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24.11.17
Deals

So aggressiv gehen Debt-Fonds in den Jahresendspurt

Debt-Fonds haben ein Mittel gefunden, um die klaffende Preislücke zu Bankenfinanzierungen signifikant zu senken. Damit werden sie wettbewerbsfähiger, gehen aber auch deutlich höhere Risiken ein.

Höhere Risiken eingehen, um für Firmenkunden günstiger zu werden: Mit dieser aggressiven Strategie gehen die Debt-Fonds in das Jahresendgeschäft, wo sie den hohen Margenabstand zwischen ihren Unitranche- und den Senior-Finanzierungen der Banken weiter reduzieren dürften. Laut der Investmentbank GCA Altium müssen CFOs für Unitranchen – das klassische Produkt der Private-Debt-Anbieter – aktuell zwischen 6,5 und 7,5 Prozent bezahlen, für vorrangige (Senior-) Bankenkredite ob des großen Wettbewerbs und anhaltenden Niedrigzinsumfelds dagegen nur 1,5 bis 2,5 Prozent. 

Die Senior-Margen sind für die Private-Debt-Anbieter zwar unerreichbar, da sie an die Renditeerwartungen ihrer Investoren gebunden sind und meist auch in riskantere Unternehmen investieren, die nur wenige Kreditsicherheiten bieten. Über sogenannte First-Out/Second-Out-Strukturen haben sich die Debt-Fonds jedoch in die Lage versetzt, die Margen um rund 1 Prozentpunkt zu senken. 

Banken vertiefen Partnerschaft mit Debt-Fonds

Die Debt-Fonds sind dabei auf die Unterstützung der Banken angewiesen, denn diese übernehmen eine vorrangige Super-Senior-Tranche innerhalb der Unitranche, wodurch die gemischte Marge für den Firmenkunden unter dem Strich sinkt. Die Bank steht im Insolvenzfall des Unternehmens im Rang vor dem Debt-Fonds, wodurch sich dessen Risiko erhöht. 

Damit diese Struktur in kompetitiven Auktionen funktionieren kann, müssen die Banken mit den Debt-Fonds sich im Vorfeld bereits eng abgestimmt haben. Daraus sind schon einige feste Partnerschaften zwischen Banken und Debt-Fonds entstanden, deren Geschäftsgrundlagen im Grundsatz festgeschrieben sind. Lediglich die Details der Finanzierung werden dann noch auf den jeweiligen Case zugeschnitten.

Berenberg kooperiert am meisten mit Debt-Fonds

Laut GCA Altium ist diese Form der Zusammenarbeit zwar nicht neu, die Häufigkeit der Kooperationen habe dieses Jahr aber „massiv zugenommen“. Sieben von 19 deutschen Unitranche-Finanzierungen hätten über eine First-out-/Second-Out-Struktur verfügt. 

Laut GCA Altium war die Berenberg Bank mit vier Transaktionen hierzulande die aktivste Bank in diesem Kooperationsmodell. Das kommt nicht überraschend, schließlich hat Berenberg für solche Transaktionen Anfang des Jahres einen eigenen Fonds aufgelegt. Es folgen die NIBC mit drei sowie die BKB Bank und Südwestbank mit jeweils einem Deal. Prominente Transaktionsbeispiele sind die Verkäufe der Pumpenfabrik Wangen an Silverfleet, von Next Pharma an Capvest oder die Übernahme der Deutschen-Fachpflege-Gruppe durch Chequers. 

Ihren Marktanteil haben die Debt-Fonds im deutschen Midcap-LBO-Markt dank dieser Innovation auf 30 Prozent ausgebaut, schätzt GCA Altium. Dies entspricht einem neuen Höchststand. Leidtragende davon waren Second-Lien-Finanzierungen, deren Anteil im deutschen Midcap-LBO-Markt deutlich zurückgegangen ist. 

Drei Gründe für den Vormarsch der Debt-Fonds

Nur 13 Debt-Fonds machen 80 Prozent aller Deals

GCA Altium geht davon aus, dass die wachsende Anbieterzahl und die verschärfte Konkurrenz im deutschen Midcap-Markt noch größeren Druck auf die Gebühren, Margen und Dokumentation ausüben wird. So gebe es im deutschen Midcap-Markt bei LBOs beispielsweise meist nur noch eine Kreditauflage (Covenant). Insgesamt beobachtet GCA Altium, dass die typischen Corporate-Finance-Ansätze zunehmend Corporate-Strukturen weichen – und das bei hoch verschuldeten Private-Equity-Deals. Trotzdem kommt GCA-Altium-Partner Johannes Schmittat  zu dem Schluss, dass die LBO-Finanzierungen zwar aggressiv, aber noch nicht leichtsinnig  seien. Begründung: Noch gebe es kaum Covenant-Lite-Finanzierungen im deutschen Small- und Mid-Market.

Angetrieben werden die deutlichen Veränderungen in der Marktstruktur von lediglich rund einem Dutzend Private-Debt-Anbietern. In Europa haben in den zurückliegenden zwölf Monaten 13 Debt-Fonds fünf oder mehr Transaktionen abgewickelt. Dies entspricht rund 80 Prozent aller getätigten Deals. Der Private-Debt-Markt scheint reif zu sein für eine Konsolidierung. 

Die LBO-Finanzierungen sind zwar aggressiv, aber noch nicht leichtsinnig.

Johannes Schmittat, GCA-Altium-Partner

Doch dass sich Debt-Fonds aufgrund der Vormachtstellung einiger Anbieter zurückziehen, ist noch nicht zu beobachten – im Gegenteil. Die Fonds der Private-Debt-Anbieter werden in Europa immer größer, wodurch auch das Volumen der Unitranchen steigt. GCA Altium geht davon aus, dass in diesem Jahr die Anzahl von Finanzierungstickets mit einem Volumen von mehr als 300 Millionen Euro deutlich anziehen wird.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de