Scandlines.

14.12.12
Deals

PE-Investoren rechnen mit verschärfter Kreditklemme

2012 war ein eher stilles Jahr im deutschen Private Equity-Markt. Phasen völliger Flaute wechselten sich mit mehreren zeitgleichen Signings ab. Im Herbst belebte sich der Markt mit der Douglas-Transaktion (Advent) und anziehender Dealaktivität im Midcap-Segment. Rund läuft es allein im Smallcap-Bereich und bei den großen Deals. 2013 dürfte man PE-Häuser vor allem auf der Verkäuferseite sehen.

Zunächst die gute Nachricht: Private Equity bleibt für viele Investoren interessant. Der zunehmende Renditedruck treibt Versicherer aber auch Unternehmen zunehmend in den PE-Markt, wo nach Meinung vieler PE-Investoren (LPs) in den nächsten drei bis fünf Jahren zweistellige Renditen möglich sein werden. Die vom Sekundärmarkt-Investor Coller Capital durchgeführte Umfrage sagt gerade für den deutschsprachigen Markt einen klaren Anstieg der Investorenbasis voraus. 

Der europäische Markt bleibt aus der Sicht der befragten PE-Investoren weiterhin attraktiv. Doch hier schon beginnen die Probleme: Der geringe Dealflow, der nach dem Ende der Boomzeit als neue Realität angesehen werden muss, sorgt für einen Wettbewerb zwischen den PE-Häusern (GPs). Besonderer Engpass: das Finanzierungsumfeld. Ian Bagshaw, Co-Head des Private Equity-Sektors bei der Anwaltskanzlei Linklaters, rechnet mit einer generellen Kreditknappheit bei LBO-Krediten. Nur für die allerstärksten Deals dürfte sich ohne Probleme eine Bankenfinanzierung finden lassen. Das zwingt PE-Häuser verstärkt auch zu unkonventionellen Deals wie Koinvestments und dem Eingehen von Minderheitsbeteiligungen. Zu früh indes, um einen Trend auszumachen.

Private Equity hat Exit-Druck

„Zwei Drittel oder mehr der Dealaktivität von PE-Häusern spielen sich auf der Sellside ab”, berichtet Steve Roberts, Partner und Leiter Private Equity bei PwC. Für 2013 erwartet er eine Fortsetzung der Entwicklung von 2012 mit einer leichten Steigerung. Außer bei den großen, bekannten Namen dauern die Verkaufsprozesse in der Regel länger, sagt er. Wo man sich umhört: Die Zeiten fester und straffer Deadlines sind vorbei.

 

In die Bresche springen vielfach alternative Kreditgeber. High Yield-Anleihen sind für viele PE-Häuser zunehmend eine Option.“ Tim Hoffmeister, High-Yield-Experte bei der Unicredit, gab sich im Interview mit FINANCE-TV Mitte November „bullish“ für 2013: „Die Renditen für Investoren sind gut, die Ausfallquoten niedrig, ebenso die Zinsen.“ Der Versicherungskonzern Axa rechnet damit, dass die Ausfallraten bei 5 bis 6 Prozent bleiben werden. 2012 zeigten sich Unternehmen wie der Eschborner Energiedienstleister Techem (Macquarie, Sehen Sie hier Techem-CFO Steffen Bätjer im Interview)  und der Wiesbadener Gabelstaplerhersteller Kion (Goldman Sachs) am High Yield-Markt. 2013 dürfte man die Reederei Scandlines, die den Finanzinvestoren 3i und Allianz Capital Partners gehört, am Markt sehen.


„Vielleicht kommen 2013 M&A-getriebene High Yield-Bonds dazu“, sagt Hoffmeister. Diese dürften vor allem an Strategen gehen. Viele PE-Häuser werden 2013 mit der Refinanzierung ihrer Kredite aus der „goldenen Buy-Out-Ära“ zwischen 2005 und 2007 befasst sein. Dabei  dürften auch wieder Loan-to-Own Sponsoren wie Oaktree mitmischen, die sich über die Kreditseite ins Unternehmen einkaufen.

Private Equity Exits gehen zumeist an Strategen

Der Exitdruck auf viele PE-Häuser, die für ihr Fundraising den Investoren Performance  zeigen müssen, steigt. Primärer Exitkanal für die GPs sind größere Strategen, die derzeit schneller handeln können und den weitaus größten Teil der Deals. Doch von moderater Basis aus könnten laut in Europa die IPOs steigen, sagt Michael Schad,Partner beim Secondary-Investor Coller Capital. Das nächste IPO-Fenster dürfte jedoch erst in der zweiten Jahreshälfte 2013 aufgehen, glaubt PwC-Mann Steve Roberts.

 

Linklaters-Anwalt Bagshaw rechnet 2013 mit einer intensivierten Zusammenarbeit zwischen PE-Häusern und Corporates. Corporate-CFOs dürften Teile des Nicht-Kernassets an Finanzinvestoren verkaufen.  Siemens-CFO Joe Kaeser  muss etwa den Teilverkauf von Osram unter Dach und Fach bringen, Rheinmetall will seine Automotive-Sparte Kolbenschmidt Pierburg abspalten, Thyssen das marode Stahlgeschäft in den USA und in Brasilien sanieren. Ob PE-Häuser mitbieten werden, wird sich zeigen Bei aller Skepsis blickt die PE-Branche mit verhaltenem Optimismus nach 2013 – ein weiteres Jahr in der neuen, bescheideneren PE-Welt.


marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de