CFO Wolfgang Ollig setzt mit Hella einen ungewöhnlichen Börsengang um.

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04.12.14
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CFO des Monats: Wolfgang Ollig

Bislang ist Hella-CFO Wolfgang Ollig eher mit Fremdkapitalemissionen in Erscheinung getreten. Das hat sich mit dem Börsengang schlagartig geändert. Schon Hellas Weg ans Börsenparkett entpuppte sich als einzigartig – und ermöglichte die vom Unternehmen gewünschte hohe Transaktionssicherheit.

Ein Börsengang ist in einem Unternehmen mit starken Familiengesellschaftern kein leichter Weg. Hella-CFO Wolfgang Ollig ist ihn dennoch mitgegangen – wenn auch auf eine eher ungewöhnliche Art. Der Automobilzulieferer, der im Geschäftsjahr 2013/14 (Ende am 31. Mai) einen Umsatz von rund 5,3 Milliarden Euro erzielt hat, ließ den klassischen Weg über ein öffentliches Angebot aus und brachte seine Aktien stattdessen über zwei Privatplatzierungen an den Markt.

Grund für die ungewöhnliche Strategie war das hohe Bedürfnis der Familiengesellschafter nach Transaktionssicherheit, wie FINANCE erfahren hat. Bereits rund ein halbes Jahr vor dem von Bankhaus Lampe und Citigroup begleiteten Gang aufs Parkett soll es erste Gespräche mit potentiellen Interessenten gegeben haben. Die Gerüchteküche brodelte bereits im Sommer heftig – auch wenn der Automobilzulieferer selbst konkrete Börsenpläne gegenüber FINANCE damals noch dementierte. Inzwischen ist der Börsengang abgeschlossen und hat es inklusive der vollständig ausgeübten Greenshoe-Option auf ein Bruttoplatzierungsvolumen von 430 Millionen Euro gebracht. Es war ein geräuschloser Deal inmitten einer ziemlich turbulenten Börsenphase.

CFO Wolfgang Ollig trifft auf breitere Investorenbasis

Für CFO Wolfgang Ollig hat dies nicht nur schöne Seiten, er wird sich künftig mit einer Reihe neuer Investoren auseinandersetzen müssen. Aber die Privatplatzierung hat ihm auch hier die Arbeit erleichtert, denn Marktinformationen zufolge halten nun auch eine Reihe von Family Offices Anteile an dem auf Scheinwerfer spezialisierten Zulieferer. Sie gelten nicht nur als langfristig orientiert, sondern hatten dank der außergewöhnlichen Struktur auch Zeit, sich ausführlich mit Hella auseinanderzusetzen. Indes: Noch immer liegt die große Mehrheit der Anteile in Händen der Familiengesellschafter. Sie halten insgesamt 84,8 Prozent, wobei 60 Prozent der Anteile bis mindestens zum Jahr 2024 in einer Poolvereinbarung gebunden sind. Etwa 15,2 Prozent befinden sich zurzeit im Streubesitz.

Für CFO Ollig, der 2004 von der Unternehmensberatung McKinsey in das Hella-Konzerncontrolling wechselte, war der Börsengang die erste große Eigenkapitaltransaktion. Der promovierte Diplom-Kaufmann, der seit Juli 2006 in der Hella-Geschäftsführung die Bereiche Finanzen und Controlling verantwortet, galt bislang als Spezialist für Fremdkapitaltransaktionen. Unter anderem emittierte Hella im Januar 2013 eine Unternehmensanleihe mit einer Laufzeit von sieben Jahren und einem Volumen von 500 Millionen Euro, zu Beginn dieses Jahres folgte eine Anleihe über 300 Millionen Euro. 

Hella: Nächste Station MDax?

Nun ist Hella am Kapitalmarkt deutlich flexibler aufgestellt. Mit dem Erlös aus dem Börsengang möchte der Konzern vor allem das internationale Wachstum forcieren. Damit dürften sich auch im Betätigungsfeld des Finanzchefs spannende neue Aufgaben ergeben.

Und auch am Kapitalmarkt verfolgt Hella durchaus ambitionierte Ziele. Sofern sich der Streubesitz noch weiter erhöht, hat sich das Unternehmen mittelfristig die Aufnahme in den MDax als Ziel gesetzt. Spätestens dann stünde Ollig unmittelbar davor, in die Riege der 100 wichtigsten CFOs Deutschlands vorzustoßen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Für ausgezeichnete Leistungen, besonderen Spürsinn oder mutige Entscheidungen kürt FINANCE regelmäßig den CFO des Monats. Welche Finanzchefs die Auszeichnung bislang erhalten haben, lesen Sie auf unserer Themenseite CFO des Monats. Unabhängig davon verleiht die Redaktion jährlich auf dem Kongress Structured FINANCE die Auszeichnung für den CFO des Jahres. In diesem Jahr ging die Auszeichnung an Fresenius-CFO Stephan Sturm.