Die JAB Holding stellt die Haarproduktmarke Wella ins Schaufenster. Der Konsumgüterhersteller Henkel dürfte noch immer an der deutschen Traditionsmarke interessiert sein.

Rossano Ferreti/Wella

22.10.19
Deals

Wella steht zum Verkauf

Die JAB Holding der Milliardärsfamilie Reimann prüft den Verkauf der deutschen Traditionsmarke Wella. Schlägt jetzt endlich die Stunde von Henkel?

Rolle rückwärts für die deutsche Milliardärsfamilie Reimann: Coty, US-Kosmetikriese und  Portfoliounternehmen der familieneigenen JAB Holding, will die deutsche Haarpflegemarke Wella aus Darmstadt wieder losschlagen. Neben Wella treffen die Verkaufsabsichten die gesamte unter „Professional Beauty“ firmierenden Coty-Sparte, zu der auch noch die Haar- und Nagelpflegemarken Clairol, OPI und ghd zählen. Das Unternehmen will seine Markenanzahl reduzieren und sich in Zukunft auf sein Kerngeschäft mit Parfüm, Kosmetik und Hautpflege konzentrieren.

Die Coty-Sparte soll in diesem Jahr einen Umsatz von 2,7 Milliarden US-Dollar erwirtschaften. Den M&A-Prozess begleitet die Investmentbank Credit Suisse. Coty rechnet mit einem Abschluss der Transaktion im Sommer 2020.

Coty beendet einen Alptraum

Cotys Verkaufsabsicht hat gleich mehrere interessante Hintergründe: Zum einen ziehen die Reimanns damit einen Schlussstrich unter eines der schlimmsten Fehlinvestments der Familiengeschichte. Coty übernahm das Markenportfolio 2015 für 12 Milliarden Euro von Procter & Gamble. Der US-Konsumgüterriese hatte Wella in den frühen 2000er Jahren in einem aufsehenerregenden M&A-Deal von der deutschen Börse genommen.

Doch die Integration wurde verpatzt, und JAB verfehlte die Ziele, die mit der Übernahme verbunden waren, bei weitem. Es wurde eine Wertberichtigung über 3 Milliarden Dollar fällig, die Coty-Aktie schmierte um fast 80 Prozent ab, und die Reimanns trennten sich von ihren Investment-Manager Bart Becht. Der jetzt gewählte Exit soll vor allem dazu dienen, Cotys Leverage wieder hinunter in Richtung 3x Ebitda zu bringen.

Holt sich Henkel nun endlich Wella?

Zum anderen könnte Cotys Scheitern den Kosmetik-M&A-Markt durcheinander wirbeln – auch den deutschen. Seit Jahrzehnten schon ist Henkel stark an Wella interessiert. Die Darmstädter wären eine ideale Ergänzung für Henkels Friseurgeschäft mit Marken wie „Schwarzkopf“, das der Dax-Konzern in den vergangenen Jahren mit Zukäufen anderer Marken ausgebaut hatte. Die Düsseldorfer übernahmen 2014 für 270 Millionen Euro drei US-Haarpflege-Firmen, 2017 für 485 Millionen Dollar die japanische Haarpflegefirma Zotos. 2017 wurde auch die mexikanische Haarpflegefirma Nattura Laboratorios gekauft, zu einem ungenannten Preis.

Bei Wella hatte Henkel weniger Fortune: Beide Male, als Wella zum Verkauf stand, bot Henkel mit, zog aber sowohl 2003 gegen Procter & Gamble als auch 2015 gegen Coty den Kürzeren. Es ist davon auszugehen, dass Henkel auch jetzt wieder bei Wella seinen Hut in den Ring werfen wird. Die Bilanzsituation ließe einen Milliardenzukauf ohne weiteres zu: Der Dax-Konzern ist netto mit lediglich 2,8 Milliarden Euro verschuldet – bei einem für dieses Jahr erwarteten operativen Gewinn (Ebitda) von nahezu 4 Milliarden Euro. Eine Übernahme von Wella dürfte Henkel einen mittleren einstelligen Milliardenbetrag kosten.

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