Triton droht Kelvion zu verlieren

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09.07.19
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Triton bangt um Kelvion

Kelvion gleitet dem Finanzinvestor Triton immer weiter aus den Händen: Nach dem Versäumen des Kupontermins wird für den hochverschuldeten Anlagenbauer nun ein Verkaufsprozess aufgesetzt.

Der Wärmetauschspezialist Kelvion könnte bald verkauft werden. Dies geht aus einer Pflichtmitteilung der Galapagos Holding hervor, die vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde. Kelvion gehört dem Private-Equity-Investor Triton, der 2014 den Geschäftsbereich aus dem Gea-Konzern herausgeschält und in die beiden operativen Einheiten Kelvion (Wärmetauschanlagen) und Enexio (Kühlungs- und Wassersysteme) aufgeteilt hat, wobei Kelvion für rund 84 Prozent des Umsatzes steht. Darüber spannte Triton die Galapagos Holding, die über mehrere Anleihen im Gesamtvolumen von 583 Millionen Euro die beiden Geschäftsbereiche finanzierte.

Bondholder blockieren Bilanzsanierung

Doch eben diese Galapagos Holding hat es versäumt, den am 15. Juni fälligen Zinskupon zu bezahlen. Die daran anschließende 30-tägige Gnadenfrist brachte bislang auch keine Einigung mit allen Gläubigern auf eine Bilanzrestrukturierung. Wie Galapagos auf Nachfrage mitteilte, sei man sich mit Triton, den finanzierenden Banken und 90 Prozent der Gläubiger der Senior Secured Notes über die Bilanzrestrukturierung einig. Doch eine für die Sanierung entscheidende Gläubigergruppe der Senior Notes stelle sich bislang quer.

Gelingt es Galapagos nicht, diese noch ins Boot zu holen, tritt Plan B in Kraft. Dieser sieht einen kompetitiven Auktionsprozess vor. Bitter: Galapagos weist darauf hin, dass für die Senior-Notes-Gläubiger bei einem Verkaufsprozess das Risiko besteht, überhaupt keine Recovery zu erhalten. Galapagos hat die Hoffnung auf eine einvernehmliche Lösung aber noch nicht aufgegeben. Diese habe für die Gruppe weiterhin oberste Priorität, wie die Holding auf Nachfrage mitteilte. 

Triton wollte Bilanz von Galapagos sanieren

Der favorisierte Plan von Triton ist nämlich kein Verkauf: Der PE-Investor wirbt um die Zustimmung der Gläubiger zu einer Bilanzrestrukturierung, die die Schuldenlast senken und das  Fälligkeitenprofil strecken sollte. Nach Vollzug dieser Transaktion hätten alle ausgesetzten Zinszahlungen vollständig nachgezahlt werden sollen.

Die Ratingagentur Moodys schätzte in einem Ratingbericht Mitte Juni die Recovery-Aussichten der Gläubiger in diesem Szenario auf über 50 Prozent – bezogen auf 703 Millionen Euro ausstehendes Fremdkapitalvolumen. Sollte Plan A keine Zustimmung finden, hätte dies negative Folgen für die Recovery, schrieb Moody’s damals.

Galapagos hat drei unterschiedliche Fremdkapitalschichten: Im höchsten Rang steht eine 75 Millionen Euro schwere Kreditlinie. Im Rang danach folgen die 333 Millionen Euro schweren Senior Secured Notes und dahinter die 250 Millionen Euro schweren Senior Unsecured Notes.

Die finanziellen Lasten sind gewaltig: Der Leverage lag Moody’s zufolge zuletzt bei 18x Ebitda. Die Ratingagentur hat auf die ausbleibende Zinszahlung von Galapagos mit mehreren Bonitätsherabstufungen reagiert: Das Unternehmensrating wurde auf Caa3 gesenkt, die Senior Unsecured Notes auf C und die Senior Secured Notes auf Caa2. Der Geldkurs der unbesicherten Anleihe liegt nur noch bei rund 5 Prozent des Ausgabewertes.

Triton bietet erneute Finanzspritze an

Dabei hatte der Eigentümer Triton schon mehrfach frisches Geld nachgeschossen und Galapagos unter die Arme gegriffen. Im Rahmen der vorgeschlagenen Bilanzsanierung wäre Triton Moody’s zufolge bereit, über frisches Eigenkapital und/oder nachrangiges Fremdkapital noch einmal bis zu 140 Millionen Euro beizusteuern. Im vergangenen Jahr hatte Triton Galapagos bereits 22 Millionen Euro frisches Eigenkapital nachgeschossen und der Holding außerdem noch mittels zweier M&A-Deals unter die Arme gegriffen

Zudem hatte der Finanzinvestor bei den operativen Unternehmen Kelvion und Enexio harte Sanierungsprogramme aufgelegt und die Restrukturierungsexperten von Alvarez & Marsal ins Boot geholt. Der Fokus des Restrukturierungsprogramms lag darauf, die Ergebnisse von Kelvion und Enexio schnellstmöglich zu verbessern.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de