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Telekom–Funktürme gehen an Überraschungsbieter

Milliarden-Deal für die Deutsche Telekom: Funkturmsparte geht nach Nordamerika. Foto: nmann77 - stock.adobe.com
Milliarden-Deal für die Deutsche Telekom: Funkturmsparte geht nach Nordamerika. Foto: nmann77 - stock.adobe.com

Was lange währt, wird endlich gut. Schon vor über einem Jahr – im Mai 2021 auf dem Kapitalmarkttag – hatte Telekom-CEO Tim Höttges verkündet, das Funkturmgeschäft des rosa Riesen in Deutschland und Österreich auf den Prüfstand und gegebenenfalls auch ins Schaufenster zu stellen.

Nun ist der Deal eingetütet: Den Zugschlag für das Mehrheitspaket an GD Towers haben die kanadische Investmentgesellschaft Brookfield Asset Management und der US-amerikanische Infrastrukturinvestor Digital Bridge erhalten. Sie haben gemeinsam für das ursprünglich von Branchenkennern auf bis zu 20 Milliarden Euro taxierte Portfolio von 40.000 Mobilfunk-Standorten geboten.

Nun zahlen sie „nur“ 17,5 Milliarden Euro, ohne Schulden und Barmittel. Das dürfte an den jüngsten Entwicklungen im Makroumfeld liegen. Die Finanzierungskosten für M&A-Transaktionen sind wegen steigender Zinsen in der ersten Jahreshälfte gestiegen, wodurch Verkäufer Preisabschläge hinnehmen müssen. Das gilt besonders für solche Assets wie Funktürme, deren Wert sich in erster Linie am abgezinsten Wert der künftigen Cashflows bemisst.

Es wirkt so, als hätte die Telekom auf die sinkenden Marktpreise mit einer Veränderung der Transaktionsstruktur reagiert. Gab es ursprünglich die Erwartung, die Telekom würde die Funktürme komplett verkaufen oder allenfalls noch einen kleinen Restanteil behalten, übernimmt sie nun 49 Prozent der Anteile an GD Towers.

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Teil der Abmachung sind auch „bedeutende Minderheitsrechte“ sowie ein Rückkaufsrecht auf die Mehrheit des Unternehmens, wie die Telekom am heutigen Donnerstagmorgen bekanntgab. Höttges will damit sicherstellen, dass die Telekom „beträchtlich an künftiger Wertsteigerung im attraktiven Infrastruktur-Geschäft beteiligt“ bleibt. Der Deal soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein.

„Mast”-have – Telekom-Funktürme international heiß umworben

Das Interesse an den Funkmasten der Bonner war groß, als heiße Kaufkandidaten galten eigentlich andere, allen voran der spanische Funkturmbetreiber Cellnex, der mit den zusätzlichen Masten seine Wettbewerbsposition in Europa deutlich verstärkt hätte. Ursprünglich wollten die Spanier im Duo mit Brookfield bieten.

Nachdem die Spanier in dieser Woche das Handtuch geworfen und erklärt hatten, dass sie „nicht länger Teil des Prozesses einer möglichen Übernahme“ seien, galt ein anderes Team als präferierter Käufer: Dem Konsortium um die Private-Equity-Investoren KKR, Stonepeak und GIP schien der Deal mit der Telekom sicher, wie mehrere Medien unter Berufung auf Konzernkreise berichteten.  

Aktuellen Berichten zufolge soll sich Höttges letztlich aber an zu schwachen Beteiligungsoptionen gestört haben, die den Bonnern angeboten wurden. Mit Brookfield und Digital Bridge hat er seinem Konzern nun ordentlich Mitspracherechte gesichert.

Deutsche Telekom behält wesentliche Rechte an Funktürmen

So bleibt etwa das aktuelle Führungsteam von GD Towers um CEO Bruno Jacobfeuerborn und CFO Thomas Ried nach der Transaktion an Bord. Die Bonner haben sich zudem das Recht eingeräumt, zwei von fünf Mitgliedern des Shareholder Committee zu benennen, einschließlich des ersten Chairman. Auch Erstzugriffsrechte auf die besten Standorte („golden sites“) hat die Telekom ausgehandelt. Die Funkturmsparte erzielte 2021 einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro und ein Ergebnis (Ebitda al) von 640 Millionen Euro. Damit entspricht das Deal-Volumen einem Multiple von 27x des bereinigtes Ebitda vor Leasingkosten von 2021.

Deal bringt frisches Kapital für den Schuldenabbau

Die frischen Milliarden sollen nun dabei helfen, das vielleicht wichtigste strategische Projekt des Dax-Konzerns über die Ziellinie zu bekommen: die Anteilsaufstockung auf über 50 Prozent an US-Tochter T-Mobile, die seit der Fusion mit Rivale Sprint zum operativen Zugpferd des Konzern aufgestiegen ist, das mittlerweile über die Hälfte zum Konzernergebnis (Ebitda al) beiträgt.

Aktuell hält die Telekom schon 48,4 Prozent und außerdem noch Call-Optionen auf einen kleinen Restanteil des früheren Sprint-Eigentümers Softbank. Um die 50-Prozent-Marke zu knacken, muss die Telekom aber auch am Markt T-Mobile-US-Aktien aufkaufen. Das Unternehmen hat inzwischen einen Marktwert von fast 170 Milliarden Euro, und der starke US-Dollar hat die Anteilsaufstockung in den vergangenen Monaten nicht billiger gemacht.

Deshalb muss Höttges aus dem geschätzten Barmittelzufluss aus dem Funkturm-Deal in Höhe von rund 10,7 Milliarden Euro erst einmal Geld zum Abbau des Schuldenbergs verwenden, der durch Investitionen in den USA auf das Rekordniveau von 132 Milliarden Euro hochgeschossen ist. 2020 lagen die Nettofinanzschulden noch bei 120 Milliarden Euro. Nach Berechnungen der Telekom wird der Deal die Nettofinanzschulden aber nur um 6,5 Milliarden Euro sinken lassen, das entspricht einem Faktor von 0,1x Ebitda.

Das Geschäft mit den Funktürmen zu versilbern, ist in der Telekommunikationsbrache aktuell beliebt. Schon bevor die Bonner ihren Deal für GD Towers eingefädelt haben, hatte sich der Konkurrent Vodafone mit einem Börsengang von Vantage Towers frisches Kapital geholt. Auch die spanische O2-Mutter Telefónica hat in einem Milliardendeal Funkmasten von Telefónica Deutschland an die US-Firma American Towers verkauft.

melanie.ehmann[at]finance-magazin.de

melanie.ehmann@finance-magazin.de | + posts

Melanie Ehmann ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen am M&A- und Private-Equity-Markt. Sie hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Melanie Ehmann sechs Jahre in der Redaktion des Platow Verlags, zunächst als Volontärin, später als Wirtschaftsjournalistin im Platow Brief und den Sonderpublikationen.

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