Unitymedia

23.04.18
Deals

Vodafone offenbar kurz vor Unitymedia-Übernahme

Der britische Telekommunikationskonzern Vodafone soll kurz vor der Übernahme von milliardenschweren Teilen des Unitymedia-Mutterkonzerns Liberty Global stehen. Ob die Kartellbehörden den Deal absegnen, ist allerdings offen.

Der Telekommunikationskonzern Vodafone soll kurz vor der Übernahme wesentlicher Sparten des Konkurrenten Liberty Global stehen, darunter auch das deutsche Tochterunternehmen Unitymedia. Wie die „Financial Times“ unter Berufung auf Insiderinformationen berichtet, belaufe sich der Kaufpreis inklusive Schulden auf 16,5 Milliarden Euro. Die beiden Konzerne befänden sich in finalen Verhandlungen. Schon innerhalb der kommenden zwei Wochen könnte der Deal demnach zum Abschluss kommen.

Die Transaktion würde den deutschen Markt auf den Kopf stellen: Im Detail habe Vodafone die Kabelsparten in Deutschland und Osteuropa im Visier, darunter auch Unitymedia mit seinen drei Kabelnetzen in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg. Falls der Deal zustande käme, wäre es der größte in der europäischen Telekommunikationsbranche in den zurückliegenden fünf Jahren. Im Februar hatte die „Financial Times“ erstmals über das Übernahmevorhaben der Briten berichtet. Damals bestätigten die Unternehmen, dass man sich in Verhandlungen befinde.

Vodafone ist seit 2014 deutscher Kabel-Marktführer

Durch einen weiteren Zukauf in Deutschland würde Vodafone seine Marktmacht enorm ausweiten. Neben Unitymedia ist Pÿur (vormals Tele Columbus) der einzige große Kabelnetzbetreiber, der noch als ernsthafter Konkurrent gegenüber den Briten auftritt.

Erst 2014 hatte Vodafone den Wettbewerber Kabel Deutschland übernommen und sich dadurch zum Marktführer im deutschen Kabelmarkt aufgeschwungen. Der Konzern kontrolliert aktuell 75 Prozent an dem deutschen Unternehmen. Der deutsche Markt ist der wichtigste europäische Auslandsmarkt für das britische Unternehmen, das auch Deutschlands zweitgrößter Mobilfunkanbieter ist.

Vodafones Übernahmeabsichten sind nicht neu: Einen ersten Verhandlungsanlauf zwischen Vodafone und Liberty Global hatte es bereits 2015 gegeben. Damals scheiterten die Gespräche jedoch, da die Parteien sich nicht auf eine Bewertung einigen konnten.

Bundeskartellamt könnte M&A-Deal kippen

Ein erneuter Anlauf ist für Vodafone aus strategischer Sicht verlockend, böte sich dem Konzern damit in viel größeren Teilen Zentraleuropas die Möglichkeit, mit Bündelangeboten aus Kabel, Festnetz und Mobilfunk aufzuwarten und die Netze besser auszulasten. Allerdings liegen die Hürden hoch. Bereits 2004 scheiterte die heutige Vodafone-Tochter Kabel Deutschland mit einem Versuch, die Kabelnetze in den drei von Unitymedia versorgten Bundesländern zu übernehmen, an einem Veto des Bundeskartellamts.

Ein möglicher Zusammenschluss von Vodafone und Unitymedia wird auch innerhalb der Branche extrem kritisch beäugt. So hatte Telekom-Chef Tim Höttges bereits im Februar eine mögliche Fusion der Konzerne als „nicht genehmigungsfähig“ beurteilt. Er rechnet in einem solchen Fall mit einem „Einspruch der Regulierungsbehörden“. Es ist auch davon auszugehen, dass die Telekom massiv Front gegen einen solchen Deal machen würde.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de