Viele von uns könnten beichten, dass ihr erstes Stelldichein mit dem Internet die Eröffnung eines Hotmail-Kontos war. In den 90ern galt das als cool. Doch die Zeit vergeht schnell in der Welt der Technologie und Gmail hat längst begonnen, den Status des Must-have unter den E-Mail-Konten zu übernehmen. Daher war es nicht überraschend, als Microsoft ankündigte, Hotmail durch Outlook zu ersetzen. Outlook ist ein weiteres langjähriges E-Mail-Produkt des Konzerns, das weithin bekannt ist – wie seine Kritiker betonen, vor allem wegen seiner Speicherplatz fressenden Outlook-Express-Desktopanwendung.
Verzahnung mit mobilen Diensten
Jedoch handelt es sich nicht um eine rein markenstrategische Aufgabe. Microsoft passt seine Produktlinie an das neue Zeitalter der sozialen und mobilen Vernetzung an, ebenso wie an eine neue Generation von Büros, in denen Mitarbeiter Laptops, Tablets und Smartphones für private und geschäftliche Zwecke nutzen. Im Falle Hotmail hat Microsoft nicht bis zu dem Punkt gezögert, an dem jegliche Veränderung zu gering und zu spät gewesen wäre. Hotmail führt derzeit noch vor Gmail, mit geschätzten 324 Millionen individuellen Besuchern weltweit im Vergleich zu 278 Millionen bei Gmail, wie comScore ermittelte. Es ist sinnvoll, diese Veränderungen jetzt durchzudrücken.
Das neue Outlook wird die E-Mail-Funktion mit den Social-Media-Konten eines Nutzers verbinden. Es soll ein vereinheitlichtes Adressbuch geben und ein Fenster an der rechten Seite, in dem die Social-Media-Aktivitäten des Nutzers direkt neben seinen E-Mails angezeigt werden. Zudem soll das neue Outlook besser mit Microsofts neuestem Betriebssystem Windows 8 und allen Geräten, die mit diesem Betriebssystem laufen, kompatibel sein. So soll das Outlook-Konto automatisch auf all diesen Geräten synchronisiert werden.
Microsoft hinkt Google und Facebook hinterher
Anwendungen wie diese zeigen Microsofts Strategie, um mit Google und Facebook bei mobiler EDV und Social Media zu konkurrieren – Bereiche, in denen Microsoft Spätzünder war. Die Social-Media-Anwendungen und die einheitliche Kompatibilität mit Windows 8 zielen auf eine Kundengruppe ab, die Social-Media-Kanäle mit Hilfe von portablen Kommunikationsgeräten nutzt. Das ist der Markt, auf dem alle Technologiefirmen derzeit einen First-Mover-Advantage zu erzielen hoffen.
Microsoft hat Outlook mit einer nichtssagenden, US-exklusiven Vorschau auf den Markt gebracht. Zu den weltweiten Terminen der Markteinführung wurden keine näheren Angaben gemacht, ähnlich wie schon beim Microsoft Tablet „Surface“.