Permira ist nicht der erste Private-Equity-Investor, der in Wiesbaden am Kreuzberger Ring 56 vorstellig wird. Dort sitzt der Softwareanbieter P&I, der sich bereits in mehreren PE-Händen befand.

P&I AG

19.09.16
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Permira übernimmt P&I Software von HG Capital

Der PE-Investor Permira kauft den deutschen Softwareanbieter P&I von seinem Konkurrenten HG Capital. Für mehr als 800 Millionen Euro legt Permira den Grundstein für eine mögliche Buy-and-Build-Strategie.

Der Londoner Finanzinvestor Permira stärkt sein Portfolio an IT-Investments in Deutschland und steigt bei Personal & Informatik (P&I) ein. Über den Preis für den Human-Resources-Softwareanbieter aus Wiesbaden machten die Vertragspartner keine Angaben. Wie FINANCE aus Marktkreisen erfuhr, soll der Kaufpreis inklusive Schulden zwischen 800 und 850 Millionen Euro liegen.

Damit übernimmt Permira jedoch nicht das komplette Unternehmen. Der bisherige Eigentümer HG Capital – der P&I seinerseits im November 2013 von dem Finanzinvestor Carlyle übernommen hatte – wird nach eigenen Angaben eine Minderheitsbeteiligung mit einem Wert von rund 70 Millionen Euro behalten.

Doch einen Großteil seines Gewinns sichert HG Capital mit dem heutigen Exit ab, und das zu guten Konditionen: Die auf das Gesamtjahr berechnete Rendite (Internal rate of Return, IRR) beträgt Unternehmensangaben zufolge 36 Prozent. Das Investment-Multiple – also das Verhältnis von Verkaufserlös zum eingesetzten Kapital – beziffert der Investor mit 2,3, womit HG Capital seinen Einsatz mehr als verdoppelt hätte.

Plant Permira mit P&I eine Buy-and-Build-Strategie?

P&I ist nicht das erste deutsche Technologieunternehmen, in das Permira aus dem aktuellen Buy-out-Fonds investiert hat. Über den Fonds Permira V halten die Londoner bereits die Mehrheit des Softwareanbieters Team Viewer. Ebenfalls im Portfolio befinden sich die Silicon-Valley-Unternehmen Informatica und Magento.

P&I bietet Unternehmen im deutschsprachigen Raum Softwarelösungen an, die die Personalabrechnung und das Personalmanagement unterstützen. Dieser Markt ist nach Angaben von Permira stark fragmentiert. Permira könnte damit eine für Private Equity nicht ungewöhnliche Buy-and-Build-Strategie mit P&I verfolgen. Die Übernahme kleinerer Anbieter aus dem Wettbewerbsumfeld von P&I wäre keine Überraschung. 

Permira hofft bei P&I auf Cross-Selling und Cloud Computing

Das Geschäftsfeld von P&I gilt als attraktiv, weil es gut planbare, wiederkehrende Erlöse verspricht. Die Eintrittsbarrieren für neue Anbieter schätzt Permira hierzulande als hoch ein, da bestimmte Zertifizierungen und regulatorische Anforderungen nötig seien, um Geschäfte in der Personalverwaltung zu machen.

Weil gleichzeitig die Digitalisierung dieser Bereiche voranschreitet, wächst der Markt trotzdem kräftig mit Werten von  nahezu 10 Prozent. Zusätzliche Wachstumschancen könnten sich für P&I durch Cross Selling ergeben: Vor allem der Trend hin zum Cloud Computing eröffnet Möglichkeiten, den bestehenden Kunden weitere Produkte zu verkaufen.

Für HG Capital ist der Verkauf von P&I der erste Exit des 2013 aufgelegten siebten Buy-out-Fonds. HG Capital wurde bei dem Deal von Arma Partners und GCA Altium beraten.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de