Nordic Capital schließt Midmarket-Fonds bei 2 Milliarden Euro

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Rainer Lenhard wechselte 2019 von Goldman Sachs zu Nordic Capital und leitet seitdem die DACH-Aktivitäten. Foto: Nordic Capital
Rainer Lenhard wechselte 2019 von Goldman Sachs zu Nordic Capital und leitet seitdem die DACH-Aktivitäten. Foto: Nordic Capital

Rekordverdächtiges Fonds-Closing kurz vor den Feiertagen: Nordic Capital hat den neuesten Midmarket-Fonds aus der Evolution-Reihe beim „Hard Cap“ von 2 Milliarden Euro geschlossen. Das teilte der Private-Equity-Investor soeben mit. Damit hat Nordic Capital nicht nur das selbst gesteckte Ziel von 1,4 Milliarden Euro, sondern auch das Volumen des Vorgängervehikels um 65 Prozent übertroffen. Der erste Evolution-Fonds wurde im Juli 2021 bei 1,2 Milliarden Euro geschlossen.

Die Kapitalzusagen stammen sowohl von neuen als auch von bestehenden Geldgebern. Die Re-up-Rate, also die Rate der Investoren, die erneut in einen Evolution-Fonds von Nordic Capital investieren, beträgt dem Finanzinvestor zufolge mehr als 100 Prozent des Kapitals. Darüber hinaus habe der Private-Equity-Investor deutlich mehr Investoren aus Nord- und Südamerika überzeugen können.

Fundraising von Nordic Capital dauerte nur vier Monate

Der Fonds ist zudem nach Artikel 8 zertifiziert. Nordic Capital hat sich also dazu verpflichtet, darüber Angaben zu machen, ob Gelder in nachhaltige Projekte fließen. Das Versprechen geht sogar noch darüber hinaus: Nordic Capital will Unternehmen unterstützen, die „einige der globalen Herausforderungen der Welt lösen“ oder die „Entwicklung von Unternehmen mit einem starken, nachhaltigen Fundament“ fördern.

Die beiden Evolution-Fonds haben zudem eine Gemeinsamkeit: Beide Fundraisings hat der Finanzinvestor nach eigener Aussage innerhalb weniger Monate abgeschlossen. Bei der ersten Generation dauerte der Prozess drei Monate, beim aktuellen Fonds spricht Nordic Capital von gerade einmal vier Monaten. „Das Fundraising in Rekordzeit ist uns aus zwei wesentlichen Gründen gelungen: Wir haben bislang eine gute Performance an den Tag gelegt und uns außerdem sehr früh auf attraktive Subsektoren fokussiert“, erläutert Deutschlandchef Rainer Lenhard im Gespräch mit FINANCE.

LPs können Co-Investments mit Nordic Capital machen

Zudem habe Nordic Capital für den Evolution-Fonds in einem Markt nach Targets gesucht, der noch nicht so „überlaufen“ sei. Ein weiterer wichtiger Aspekt für den Erfolg und die Geschwindigkeit des Fundraisings aus Lenhards Sicht: die Teamstärke. „Unser Evolution-Team hat bei Bedarf die Möglichkeit, auf das gesamte Nordic-Team zurückzugreifen, und damit noch mehr Ressourcen, um gute Deals zu machen“, so Lenhard.

Hinzu kommt, dass die Limited Partners (LPs) auch beim Evolution-Fonds Co-Investments machen können. Das Modell hat sich vor allem beim Flaggschifffonds von Nordic Capital etabliert, dürfte aber auch beim Midmarket-Vehikel zum Einsatz kommen und hat den Charme, dass LPs ohne Fondsgebühr direkt in die Unternehmen investieren können. Auch das dürfte das Fundraising erleichtert haben.

Mit Blick auf die erstaunlich kurze Fundraising-Phase stellt sich die Frage, ob Nordic Capital ein deutlich umfangreicheres Pre-Marketing durchgeführt hat, um die Fundraising-Zeit zu verkürzen. DACH-Chef Lenhard betont dazu auf Nachfrage von FINANCE: „Wir haben ein starkes Investor-Relations-Team, das ohnehin in regelmäßigem Austausch mit unseren Investoren steht.“

Als Placement Agent fungierte Rede Partners. Kirkland & Ellis beriet in rechtlichen Fragen.

Nordic Capital sucht größere Mittelständler

Das eingeworbene Kapital will Nordic Capital in nicht zyklische europäische Mittelständler mit einem Unternehmenswert zwischen 100 und 500 Millionen Euro investieren, vornehmlich aus Skandinavien, Großbritannien sowie aus Benelux und der DACH-Region. Im Fokus stehen Mehrheitsübernahmen in den Branchen Healthcare, Technologie und Zahlungssysteme, Finanzdienstleistungen sowie Services und Industriedienstleistungen. Am liebsten kauft Nordic Capital – wie viele Private-Equity-Investoren – direkt vom Gründer und arbeitet nach der Übernahme noch mit diesem zusammen.

Nordic Capital schaut sich damit künftig etwas größere Unternehmen an: Für den ersten Evolution-Fonds suchte der Private-Equity-Investor noch nach Firmen mit einem Unternehmenswert zwischen 50 und 300 Millionen Euro. Aus diesem Fonds hat Nordic Capital bereits zehn Investitionen getätigt, in Deutschland zuletzt in den Nürnberger Versicherungsmakler Helmsauer im Jahr 2023. Üblicherweise starten Private-Equity-Investoren mit dem Fundraising, wenn die Mittel im aktuellen Topf größtenteils ausgeschöpft sind. In der Regel ist dann noch Kapital für Add-ons verfügbar, nicht aber für Plattform-Transaktionen.

Alloheim seit 2018 im Nordic-Portfolio

Hierzulande ist Nordic Capital unter anderem an Proglove beteiligt. Das Münchener Unternehmen, das der Finanzinvestor 2022 übernommen hatte, entwickelt Handschuhe mit eingebauten Scannern, die zum Beispiel Prozesse in der Logistik vereinfachen, da die Mitarbeiter beim Arbeiten beide Hände frei haben. Dem Vernehmen nach setzen auch international bekannte Versandhändler auf das Produkt.

Ebenfalls im Portfolio befindet sich die Pflegeheimgruppe Alloheim. Dort ist sie Dauergast: Nordic Capital hält das Unternehmen bereits seit 2018 und damit für Private Equity unüblich lange. Nach einem baldigen Exit sieht es aber nicht aus; erst im März hatte der Private-Equity-Investor die Finanzierung von Alloheim via Amend & Extend verlängert. Immerhin soll Alloheim Marktkreisen zufolge durchaus profitabel wirtschaften. Im vergangenen Jahr erzielten die Düsseldorfer einen Umsatz in Höhe von knapp 1,2 Milliarden Euro, Gewinnkennzahlen gibt der Investor nicht preis.

Insgesamt hält Nordic Capital derzeit acht deutsche Unternehmen mit einem kumulierten Umsatz von 2,4 Milliarden Euro (Stand Ende 2023). In der Bundesrepublik hat der Finanzinvestor seit 2008 ein eigenes Büro in Frankfurt am Main. Aktuell beschäftigt Nordic Capital nach eigener Aussage 25 Mitarbeiter. Die Deutschlandaktivitäten verantwortet seit 2019 der Ex-Goldman-Banker Rainer Lenhard.

Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE sowie Chefin vom Dienst bei FINANCE-Online und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Private-Equity- und M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.