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„2021 wird ein IPO-Rekordjahr“

Partystimmung an der Börse: Auto1 feiert seinen IPO.
Auto1

Ganze 16 Unternehmen sind im ersten Halbjahr 2021 an die deutsche Börse gegangen – so viele wie lange nicht. Setzt sich dieser Trend im zweiten Halbjahr fort? Ja, meint Johann von Wersebe, Co-Head Investmentbanking bei Morgan Stanley. „2021 wird ein Rekordjahr was Börsengänge in Deutschland angeht.“

IPOs im ersten Halbjahr 2021: Vantage Towers, Suse & Co.

Sowohl was die Anzahl als auch das Volumen der Börsengänge angeht, könnten vorherige Rekorde geknackt werden. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr rund 9 Milliarden Euro an der Börse eingesammelt. „Im ganzen Jahr 2021 könnten es 15 Milliarden Euro oder mehr werden“, prognostiziert von Wersebe. Zum Vergleich: Im starken IPO Jahr 2018 gingen 18 Unternehmen an die Börse mit einem Emissionsvolumen von 11,35 Milliarden Euro. 

Manche Branchen sind besonders gefragt: „Hierzulande war die IPO-Aktivität im ersten Halbjahr mit mehr als 75 Prozent des gesamten Emissionsvolumens geprägt von Unternehmen des TMT-Sektors (Technologie-, Medien- und Telekommunikationsindustrie)“, berichtet von Wersebe. Beispiele hierfür sind der IPO von Vantage Towers mit einem Erlös von 2,2 Milliarden Euro und der Börsengang des Softwareherstellers Suse mit einem Volumen von 1,1 Milliarden Euro.

Sorge vor Zentralbanken drückte Nachfrage

Die Investorennachfrage und die Aftermarket Performance der Börsendebütanten war allerdings nicht immer prickelnd. Laut einer Untersuchung des Beratungshauses PwC lagen die Kurse im ersten Quartal oberhalb ihrer Emissionspreise, im zweiten Quartal hingegen waren sie eher am unteren Ende der Bookbuilding-Spanne. Teilweise war die Aftermarket Performance der Börsendebütanten recht gemischt: Manche Kandidaten wie About You legten eine Kurssteigerung um 13 Prozent hin. Apontis Pharma andererseits verlor seit dem IPO circa 10 Prozent.

„Besonders im Mai hatten einige IPOs Startschwierigkeiten, als die Sorge vor möglichen Zinserhöhungen der Zentralbanken hochkam“, erklärt von Wersebe. Das Private-Equity-Haus HgCapital sagte den geplanten Börsengang des Internet-Autohändlers MeinAuto Mitte Mai sogar ab.

Auffällig ist, dass in diesem Jahr vor allem viele Private-Equity-Häuser ihre Unternehmen an die Börse brachten. So ging beispielswiese der Investor EQT mit Suse an die Börse, Argand brachte Cherry aufs Parkett, Riverside initiierte den IPO von Bike24Cinven kam mit Synlab und Finatem mit hGears an die Börse. Laut von Wersebe liegt das daran, dass PE in erster Linie „dealdriven“ agiert und den Exit bewusst sucht. „Die Bewertungen an der Börse sind derzeit in vielen Sektoren sehr hoch. Dadurch können für einen Finanzinvestor bei einem IPO derzeit vergleichsweise höhere Bewertungen erzielt werden als im M&A-Markt“, erklärt von Wersebe.

Weitere IPOs im zweiten Halbjahr 2021 geplant

Auch das zweite Halbjahr 2021 scheint vielversprechend. Der Online-Optiker Mister Spex ist bereits an die Börse gegangen. Die Erstnotiz des Autozulieferers Novem ist für den heutigen Tag geplant. „Die Pipeline ist voll. Es werden rund ein halbes Dutzend weitere IPOs für das zweite Halbjahr erwartet“, prognostiziert von Wersebe.

Gerade weil so viele Kandidaten aufs Parkett streben, muss die Börsenstory wirklich sehr überzeugend sein. „Investoren werden selektiver”, meint von Wersebe. Faktoren wie ein differenziertes Umsatz- und Gewinnwachstumsprofil, ein starker Track Record sowie ein Managementteam mit Kapitalmarkterfahrung fallen bei der Auswahl deshalb besonders ins Gewicht. Die Branchen Technologie/Software und Healthcare sind laut von Wersebe derzeit sehr gefragt.

Nachdem bedingt durch Corona zunächst die Wachstumsunternehmen und anschließend die Zykliker von den Investoren präferiert wurden, rechnet von Wersebe nun damit, dass Unternehmen mit einem defensiveren Wachstumsprofil wieder in den Fokus der Investoren rücken werden, wie zum Beispiel Healthcare und auch Telekommunikation. „Schwierig bleibt es auf absehbare Zeit für Unternehmen aus dem Travel-Sektor und für jene, die auf der ESG-Seite schlecht aufgestellt sind“, konstatiert Investmentbanker von Wersebe.

eva.brendel[at]finance-magazin.de

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