmt. Im September 2017 wird Junker CFO des familiengeführten Reisemobilanbieters Erwin Hymer Group.

zum Profil

Aus Sicht der US-Amerikaner sind die US-Aktivitäten der Schwaben verzichtbar, sind sie doch selbst in diesem Markt heimisch und dominierend. „Die europäischen Aktivitäten waren und sind die treibende strategische Motivation für die Übernahme“, schreibt Thor in seiner Mitteilung.

Hymer dagegen hatte darauf gesetzt, mit Thor Industries die „vergleichsweise jungen Aktivitäten im attraktiven nordamerikanischen Markt beschleunigt“ auszubauen. Das Unternehmen gründete die Nordamerika-Sparte 2016 mit der Übernahme von Roadtreck Motorhomes. Hymer macht einem Bericht des „Handelsblatts“ zufolge rund 300 Millionen Euro Umsatz in den USA – bei einem Gesamtumsatz von 2,5 Milliarden Euro.

Genaue Auswirkungen auf Hymer-Thor-Deal noch unklar

Wie der Ausschluss des Nordamerikageschäfts den Deal konkret verändert wird, ist noch offen. Thor Industries hat allerdings schon bekanntgegeben, welche Teile der Vereinbarung angepasst werden. Der US-Konzern erwartet unter anderem Änderungen beim Kaufpreis und den Verbindlichkeiten, die Thor im Zuge des Deals übernehmen wird. Was sich hingegen nicht ändern soll, ist die Vereinbarung über die 2,3 Millionen Aktien, die die Hymer-Gesellschafter im Zuge des Deals erhalten sollen.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de