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PE-Investor Gilde macht enormen Gewinn mit Caseking

Von den Corona-Lockdowns haben auch Gamingzubehöranbieter wie Caseking profitiert. Das freut auch den Finanzinvestor Gilde, der Caseking nun verkauft hat. Foto: Gorodenkoff/stock.adobe.com
Von den Corona-Lockdowns haben auch Gamingzubehöranbieter wie Caseking profitiert. Das freut auch den Finanzinvestor Gilde, der Caseking nun verkauft hat. Foto: Gorodenkoff/stock.adobe.com

Keine Freunde treffen, Kneipen zu, Events gestrichen: Neben Streaming-Diensten und Essenslieferanten gehörte auch die Gaming-Industrie zu den Profiteuren der Corona-Lockdowns. Die Zeit, die die Menschen am Computer oder der Spielekonsole verbringen, nahm im vergangenen Jahr deutlich zu.

Dieser Boom hat dem niederländischen Finanzinvestor Gilde einen aufsehenerregenden Deal beschert: Der Verkauf der Pro Gamers Group (vormals „Caseking“), der Ende der vergangenen Woche abgeschlossen wurde, erzielte eine Unternehmensbewertung von 820 Millionen Euro, woraus sich für Gilde eine jährliche Rendite (IRR) von 67 Prozent ergibt. Seitdem das PE-Haus Caseking im Sommer 2018 von Equistone, einem anderen Finanzinvestor, gekauft hat, wurde das eingesetzte Kapital versechsfacht.

Im Gespräch mit FINANCE berichtet Gilde-Partner Matthias Wilcken, warum Gilde jetzt den Ausstieg suchte, und er gibt zu, dass vielleicht sogar noch mehr drin gewesen wäre. „Die Nachfrage hat uns ein Stückweit überrollt“, sagt Wilcken.

Gewinn vervierfacht: Corona pusht Caseking

Das Unternehmen entwickelte sich Gilde-Angaben zufolge schon vor Corona gut, doch den vergleichsweise raschen Exit ins Rollen gebracht hat der zusätzliche Rückenwind seit dem Frühjahr vergangenen Jahres. Wilcken: „Caseking war schon vorher ein echtes Wachstumsunternehmen mit Zuwachsraten von 10 bis 15 Prozent pro Jahr. Nach den ersten Corona-Lockdowns wurde der Pfad dann schlagartig noch steiler.“

Als Gilde Caseking 2018 von Equistone übernahm und in diesem Zuge schon der dritte Private-Equity-Eigentümer hintereinander wurde („Tertiary Buy-out“), erwirtschaftete Caseking dem Gilde-Partner zufolge einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 18 Millionen Euro. Nun, zum Einstieg der holländischen Industrieholding HAL Investments, sind es bereits über 80 Millionen Euro. „Und wir sehen, dass der Ertrag auch jetzt noch weiter wächst“, berichtet Wilcken.

Die Phase der harten Lockdowns, die die Menschen an die eigene Wohnung banden, ist zwar zu Ende. Das Wachstum von Caseking habe sich jedoch lediglich wieder in den alten Korridor zurück entwickelt und sei nicht darunter gefallen, berichtet der Private-Equity-Manager. „Vorgezogene Nachfrage war das also nicht, was wir 2020 gesehen haben“, schlussfolgert Wilcken, der das Frankfurter Büro des PE-Hauses leitet.

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Auch Potential sei noch genügend vorhanden, glaubt Wilcken. Gilde habe für Caseking die geplante Buy-and-Build-Kampagne in Übersee mit zwei Zukäufen in Taiwan und Australien gerade erst begonnen. „Zukäufe in allen global relevanten Märkten sind greifbar nah. Zudem hat sich die Pro Gamers Group während Gildes Halteperiode auch durch die Ausweitung des Produkt- und Markenportfolios sowie eine Verbreiterung der Organisationsstruktur weiterentwickelt.“ Warum aber entschied sich Gilde dann zum Ausstieg?

Weshalb Gilde Caseking letztlich verkauft hat

Wilcken erzählt von einem Dilemma. Anfang dieses Jahres habe Gilde bei Aktienmarktinvestoren vorgefühlt, ob Caseking ein Kandidat für einen Börsengang sein könnte. Daraufhin hätten jedoch auch schnell Private-Equity-Investoren konkretes Kaufinteresse angemeldet. Wilcken: „Wir hatten drei ernstzunehmende Bieter, von denen zwei auch bis zum Schluss mitgeboten haben.“ Den M&A-Prozess steuerten die M&A-Berater Jefferies und William Blair. Der letztendliche Käufer HAL sei laut Wilcken durch eine sehr konsistente Vorgehensweise im M&A-Prozess aufgefallen: „HAL hat uns am Ende die größte Transaktionssicherheit geboten.“

Es gab zwei Alternativen zum Exit. Beide hatten ihre Tücken.

Matthias Wilcken, Partner, Gilde

Trotzdem habe man bei Gilde intensiv diskutiert, ob man Caseking tatsächlich nach drei Jahren schon wieder abstoßen will. „Es gab zwei Alternativen“, erklärt Wilcken. „Und beide hatten ihre Tücken.“

Die erste: An Caseking festhalten und das Unternehmen weiter ausbauen. Doch die Dynamik in der Branche sei durch Corona so groß geworden, die Bewertungen so hoch, dass größere Add-on-Akquisitionen über den Midmarket-Fokus von Gilde hinausgegangen wären, sagt Wilcken.

Alternative Nummer 2: Den Erfolgskurs weiterlaufen lassen und die hohen Gewinne des Unternehmens über Dividenden abschöpfen. „Auch da hätten wir ein Problem mit der Marktdynamik bekommen, vor allem aber mit dem Management. Der Markt für High-End-Gaming-Zubehör ist in Bewegung, die Anbieter konsolidieren sich. Wir hätten weder Caseking noch unseren Investoren einen Gefallen getan, in dieser Phase das Unternehmen finanziell zu schwächen. Es hätte dann passieren können, dass die Firma in zwei, drei Jahren strategische Kernziele verpasst hätte – mit allen Auswirkungen.“     

Jetzt liegt es an HAL, das Tempo hochzuhalten und noch einen neuen Wertsteigerungshebel anzusetzen. Der erste Investor Afinum hat Caseking 2010 von den Gründern übernommen, mitgeholfen, das Produktportfolio zu verbreitern und eine erste große Anschlussakquisition getätigt, Equistone das Unternehmen von 2014 an dann durch Übernahmen im nahen Ausland über die deutschen Grenzen hinaus ausgebaut. Gilde schließlich hat den Fokus auf die Kundengruppe der Gaming-Enthusiasten geschärft und für Caseking in Übersee zugekauft. „HAL hat konkrete Ideen, was sie als nächstes tun können. Sie sind ein guter neuer Eigentümer“, findet Wilcken.

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