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Vodafone kauft die eigene Tochter Vantage Towers

Vantage Towers
Vantage Towers kann mit einem weiteren Ausbau rechnen. Foto: Vantage Towers

Der Mobilfunkkonzern Vodafone geht mit einem Konsortium Namens Oak Bidco eine strategische Partnerschaft ein, um gemeinsam seine Tochter, den Düsseldorfer Funkmastbetreiber Vantage Towers, zu übernehmen. Angeführt wird das Konsortium von den beiden US-amerikanischen Finanzinvestoren Global Infrastructure Partners (GIP) und KKR.

Gemeinsam mit Vodafone will das Investorenkonsortium Vodafones Aktienanteil von knapp 82 Prozent an Vantage Towers kontrollieren. Vodafone wird seine Beteiligung an Vantage Towers an die Holdinggesellschaft Oak Bidco übertragen. Damit würde der britische Konzern seine Beteiligung an der Tochter merklich reduzieren und sich entkonsolidieren.

Bei der Finanzierung des Deals – dessen Gesamtvolumen die „Financial Times“ auf rund 15 Milliarden US-Dollar schätzt – hilft dem Konsortium der saudi-arabische Staatsfonds Public Investment Fund (PIF).

Vantage Towers besitzt bereits rund 83.000 Funkmaststandorte in zehn Ländern. Mit dem Verkauf des Düsseldorfer Unternehmens an das Konsortium erhält dieses einen Teil der kritischen Infrastruktur von Deutschland und Europa.

Bereits 2019 schrieb Stephan Roll von der Stiftung Wissenschaft und Politik, „ein stärkeres Engagement des PIF in Europa (könnte) eine politische Folgenabschätzung erforderlich machen, bei der geprüft werden müsste, ob der Staatsfonds primär als renditeorientierter Investor auftritt oder ob er eine außenpolitische Agenda verfolgt.“

Konsortium will frei verfügbare Aktien übernehmen

Über die Holding Oak Bidco werden Vodafone und die Finanzinvestoren ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für alle ausstehenden, im Streubesitz befindlichen Aktien von Vantage Towers abgeben und den Aktionären 32 Euro pro Aktie in bar anbieten. Das entspräche einer Prämie von 19 Prozent auf den volumengewichteten 3-Monats-Durchschnittskurs der Aktie.

In der ersten Jahreshälfte 2023 wollen Vodafone, KKR und GIP die Transaktion abgeschlossen haben. An dem Gemeinschaftsunternehmen soll das Investorenkonsortium einen Anteil von bis zu 50 Prozent erhalten, auch Vodafone will mindestens 50 Prozent der Aktien halten.

Delisting von Vantage Towers ist zu erwarten

Sobald die Gesamtbeteiligung von Oak Bidco an Vantage Towers die 95-Prozent-Marke erreicht, streben Vodafone und das Konsortium einen Squeeze-out der Minderheitsaktionäre an. Anschließend wollen die strategischen Partner Vantage Towers von der Frankfurter Börse nehmen. Gestartet war Vantage Towers dort erst im März 2021. Morgan Stanley berät GIP und KKR als Finanzberater, Latham & Watkins steht den Investoren rechtlich zur Seite.

Teil der Deal-Vereinbarung ist es, dass die Vodafone-Tochter Vantage Towers das Übernahmeangebot unterstützt und ihren Aktionären die Annahme der Offerte empfiehlt. Der derzeitige Vorstand soll Vantage Towers weiterhin führen.

Die strategischen Partner betonen, dass sie mit Vantage Towers langfristige Ziele verfolgen. Sie wollen den Wachstumskurs des Funkturmkonzerns durch zusätzliche Investitionen in dessen Netz und die Expansion in schnell wachsende, angrenzende Märkte beschleunigen.

Dadurch soll Vantage Towers zu einem führenden paneuropäischen Funkmastbetreiber werden. Auch das bestehende Investitionsprogramm in Höhe von mehreren Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren soll weiter bestehen bleiben.

Vodafone braucht Geld für den Schuldenabbau

„Die gemeinsame Kontrolle über ein strategisch wichtiges Asset wird behalten und Vantage Towers wird aus Vodafones Bilanz dekonsolidiert, um sicherzustellen, dass wir ihre Kapitalstruktur optimieren können“, stellt Vodafone-CEO Nick Read klar.

„Gleichzeitig können wir einen substanziellen Barerlös für die Gruppe generieren und damit den von uns priorisierten Schuldenabbau unterstützen.“ Vodafone kämpft seit längerem mit dem Schuldenabbau, mittlerweile summieren sich die Schulden des Konzerns auf gut 40 Milliarden Euro.

Das Konsortium bietet Vantage Towers Zugang zu signifikanter Liquidität. KKR verwaltet nach eigenen Angaben per Ende September weltweit ein Infrastrukturvermögen von rund 50 Milliarden Dollar und hat über 65 Infrastrukturinvestitionen in einer Reihe von Teilsektoren und Regionen getätigt. GIP verwaltet für seine Anleger rund 84 Milliarden US-Dollar. Die Portfoliounternehmen von GIP erzielen zusammen einen Jahresumsatz von ca. 68 Milliarden US-Dollar.

erika.vonbassewitz@finance-magazin.de | + posts

Erika von Bassewitz ist Redakteurin bei FINANCE. Sie hat Philosophie und Französisch an der Humboldt-Universität in Berlin sowie an der Université de Genève studiert und mit einem Magister Artium abgeschlossen. Vor FINANCE war sie mehr als acht Jahre Redakteurin in der Multimediaredaktion des Medienhauses der EKHN. Davor war sie unter anderem Redakteurin beim HR-Magazin von monster, freie Autorin bei Deutsche Welle TV und freie Mitarbeiterin bei der Westdeutschen Zeitung.

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