Der Gips-Hersteller Knauf will den US-Wettbewerber USG übernehmen und kann nun auf die Unterstützung des Hauptaktionärs Warren Buffett hoffen.

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13.04.18
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Warren Buffett hilft Knauf bei feindlicher Übernahme

Der Gipshersteller Knauf will seinen US-Konkurrenten USG übernehmen. Das USG-Management revoltiert gegen die Übernahme – doch jetzt stellt sich USG-Hauptaktionär Warren Buffett hinter Knauf.

Im Übernahmekampf um den US-Wettbewerber United States Gypsum Corporation (USG) hat der unterfränkische Baustoffkonzern Knauf prominente Unterstützung von Starinvestor Warren Buffett erhalten: Buffetts Investmentfirma Berkshire Hathaway, die mit 30,8 Prozent größter Aktionär bei USG ist, hat sich hinter eine von Knauf geführte Aktionärsrevolte gestellt. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Knauf ist seit 2000 an USG beteiligt und mit 10,5 Prozent der aktuell zweitgrößte Aktionär. Das Familienunternehmen aus Würzburg mit 27.400 Mitarbeitern und einem weltweiten Umsatz von 6,5 Milliarden Euro (2016) hatte Ende März ein Übernahmeangebot über mindestens 42 Dollar je Aktie für USG angekündigt. Die USG-Führung hatte das 5,9 Milliarden Dollar (rund 4,8 Milliarden Euro) schwere Angebot aber eindeutig abgelehnt – die Offerte sei „völlig unangemessen“, hieß es aus Chicago. Der Konzern, der aktuell in einem Umbau steckt, sei deutlich mehr wert. USG setzt rund 3 Milliarden US-Dollar um. 

Buffett hält USG-Investment für „enttäuschend“

Vor wenigen Tagen hat sich das Knauf-Management daher in einem offenen Brief an die Aktionäre des US-Konzerns gewandt und sie aufgefordert, bei der Jahresversammlung am 9. Mai gegen die vier Kandidaten für den USG-Vorstand zu stimmen. Knauf kritisiert, dass USG sich weigere, mit Knauf in einen Dialog zu treten.

Laut Bloomberg will Buffett nun dem Aufruf, gegen die Nominierung der vier Kandidaten zu stimmen, folgen und damit die USG-Führung unter Druck setzen, ihren Widerstand gegen die Kaufofferte noch einmal zu überdenken. Dies kann als Signal gewertet werden, dass Buffett für den Verkauf ist und den Preis angemessen findet. Angesichts von Buffetts Strahlkraft ist es gut denkbar, dass dem prominenten Investor nun auch weitere Aktionäre an die Seite von Knauf folgen werden.

Buffett hängt nicht an dem Investment in USG, das er schon einmal als „enttäuschend“ bezeichnet hat. Er hatte 2008, mitten in der Immobilien- und Finanzkrise, Schulden von USG aufgekauft und war so billig in das Unternehmen eingestiegen. Doch die Performance des Unternehmens seitdem war eher mäßig.

Zahlt Knauf Extra-Prämie an Warren Buffett?

Buffett hat aber auch einen Hebel, von dem Knauf-Interesse stärker zu profitieren als die anderen USG-Aktionäre: Wegen seiner Schlüsselrolle als mit Abstand größter Aktionär verlangt Buffett einen Preis für sein Bereitschaft, seinen USG-Anteil an Knauf zu verkaufen.

Er bietet Knauf die Option auf die Aktien an, für die Knauf aber unabhängig vom späteren Erfolg des Übernahmeversuchs 2 Dollar je Aktie an Buffetts Investmentgesellschaft zahlen soll. Knauf lässt dieses Angebot gerade juristisch prüfen.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de