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22. Deutsche Investorenkonferenz: So rüstet sich Private Equity

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Midmarket-Diskussionsrunde (Foto v.l.): Sebastian Wohlgschaft (Nordic Capital), Christian Weigend (BU Bregal Unternehmerkapital), Henner Thormaehlen (Warburg Pincus) und Sascha Haggenmüller (Radial Consulting) diskutierten mit Olivia Harder wie Private Equity jetzt endlich der langersehnte Durchbruch gelingt. Foto: F.A.Z. Business Media GmbH/A. Varnhorn
Midmarket-Diskussionsrunde (Foto v.l.): Sebastian Wohlgschaft (Nordic Capital), Christian Weigend (BU Bregal Unternehmerkapital), Henner Thormaehlen (Warburg Pincus) und Sascha Haggenmüller (Radial Consulting) diskutierten mit Olivia Harder wie Private Equity jetzt endlich der langersehnte Durchbruch gelingt. Foto: F.A.Z. Business Media GmbH/A. Varnhorn

Wie steht es um die Zukunft von Private Equity in einem von Krisen geprägten Marktumfeld? Und welche Rolle spielen Value Creation, Transformation und Restrukturierung der Portfoliounternehmen sowie die Erwartungshaltung institutioneller Investoren dabei?  

Antworten auf diese und weitere Fragen lieferte die Deutsche Investorenkonferenz vor mehr als 200 Private-Equity-Professionals, die FINANCE in diesem Jahr zum 22. Mal veranstaltete. In Panels, Keynotes, Networking Sessions und Diskussionsrunden wurde deutlich: Die Branche steht unter Druck, doch sie bleibt gleichzeitig ein zentraler Treiber für Innovation, Modernisierung und Wertschöpfung im deutschen Mittelstand – vorausgesetzt, sie stellt sich den neuen Herausforderungen mit klarer Strategie und offener Kommunikation. 

CFO Carsten Sürig über die Twin-Transformation bei Techem 

Zum Auftakt der Konferenz gab Finanzvorstand Carsten Sürig Einblicke, wie Techem durch die sogenannte Twin-Transformation – also die parallele Weiterentwicklung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit – Mehrwert schafft.  

Das Submetering-Geschäft, wie es Techem betreibt, ermögliche eine faire Kostenverteilung, senke den Energieverbrauch und reduziere Emissionen. CFO Sürig verwies auch auf die Fortschritte bei der Digitalisierung: „Rund zwei Drittel unserer Liegenschaften sind cloudifiziert.“ Damit zeige Techem exemplarisch, wie Technologieeinsatz und ökologischer Mehrwert Hand in Hand gehen können. 

Covenant-Brüche und Co.: So geht Private Equity mit Krisen um 

Wie Private-Equity-Investoren mit Krisensituationen in ihren Portfoliounternehmen umgehen, war Thema einer weiteren Diskussionsrunde. Sven Tischendorf von ACT Legal berichtete etwa, dass viele Finanzinvestoren „zu lange in Excel-Modellen nach Lösungen suchen, statt das eigentliche – operative – Problem zu adressieren.“  

Mitdiskutant Markus Mühlenbruch von RSM Ebner Stolz kritisierte zum Teil überholte Sanierungsstrategien. Beide Experten waren sich am Ende einig: PE-Fonds müssen schneller, entschlossener und mit größerem Realismus auf Krisen reagieren – und auch den Mut beweisen, ungewöhnliche Wege zur Rettung einer Beteiligung zu gehen. 

Midmarket-Deal-Strategien im Wandel 

In der Midmarket-Runde wurde deutlich, wie sehr sich der Markt seit der Pandemie verändert hat. Sascha Haggenmüller von Radial Consulting beschrieb den Unterschied eindrücklich: „Gerade vor Corona war es noch deutlich einfacher, Unternehmen zu verkaufen. Aufgrund der heutzutage erhöhten Unsicherheiten beißt man ohne Substanz jedoch schnell auf Granit.“  

Dennoch nimmt der Berater zwischen der zunehmenden Zahl an Restrukturierungsfällen weiterhin Wachstumschancen in den Portfolios wahr. Sein Appell im Kontext nach wie vor beliebter Buy-and-Build Cases: „Neben Buy ist heutzutage insbesondere das Build entscheidend, sprich, dass eine saubere Integration durchgeführt wird. Das bedeutet insbesondere eine Integration heterogener finanzieller und operativer Daten inklusive deren Überleitbarkeit zu realisieren.” 

Blick während des Networking Lunchs auf der 22. Deutschen Investorenkonferenz. Foto F.A.Z. Business Media GmbH/A. Varnhorn

So funktioniert erfolgreiches Private-Equity-Fundraising 

Henner Thormaehlen von Warburg Pincus sprach darüber hinaus von einem härteren, aber weiterhin konstruktiven Fundraising-Umfeld: „Heute geht es immer mehr um Kapitalrückflüsse an Investoren“. Christian Weigend von BU Bregal Unternehmerkapital betonte darüber hinaus die Performance der Fonds, um beim Fundraising erfolgreich zu sein.  

Sebastian Wohlgschaft von Nordic Capital hob die Bedeutung strategischer Kommunikation mit Investoren hervor: „Was uns sehr geholfen hat, war, dass wir mit unseren Investoren in regelmäßigem Kontakt standen und stehen.“ 

So wichtig sind Mitarbeiterbeteiligungen  

Ein weiteres Thema der Konferenz war die Mitarbeiterbeteiligung. Henrik Lay von Heuking betonte deren wachsende Bedeutung für die Motivation und die Mitarbeiterbindung. Immer mehr Beschäftigte fordern aktiv eine Beteiligung ein – auch weil steuerliche Regelungen neue Anreize schaffen. 

Im Panel zu Professional-Services-Unternehmen als Investment Case zeigte Steve Derz von PwC auf, dass KI und digitale Automatisierung den Sektor für Strategen und Private Equity gleichermaßen skalierbarer und damit attraktiver machen – dies dürfte auch beim Einstieg von EQT bei WTS ein Faktor gewesen sein. Christian van der Bosch von Genui, die kürzlich den ESG-Berater Westbridge an Permira verkauft haben, betonte zudem die Bedeutung wiederkehrender Erlöse und der Kundenbindung an das Unternehmen – nicht an einzelne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.  

Warum Earn-outs höhere Renditen bringen  

Wie wichtig eine umfassende Vorbereitung für Exits ist, machten Florian Reger und Marvin Zimber von CFGI deutlich: „Wenn Unternehmen am Markt angeboten werden, werden sie oft auf ihre Schwachstellen geprüft – das drückt den Preis. Diese Schwächen muss man vorher identifizieren und verbessern.“ 

Ebenfalls relevant: Deal-Strukturierungen mit bedingten Zahlungsmechanismen können Käufer besonders in Zeiten größerer Unsicherheit gegen Überzahlung schützen sowie die Anreize zwischen Käufern und Verkäufern angleichen. HHL-Juniorprofessor Maximilian Schreiter berichtete, dass besonders Earn-outs stark an Popularität zugenommen haben und dass Deals mit Earn-out-Klauseln empirisch Überrenditen gegenüber solchen ohne erzielen. FTI-Andersch Partner Martin Schneider betonte, dass Private Equity aus Restrukturierungen in ihren Portfoliounternehmen Lerneffekte verzeichnet hat, die andere Beteiligungen wetterfester macht. 

Diese Anforderungen stellen LPs an Private Equity 

In der LP-Diskussionsrunde diskutierten Jegor Tokarevich von SOF, Sebastian Stehling von der Deutschen Betriebsrenten Holding und Sebastian Schippl von MEAG ihre Anforderungen an Private-Equity-Fonds. „Es ist relativ einfach, in PE zu investieren. Es ist aber relativ schwer, in PE gut zu investieren“, brachte Schippl die Herausforderung auf den Punkt.  

Foto v.l.: Florian Wolf (Your Prevention), Sebastian Köhnlechner (Asset Communications) und Janik Bold (Leverest) gemeinsam mit Olivia Harder bei der Abstimmung des Gewinners des Elevator Pitchs. Foto: F.A.Z. Business Media GmbH/A. Varnhorn

Zum Abschluss präsentierten drei Sprecher innovative Ansätze, wie sich Private Equity auf das nächste Level heben lässt. Janik Bold von Leverest setzte sich für datengetriebene Tech-Stacks statt Insellösungen ein. Sebastian Köhnlechner von Asset Communications hob die Bedeutung einer klaren Equity Story hervor, während Florian Wolf von Your Prevention mit seinem Pitch zum unterschätzten Thema mentale Gesundheit den Publikumspreis für den besten Vortrag gewann.