18 Monate: So lange hat der Private-Equity-Markt nach der Büroeröffnung in München auf den ersten Deutschland-Deal von Adelis Equity Partners gewartet. Ende Mai 2025 war es dann soweit: Der schwedische Finanzinvestor hat im IT-Beratungssektor zugeschlagen und Eitco, kurz für European IT Consultancy, übernommen. Die Akquisitionsfinanzierung stellte die Oldenburgische Landesbank. Die Kartellbehörden haben dem Deal bereits zugestimmt.
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In diesem Jahr kürt die FINANCE-Redaktion erstmals den spannendsten Private-Equity-Deal des abgelaufenen Quartals. Sie möchten für die kommenden Quartale eine Empfehlung aussprechen? Schreiben Sie uns gerne an olivia.harder[at]finance-magazin.de!
Eitco erzielt Umsatz von mehr als 25 Millionen Euro
Eitco wurde im Jahr 2006 in Berlin gegründet und ist eine IT-Beratungsgesellschaft, die sich auf Enterprise Content Management (ECM) spezialisiert hat. Die Berliner, die zwei weitere Standorte in Bonn und Essen betreiben, beschäftigen rund 200 Mitarbeiter und helfen Unternehmen zum Beispiel dabei, digital Dokumente zu managen, unterstützen aber auch bei strategischen Themen, wie etwa bei der digitalen Transformation oder bei der Einführung von agilem Projektmanagement.
Zu den Kunden zählen öffentliche Einrichtungen sowie Aufsichtsbehörden. Als Nutzer nennt das Unternehmen auf der Webseite Konzerne wie DB Schenker und Thyssenkrupp, aber auch das Land Brandenburg oder die Max-Planck-Gesellschaft. Für die Unternehmenskunden entwickelt Eitco Lösungen basierend auf der eigenen Plattform Arveo oder auf Basis einer ECM-Software eines Drittanbieters.
Gemäß der aktuellsten verfügbaren Zahlen erzielte Eitco im Geschäftsjahr 2023 Umsatzerlöse in Höhe von knapp 20 Millionen Euro, das Ergebnis nach Steuern betrug rund 1,2 Millionen Euro. Nach FINANCE-Informationen beläuft sich der Umsatz mittlerweile auf 25 bis 30 Millionen Euro, was einem Wachstum innerhalb eines Jahres von gut 38 Prozent entspräche.
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Als Berater bei der Transaktion fungierten Arqis (Jörn-Christian Schulze), Ashurst (Anne Grewlich, Sabrina Bremer), Marck (Georg Schmittmann, Simon Philipp), McDermott Will & Emery (Ludwig Zesch) sowie Picherer Bohnet Lohner.
Darum ist Eitco für Private Equity interessant
Eitco ist aus mehreren Gründen für Private Equity interessant. Zunächst scheint die Performance zu stimmen: Einem Bericht des Informationsportals „M&A Insights“ zufolge soll das Unternehmen bereits Anfang dieses Jahres gemeinsam mit dem Big-Four-Haus EY einen M&A-Prozess angestoßen haben. Im Raum stand gemäß dem Bericht ein operativer Gewinn (Ebitda) in Höhe von 5 Millionen Euro mit einer für Finanzinvestoren attraktiven Ebitda-Marge von 20 Prozent.
Hinzu kommt, dass Eitco mit Fremdgesellschaftern bereits vertraut ist. Verkäufer des Unternehmens ist neben dem Beteiligungsvehikel des Managements das Münchener Single Family Office Maurizio Capital, wie die Kanzlei Picherer Bohnet Lohner (PBL) mitteilte, die beim Bieterverfahren beraten hat. Darüber hinaus ist Eitco in einer Branche aktiv, die Private Equity mit attraktiven Margen lockt, nämlich dem Professional-Services-Sektor. Jüngste Beispiele für den Vorstoß der Finanzinvestoren in dem Segment sind die Beteiligungen an Wirtschaftsprüfungs- und Beratungshäusern wie WTS oder PKF WMS.
Ganz aus der Hand gibt die Eitco-Führung das Unternehmen aber nicht. Wie bei PE-Übernahmen üblich, bleibt das Management um die beiden Geschäftsführer Siegfried Klein und Jens Lehmann auch nach der Übernahme an Bord und hat sich „signifikant“ rückbeteiligt. Komplettiert wird das Management mit den Mitgliedern des Executive Board Carsten Storck, Kevin Rhinow und Thomas Kiwitt.
Adelis schließt vierten Fonds bei 1,6 Milliarden Euro
Für den schwedischen Finanzinvestor ist der Deal nicht nur eine Erweiterung des eigenen Portfolios im Tech-Sektor, sondern er markiert zudem den Markteintritt in Deutschland. In der Bundesrepublik hatten die Schweden ihr Büro Ende 2023 eröffnet, Leiter des Standorts ist der ehemalige DPE-Manager Franz Reiffenstuel. Gemeinsam wollen Adelis und Eitco nun an dem Ausbau des Angebots und der Kapazitäten arbeiten, auch eine geographische Expansion steht auf der Agenda.
Den Deal dürfte Adelis aus dem erst Ende Februar dieses Jahres geschlossenen, vierten Buy-out-Fonds finanziert haben. Der 1,6 Milliarden Euro schwere Fonds war nach eigenen Angaben deutlich überzeichnet. 1,5 Milliarden Euro stammen dabei von externen Investoren aus Europa und Nordamerika. Mitarbeiter von Adelis haben zudem weitere 116 Millionen Euro investiert. Der neue Fonds hat sich im Vergleich zum Vorgänger nicht ganz verdoppelt: Die vorherige Fondsgeneration erreichte im Jahr 2021 ein Volumen von 932 Millionen Euro.
Dafür kann sich die Re-up-Rate sehen lassen: 75 Prozent der Investoren des vierten Fonds haben bereits in das dritte Vehikel von Adelis investiert und zudem ihre Zusagen um weitere 30 Prozent erhöht. Das frisch eingesammelte Kapital soll in wachstumsorientierte Unternehmen aus den Regionen Nordics und DACH fließen.
Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE sowie Chefin vom Dienst bei FINANCE-Online und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Private-Equity- und M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.
