Grammer soll schon wieder übernommen werden. Dieses Mal kommt der Interessent aus China und ist dem Autozulieferer bestens bekannt.

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29.05.18
Deals

Weißer Ritter will Grammer übernehmen

Als weißer Ritter an Bord geholt, sollte Ningbo Jifeng eine feindliche Übernahme von Grammer durch den Hastor-Clan verhindern. Nun wollen die Chinesen den bayerischen Autozulieferer selbst übernehmen. Die Aktionäre jubeln.

Der chinesische Konzern Ningbo Jifeng will den Autozulieferer Grammer übernehmen. Die Bayern gaben am Dienstag Nachmittag bekannt, eine entsprechende Investorenvereinbarung unterzeichnet zu haben. Demnach bieten die Chinesen bieten für den SDax-Konzern 60 Euro plus 1,25 Euro Dividende je Aktie, womit Grammer mit rund 772 Millionen Euro bewertet würde. Ningbo Jifeng kontrolliert bereits rund ein Viertel der Grammer-Aktien. 

Das Übernahmeangebot unterliegt einer Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent plus einer Aktie. Der Grammer-Vorstand unterstützt die Offerte. Ziel der Transaktion sei es, die seit 2017 bestehende Partnerschaft zu vertiefen, die Aktionärsstruktur zu stabilisieren und global weiter zu wachsen. 

Grammer hat sich von Übernahmeversuch erholt

Ningbo Jifeng war Grammer Anfang 2017 zu Hilfe geeilt und über eine Wandelanleihe bei dem Autozulieferer eingestiegen, um eine mögliche feindliche Übernahme durch die bosnische Unternehmerfamilie Hastor zu verhindern.

Der Abwehrkampf war letztendlich zwar erfolgreich, welche Spuren er aber in der Bilanz hinterlassen hatte, zeigte sich erstmals im zweiten Quartal 2017: Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) brach verglichen mit dem ersten Quartal um 40 Prozent ein. Grammer musste Auftragsrückgänge und Umsatzeinbußen hinnehmen. Die Hastors halten noch immer rund 9 Prozent an Grammer.

Von dem Übernahmekampf scheint sich das Unternehmen inzwischen gut erholt zu haben. Den Zahlen für das Geschäftsjahr 2017 zufolge stellte Grammer mit 1,8 Milliarden Euro einen neuen Umsatzrekord auf und steigerte das Ebit um 18 Prozent auf 80,2 Millionen Euro. Vor kurzem gab der Konzern zudem die größte Übernahme der Firmengeschichte bekannt: Für umgerechnet rund 230 Millionen Euro übernimmt Grammer den US-amerikanischen Wettbewerber Toledo Molding von dem Finanzinvestor Industrial, um sein USA-Geschäft auszubauen.

Übernahmefantasie treibt Grammer-Aktie

Grammer Aktie

Grammer Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Grammer-Aktie erreicht neues Allzeithoch

Dass Grammer nun womöglich doch übernommen wird, kommt bei den Aktionären sehr gut an. Der Aktienkurs des SDax-Konzerns schnellte am Vormittag um über 20 Prozent auf ein neues Rekordhoch von 62 Euro. Dass der Käufer ausgerechnet der weiße Ritter Ningbo Jifeng sein könnte, ist zwar ungewöhnlich, allerdings nicht völlig überraschend.

Schon beim Einstieg von Jifeng verwies Grammer auf die strategische Komponente des Deals, da mit Hilfe des Großaktionärs der chinesische Markt besser erschlossen werden könne. Auch gemeinsame Projekte und Joint Ventures in China oder anderen Märkten seien möglich, so Grammer damals.

Sollte die Übernahme gelingen, hätte sie womöglich noch eine politische Komponente: Chinesen übernehmen immer öfter deutsche Unternehmen, um sich Technologien und Vertriebsstrukturen einzuverleiben. So greift aktuell der chinesische Stromnetzbetreiber State Grid Corporation of China (SGCC) bereits zum zweiten Mal nach einem Anteil des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz. Da es sich dabei um sogenannte kritische Infrastruktur handelt, wird ein solcher Einstieg von Politik und Wirtschaft in Deutschland sehr kritisch beäugt.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Update:

Der Artikel wurde am 29.5. um 17:36 Uhr aktualisiert, als Grammer das Übernahmeangebot durch Ningbo Jifeng offiziell bestätigt hat. Am Vormittag hatte der Grammer-Vorstand die getroffene Investorenvereinbarung noch mit einem Fragezeichen versehen.