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16.02.16
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PE-Investor EQT digitalisiert Hörgerätehersteller Sivantos

Hörgeräte gelten nicht unbedingt als disruptiv. Der PE-Investor EQT hat sich trotzdem zum Ziel gesetzt, die ehemalige Siemens-Tochter Sivantos ins digitale Zeitalter zu bringen. Erste Erfolge zeichen sich ab.

Der schwedische PE-Investor EQT fährt offensichtlich gut mit der Übernahme der früheren Siemens-Hörgerätetochter Sivantos. Nach ersten Erfolgen plant die Beteiligungsgesellschaft, das traditionelle Geschäft mit Hörhilfen aufzurollen. Das sagt EQT-Partner Marcus Brennecke im Interview mit FINANCE.

EQT hat im November 2014 gemeinsam mit der Unternehmerfamilie Strüngmann die Mehrheit an Sivantos von Siemens übernommen und dafür 2,15 Milliarden Euro bezahlt. Das Ebitda-Multiple lag damals bei 14,8. Siemens blieb mit einem Minderheitsanteil beteiligt, doch im Januar dieses Jahren hat EQT schließlich auch die restlichen Sivantos-Anteile übernommen. Das kostete die Schweden noch einmal 300 Millionen Euro.

Audibene ist erster Add-on-Deal für Sivantos

EQT hat Sivantos eine Wachstumsstrategie verordnet. Wenige Monate nach der Mehrheitsübernahme hat Sivantos im vergangenen Frühjahr die Online-Plattform für Hörgeräte Audibene gekauft. Dort können Kunden sich beraten lassen, Händler finden, aber auch direkt online Hörgeräte kaufen. „Wir haben überlegt, wie wir bei Sivantos vom Thema Digitalisierung profitieren können“, schildert Brennecke die Beweggründe. Das ist gar nicht so einfach: „Die Hörgeräteindustrie ist ein Geschäft mit einer recht alten Kundschaft, die obendrein hohe Ansprüche an die Wartung und Einstellung der Geräte hat. Das sind Faktoren, die erst einmal den physischen Handel begünstigen.“

Dennoch werde die Digitalisierung auch in diesem Geschäft eine immer wichtigere Rolle zu spielen. „In Emerging Markets etwa gibt es zum Teil überhaupt keine physischen Distributionskanäle“, sagt der EQT-Deutschlandchef – insofern stehe dort dem Verkauf über Online-Shops Tür und Tor offen.

EQT plant weitere Innovationen für Ex-Siemens-Tochter

Und mit dem Zukauf von Audibene ist das Thema Digitalisierung bei Sivantos noch nicht abgehandelt. Nicht nur beim Vertrieb, sondern auch bei den Produkten seien Innovationen wahrscheinlich, prognostiziert Brennecke, „schließlich ist das Geschäft stark IT-gestützt“. Sowohl im Vertrieb als auch auf der Produktseite denkt EQT über weitere Zukäufe  für Sivantos nach.

Die Übernahme von Audibene und die weiteren Wachstumsinitiativen zeigen sich auch schon in den Zahlen: Im abgelaufenen Geschäftsjahr, das am 30. September 2015 endete, konnte Sivantos eine Erlössteigerung von 693 auf 835 Millionen Euro vorweisen. Der zugekaufte Audibene-Umsatz sei nicht wesentlich für den Umsatzsprung, so Brennecke. Der operative Gewinn (Ebitda) ist EQT-Angaben zufolge um 31 Prozent auf 206 Millionen Euro gestiegen.

Die Basis dafür ist aber schon in der Konzernzeit gelegt worden, wie Brennecke offen zugibt: „Das aktuelle Management um CEO Roger Radke hat die Weichen schon unter Siemens richtig gestellt“, sagt Brennecke, der das Investment aus München leitet. „Seit Sivantos zu uns gehört, wird aber noch einmal deutlich mehr in die Produkte investiert.“

Auch den  Vertrieb ließ EQT umkrempeln: Statt großen Einzelhändlern konzentriert sich Sivantos heute auf unabhängige Hörgerätegeschäfte. Deren Vorteil – so sagt Brennecke – ist, dass sie im Einkauf weniger preisaggressiv sind als die großen Ketten. Schlagen sich auch diese Initiativen in einer deutlichen Umsatz- und Gewinnsteigerung nieder, ist EQT auf dem besten Weg, Sivantos in einigen Jahren an die Börse zu bringen – dieses Ziel wurde den Schweden schon beim Kauf des Assets nachgesagt.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de