Geldregen für die Bundesliga? Die DFL prüft den Einstieg von Private Equity und könnte dadurch einen dreistelligen Millionenbetrag erlösen.

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28.10.20
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Private Equity flirtet mit der Bundesliga

Die Deutsche Fußball-Liga prüft angeblich den Einstieg von Finanzinvestoren bei der Tochtergesellschaft Bundesliga International. Im Raum steht eine Milliardenbewertung.

Fußballromantiker werden das nicht gerne hören: Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) spielt offenbar mit dem Gedanken, sich für Finanzinvestoren zu öffnen.

Wie die FAZ mit Verweis auf Finanzkreise berichtet, wurde der Organisator der Fußball-Bundesliga von mehreren Private-Equity-Häusern auf eine mögliche Minderheitsbeteiligung an der Tochtergesellschaft Bundesliga International angesprochen. 

DFL-Tochter könnte 1 Milliarde wert sein

Denkbar wäre es dem Vernehmen nach, dass sich ein Private-Equity-Investor mit 10 bis 20 Prozent an der Tochtergesellschaft beteiligt, die seit 2008 den Verkauf der globalen Medienrechte der Bundesliga organisiert. Dabei steht eine mögliche Bewertung von über 1 Milliarde Euro im Raum. Sollte diese Bewertung realisierbar sein, würde der DFL ein dreistelliger Millionenbetrag zufließen.

Diese Summe könnte an die Klubs der Fußballbundesliga weitergeleitet werden – eine möglicherweise willkommene Finanzspritze für die Bewältigung der Corona-bedingten Einnahmeverluste. Ein Finanzinvestor könnte aber auch dabei helfen, die DFL-Tochter zu einer digitalen Inhalte-Plattform weiterzuentwickeln, um so den Wert des Unternehmens zu steigern. 

Die DFL müsste im Gegenzug langfristig aber auch einen Teil ihrer Jahreserlöse an den Private-Equity-Investor ausschütten. Dem Bericht zufolge soll die DFL vor dem Ausbruch der Coronakrise mit jährlichen Einnahmen aus der Auslandsvermarktung von bis zu 300 Millionen Euro gerechnet haben. Realistischer seien nun aber eher 200 Millionen Euro, schätzt die FAZ. 

Private Equity interessiert sich auch für Serie A

Das Fußballgeschäft ist kein neues Betätigungsfeld für Finanzinvestoren. In Deutschland bandelte bereits der US-Finanzinvestor KKR mit dem Hauptstadtklub Hertha BSC Berlin an. KKR bezahlte 2014 für 9,7 Prozent der Anteile rund 18 Millionen Euro und stellte zusätzlich 36 Millionen Euro als Darlehen bereit. Vor zwei Jahren kaufte der Investors Windhorst KKR bei Hertha BSC heraus.

Auch außerhalb der Bundesliga mischen Finanzinvestoren in der Fußballwelt mit. So gehören viele englische Klubs nordamerikanischen Finanzinvestoren, zum Beispiel Manchester United und der FC Liverpool. Wie die FAZ berichtet, bemühen sich derzeit Bain Capital, CVC und Advent aber auch um die höchste italienische Spielklasse, die Serie A. Diese hat bereits beschlossen, sich Finanzinvestoren zu öffnen. Soweit ist die DFL noch nicht. Dem Bericht zufolge will DFL-Geschäftsführer Christian Seifert das Thema am morgigen Donnerstag dem DFL-Präsidium vorstellen. 

Nomura würde wohl den M&A-Prozess managen

Am Ende des Diskussionsprozesses müssten die 36 Klubs der Ersten und Zweiten Bundesliga darüber abstimmen, ob sie tatsächlich einen Minderheitsanteil an der Tochter „Bundesliga International“ abgeben möchten.

Sollte es zu einer Ausschreibung kommen, würde vermutlich Normura mit dem M&A-Prozess beauftragt werden, mutmaßt die FAZ. Die Investmentbank arbeitete dieses Jahr schon einmal mit der DFL zusammen: Während des Corona-bedingten Shutdowns hörte sich Nomura unter Finanzinvestoren um, ob Bereitschaft bestünde, der Bundesliga kurzfristig Eigen- oder Fremdkapital zur Verfügung zu stellen.

Aus diesen Gesprächen soll auch das neue Beteiligungsprojekt entstanden sein. Die FAZ berichtet, dass CVC-Deutschlandchef Alexander Dibelius damals schon eine Beteiligung angeboten haben soll. Als weitere Interessenten nennt die Zeitung Advent, Bain Capital, BC Partners und General Atlantic.