Investiert so viel wie nie zuvor, ohne dass sich Exits anbahnen: DBAG-Chef Torsten Grede.

DBAG

10.12.15
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PE-Investor DBAG kauft so viel wie nie zuvor

Die Deutsche Beteiligungs AG investiert auf Rekordniveau. Profitable Exits lassen dagegen auf sich warten – obwohl das DBAG-Portfolio inzwischen auf 23 Investments angeschwollen ist.

Der börsennotierte Private-Equity-Investor Deutsche Beteiligungs AG hat mit gut 71 Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr so viel eigenes Geld aus der Konzernbilanz in Portfoliounternehmen investiert wie nie zuvor. Hinzu kommt noch ein Vielfaches an Mitteln aus den von der DBAG verwalteten Parallelfonds. Neben fünf Management Buy-outs hat die DBAG damit auch zwei Wachstumsfinanzierungen sowie mehrere Zukäufe der Portfoliounternehmen finanziert, erklärte DBAG-Chef Torsten Grede vor Journalisten.

Die hohen Investitionen wie auch die im Zuge von Ertragssteigerungen möglich gewordene Aufwertung mehrerer Portfoliounternehmen führten dazu, dass die DBAG ihren Portfoliowert zum 30. September um fast 100 auf knapp 256 Millionen Euro steigern konnte. Dieser Wert verteilt sich auf inzwischen 23 Portfoliounternehmen. Jeweils sieben davon entfallen auf den neuesten Buy-out-Fonds DBAG V und dessen Vorgängergeneration DBAG IV. Jede dritte Beteiligung ist schon vier Jahre oder länger im Portfolio der DBAG.

Mangel an Exits schmälert Dividende für DBAG-Aktionäre

Obwohl etliche Investments aus den inzwischen schon sehr reif gewordenen DBAG-Fonds III und IV die in der Branche übliche Haltedauer von drei bis fünf Jahren zum Teil schon deutlich überschritten haben, fehlten der DBAG im abgelaufenen Geschäftsjahr die lukrativen Exits. Darum bleibt das Nettoergebnis des PE-Investors mit 27 Millionen Euro weit hinter dem Vorjahr zurück, in dem das PE-Haus 48 Millionen Euro einspielte. Zwar zählte das abgelaufene Geschäftsjahr, das am 30. September endete, aufgrund einer Umstellung des Berichtszeitraums der DBAG nur elf Monate – doch das erklärt nur einen kleinen Teil des Unterschieds.

Weil das Ergebnis überschaubar war, fällt auch die Dividende der DBAG knapper aus: 50 Cent Basisdividende plus 50 Cent Sonderdividende zahlt der PE-Investor für das abgelaufene Geschäftsjahr. Im Geschäftsjahr 2013/2014 lag die Ausschüttung für Aktionäre noch bei 2 Euro, die sich aus 40 Cent Basisdividende plus 1,60 Euro Sonderdividende zusammensetzten.

Einer der Hoffnungsträger des PE-Hauses für künftig wieder anziehende Mittelrückflüsse an die Aktionäre und Fondsinvestoren ist der Prozesstechnik-Spezialist Proxes, den die DBAG per Buy-and-Build-Strategie – also  durch Zukäufe von Wettbewerbern – zuletzt deutlich ausgebaut hat. 2013 kaufte der PE-Investor den Maschinenbauer Stephan als Keimzelle der Gruppe, damals mit einem Umsatz von 43 Millionen Euro.

Buy and Build: DBAG verdoppelt Umsatz von Maschinenbauer Proxes

Zwei M&A-Deals und die Gründung von Proxes als Holding später spielt die Gruppe inzwischen fast 100 Millionen Euro ein bei einer knapp zweistelligen Ebitda-Marge. „Der nächste Schritt für Proxes ist die Internationalisierung“, kündigte Proxes- Geschäftsführer Olaf Pehmöller an.

Mit der Zukaufs- und Expansionsstrategie spiegelt Proxes einen Trend wider, der gegenwärtig die gesamte PE-Branche kennzeichnet. „Vor zehn bis fünfzehn Jahren konnte man noch Unternehmen zu einem Discount kaufen, hat wenig daran gemacht und ein paar Jahre später davon profitiert, dass die Börsen-Multiples gestiegen sind“, kommentierte Torsten Grede die Marktentwicklung. „So einfach ist das heute nicht mehr.“

Bis Proxes die Zukäufe aber voll integriert hat und damit für einen Verkauf an einen weiteren PE-Investor oder einen Strategen infrage kommt, dürfte es allerdings noch einige Jahre dauern. Weiter vorangeschritten dürften die Exitvorbereitungen bei dem Kraftwerksdienstleister Clyde Bergemann sein, der sich schon seit dem Mai 2005 im Besitz der DBAG befindet. Die Beteiligungen an dem Folienhersteller Infiana und dem Textilhändler JCK datieren sogar noch aus den Neunzigerjahren.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de