Rocket Internet

02.01.15
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Starkes Jahr am deutschen IPO-Markt

Das gute Marktumfeld hat auch das Eis am deutschen IPO-Markt gebrochen. Vor allem gegen Jahresende hat der deutsche IPO-Markt kräftig zugelegt – der FINANCE-Rückblick auf das IPO-Jahr 2014.

Das Highlight kam zum Schluss: Nach einem eher verhaltenen Start in das IPO-Jahr 2014 wagten sich am deutschen Markt im Herbst mit dem IPO von Rocket Internet und dem Börsengang von Hella doch noch echte Hochkaräter aufs Parkett. Der Unternehmensschmiede Rocket Internet gelang im Oktober der größte deutsche Börsengang des Jahres, das Berliner Unternehmen sammelte bei einem Ausgabekurs von 42,50 Euro pro Aktie rund 1,6 Milliarden Euro ein. Nach anfänglichen Turbulenzen – der Kurs stürzte binnen weniger Tag auf 36,82 Euro ab – stabilisierte sich die Aktie schnell und kletterte im Dezember auf bis zu 56 Euro.

Laut einer Erhebung der Beratungsgesellschaft PwC ist Rocket Internet 2014 der viertgrößte IPO Europas gewesen. Der größte europäische IPO geht auf das Konto der Hedgefonds-Gesellschaft Pershing Square, die rund 2 Milliarden Euro erlösen konnte. Zwischen Januar und Anfang Dezember starteten in Europa 344 Unternehmen das Projekt Börsengang. Sie brachten es auf ein Emissionsvolumen von 48,8 Milliarden Euro. Bis zum Jahresende rechnet PwC mit einem Anstieg über 50 Milliarden Euro. Damit kann der IPO-Markt die stärkste Aktivität seit 2007 vorweisen – und 2015 dürfte ein ähnlich aktives Jahr werden, glaubt PwC.

Börsengänge 2014: SLM Solutions machte den Anfang

Ein erster Eisbrecher auf dem deutschen Börsenparkett war der 3D-Druckerproduzent SLM Solutions. Im April sammelte das High-Tech-Unternehmen 180 Millionen Euro ein, wovon jedoch nur 75 Millionen Euro beim Unternehmen angekommen sind. Der Rest floss an das Private Equity-Haus DPE Deutsche Private Equity, dem im Zuge des Börsengangs ein lokrativer Teil-Exit gelang.

SLM Solutions startete mit einem Kurs von 18 Euro in das Börsengeschäft und hat seit dem eine Berg- und Talfahrt hinter sich. Zwischenzeitlich notierte die Aktie in der Spitze bei rund 22 Euro, lag jedoch auch schon bei rund 15 Euro. Derzeit pendelt der Kurs um das Ausgangsniveau. Im Interview mit FINANCE-TV berichtete CFO Uwe Bögershausen anschließend über das „Making-of“ des Börsengangs.

Stabilus und Braas Monier folgten im Mai und Juni

Auch beim Automobilzulieferer Stabilus wählte mit Triton ein PE-Investor den Börsen-Exit. Der Ausgabepreis lag bei 21,50 Euro. Triton strich durch den IPO 196,4 Millionen Euro ein und hielt direkt  nach dem IPO noch 41,3 Prozent an Stabilus, hat diesen Anteil inzwischen aber weiter verringert. 65 Millionen Euro flossen an das Unternehmen Die Aktie lief gut an und stieg zwischenzeitlich bis auf knapp 27 Euro an, brach in der Folge jedoch wieder auf rund 20 Euro ein. Derzeit entwickelt sich das Papier wieder in Richtung Höchststand.

Einen souveränen Börsengang legte auch der Dachziegelhersteller Braas Monier hin. Im Anschluss an eine lange Sanierung erfolgte im Juni diesen Jahres der IPO. Das Platzierungsvolumen betrug bei einem Emissionspreis von 24 Euro rund 540 Millionen Euro. Seit September ist das Unternehmen im SDAX gelistet, das Treasury von Braas Monier um Axel Zwanzig wurde 2014 zudem als „Treasury des Jahres“ ausgezeichnet.

Zalando und Hella: Interessante Neulinge zum Schluss

Chic wurde es im September: Der Modehändler Zalando erlöste bei seinem IPO an der Frankfurter Börse insgesamt 605 Millionen Euro. Der Emissionspreis betrug 21,50 Euro je Aktie. Der Start der Aktie verlief holprig: Nach Handelsbeginn sackte diese zunächst im freien Fall auf rund 17 Euro ab. Es folgte aber ein steiler Aufstieg auf derzeit knapp 26 Euro. Seitdem hat sich die kritische Haltung der Investoren zu dem Internet-Wert ein wenig gelegt.

Der ungewöhnlichste Börsengang folgte wenig später, denn der IPO des Automobilzulieferers Hella verlief nicht nach dem herkömmlichen Muster. Über verschiedene Platzierungsrunden – zunächst privat, dann mit einem kleinen Restpaket über die Börse – sammelte Hella insgesamt rund 430 Millionen Euro ein.

Dennoch liegt der Streubesitz lediglich bei rund 15 Prozent, die Eigentümerfamilie ist nach wie vor der dominante Aktionär. Der Zugang zum Eigenkapitalmarkt verschafft dem Autozulieferer und seinem CFO Wolfang Ollig aber interessante Finanzierungsspielräume für die geplante Expansion.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de