20.11.12
Deals

Finanzinvestoren beäugen Minderheitsbeteiligungen kritisch

Wenn Finanzinvestoren die Wahl haben, lassen sie meist die Finger von Minderheitsbeteiligungen. Die haben sie aber oft nicht mehr. Prominente Fälle wie Blackstones Einstieg bei Leica und KKRs Wachstumsstrategie mit Wild und Odewalds Engagement bei Scholpp zeigen, unter welchen Umständen PE-Investoren auch mit Minderheiten glücklich werden: Auf den Gesellschaftervertrag kommt es an. Auch für CFOs bieten solche Konstellationen Chancen.

„Lieber heute als morgen würde ich das Unternehmen abstoßen“, stöhnt ein Private-Equity-Unternehmer im Midmarket über seine Minderheitsbeteiligung. Gern würde er das Management in dem Portfoliounternehmen austauschen, wenn er denn nur könnte. „Aber wir kommen nicht durch“, klagt der Investor, der lieber ungenannt bleiben möchte. Wie ihm geht es einigen Private-Equity-Häusern. Minderheitsbeteiligungen werden in der Regel skeptisch beäugt. Viele Investoren schließen diese per se aus. Sie nehmen nur Deals, bei denen sie ohne Störfeuer durchregieren können. Dabei bieten auch Minderheitspositionen Finanzinvestoren erhebliche Chancen – allerdings nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Gedeihlich verläuft die Zusammenarbeit offenbar, wenn die Initiative, einen Gesellschafter aufzunehmen, vom Unternehmen bzw. Unternehmer selbst ausging. In solchen Fällen wird über die Durchgriffs- und Einflussrechte der Finanzinvestoren nicht lange verhandelt. So sind Finanzinvestoren klassischerweise im Aufsichtsrat vertreten und üben dort eine einflussreiche Position aus. Im Tagesgeschäft besitzen sie oft ein Budgetrecht und einen direkten Draht zum CFO, der zumeist von den Investoren benannt wird.

„Wenn die Einflussmöglichkeiten langwierig diskutiert werden müssen, kann man das Ganze oft vergessen“, sagt ein erfahrener Manager eines renommierten deutschen Private-Equity-Hauses zu FINANCE. So funktioniert es, wenn PE-Partner aktiv vom Unternehmer angesprochen wurden.

Wie Minderheiten gut funktionieren können, zeigt sich etwa beim 49 Prozent-Einstieg von Odewald & Compagnie beim Industriemontagedienstleister Scholpp im Frühjahr 2012. Odewald verzichtete auf eine Finanzierung des Kaufpreises, um dem Unternehmen Wachstumsmöglichkeiten zu sichern. Gemeinsames Ziel von Management und Odewald: die Marktführerschaft in Deutschland erobern und dabei den Markt konsolidieren. Ein erstes Add-On-Investment wurde mit PTC bereits getätigt. Dabei wurde Robert Egestorf 2012 zum CFO benannt.

Wachstumsstory: KKR und Wild Flavors

Besonders gut läuft auch die Zusammenarbeit  auch zwischen KKR und der Wild-Gruppe. Dort wird ein klarer Buy- und Build-Kurs verfolgt. 2010 war KKR mit 35 Prozent bei dem Aromenhersteller eingestiegen – nur mit Eigenkapital und ohne die Finanzierung zu hebeln. CFO Christoph Schmitz, den der angelsächsische Finanzinvestor vor rund zwei Jahren ins Unternehmen geholt hat, hat die Finanzfunktion vereinheitlicht und professionalisiert. Schmitz strukturierte einen syndizierten Kredit und begab ein Schuldscheindarlehen.

2010 und 2011 wurden mit A.M. Todd und Cargill zwei größere Übernahmen realisiert, so dass sich der Konzernumsatz auf mittlerweile auf rund 1 Milliarde Schweizer Franken verdoppelt hat. In den kommenden Jahren – Schmitz geht davon aus, dass KKR noch weitere fünf Jahre an Bord bleibt  – soll sich der Umsatz nochmals verdoppeln. Allerdings sind die potenziellen Targets im Markt eher kleinteilig strukturiert.
 
KKR ist mit vier Mitarbeitern täglich am Unternehmenssitz im schweizerischen Zug präsent. Die wichtigsten Impulse trägt KKR indes im Strategie- und im weltweiten M&A-Prozess bei. In den Jahren vor dem Einstieg KKRs hatte Wild keine größeren Übernahmen mehr gewagt.

Exitszenario muss definiert werden

Schon 35 Prozent hat der Unternehmer Wild verkauft. Am Ende des Prozesses könnte Wild Flavors an die Börse oder einen Strategen gehen. Dass Wild dann verkaufen wird, erscheint wahrscheinlich. Auf dem Weg dahin und dem weiteren Wachstumskurs wird man Wild Flavors 2013 voraussichtlich auch noch am Bondmarkt sehen.

So erscheint als zweiter wesentlicher Treiber die vertragliche Regelung des Exit-Szenarios als wesentliche Komponente. Bei Wild dürfte etwa der Wille zum Rückzug des Familienunternehmers die Entscheidung für Private Equity begünstigt haben. Hier steckt die nächste Chance für CFOs: Wer geschickt verhandelt, verdient beim Exit am Wertzuwachs mit.

Nicht alle PE-Häuser werden mit ihren Minderheitsengagements glücklich. Wenn der Gesellschaftervertrag nicht sauber verhandelt wurde,  enden solche Transaktionen für alle Beteiligten oft im Krampf. So oder so: Ein großer Trend werden Minderheitsbeteiligungen wohl nicht, eher eine Möglichkeit für besondere Gelegenheiten. Immerhin atmet die PE-Branche mal wieder etwas auf. Im Q3 2012 hat sich die Dealaktivität nach vier rückläufigen Quartalen in Folge mal wieder erhöht.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de