In vielen Unternehmen wiederholt sich einmal jährlich das gleiche Ritual: Der Planungs- und Budgetprozess startet. Trotz guter Vorsätze und Lehren aus dem Vorjahr endet die Planungsrunde in vielen Unternehmen in unzähligen Überstunden und frustrierenden Ineffizienzen und hat in Summe drei Monate angedauert. Anpassungen von Prämissen im Prozess lösen eine Kaskade manueller Justierungen bei oft unzureichend dokumentierten und hardcodierten Teilplänen aus. Nur durch intensive Detektivarbeit der Controlling-Abteilung kann die Planung unter heißer Nadel fertiggestellt werden.
Die VUCA-Welt hat in dieser Zeit nicht innegehalten. Bestenfalls haben sich nur die Einkaufspreise verändert, ohne dass die Materialverfügbarkeit kritisch wurde oder Absatzchancen weggefallen sind. Die Konsequenz ist ernüchternd: Der soeben fertiggestellte Plan ist bereits veraltet. Bei negativen Abweichungen im Ist gegenüber dem Plan fehlt oft die Transparenz, welche Gegenmaßnahmen am besten geeignet sind.
Viele Unternehmen suchen daher nach Wegen, ihre Steuerung agiler und vorausschauender zu gestalten. Während moderne Ansätze wie die Szenarioplanung in Echtzeit eine klare Vision aufzeigen, liegt der Schlüssel zur Umsetzung in einem robusten methodischen Fundament – wie der werttreiberbasierten Planung.
Werttreiberbaum macht Wirkungsketten transparent
Werttreiber sind die Hebel eines Geschäftsmodells, die den größten Einfluss auf den finanziellen Erfolg haben. Man unterscheidet dabei zwischen internen Treibern, die das Unternehmen direkt steuern kann, und externen Treiben wie Rohstoffpreisen oder Zinskonditionen, auf die es reagieren muss.
Das Herzstück dieses Ansatzes ist der Werttreiberbaum. Er visualisiert die logischen und finanzmathematischen Zusammenhänge im Geschäftsmodell. Dadurch macht er die Wirkungsketten transparent – von den operativen Treibern bis zu den strategischen Zielen. Sobald dieses Modell mit seinen klaren Zusammenhängen erstellt ist, wird die Planung agil und transparent: Statt hunderter einzelner Finanzpositionen müssen bei einer Planänderung nur zentrale Werttreiber justiert werden, um die Auswirkung auf Gewinn und Liquidität zu berechnen.
Vorteile der werttreiberbasierten Planung
Diese Struktur ermöglicht die jederzeitige Aktualisierung des Plans und die Simulation verschiedener Szenarien. So wird es zu einem Werkzeug der proaktiven Unternehmenssteuerung. Durch die Treiberjustierung können Auswirkungen von Chancen und Gefahren bewertet und fundierte Entscheidungen getroffen werden.
Umsetzung der werttreiberbasierten Planung
Ein guter Prozess zur Konzeption und Umsetzung einer werttreiberbasierten Planung besteht in der Regel aus drei Phasen.
Phase 1: Status-Quo – Analyse und Zielsetzung
Eine Status-Quo-Analyse bewertet die bestehenden Planungs- und Reporting-Tools sowie die Datenverfügbarkeit. Zudem wird in Abstimmung mit der Unternehmensstrategie die finanzielle Spitzen-KPI definiert, an der sich die Unternehmenssteuerung zukünftig ausrichten soll. Optimierungen oder die Einführung neuer Software-Lösungen können diskutiert und bewertet werden.
Phase 2: Die Architektur – Treiber-Identifikation und Modell-Design
In einem iterativen Prozess aus Datenanalyse und Workshops wird das Geschäftsmodell in seine Bestandteile zerlegt. Die zentrale Frage lautet stets: Wovon hängt eine Kennzahl ab? In einem intensiven Dialog werden Hypothesen zu den wesentlichen Treibern identifiziert, diskutiert und justiert. Parallel dazu dient die datengestützte Analyse der Validierung dieser Hypothesen. Eine Visualisierung, beispielsweise in Power BI, macht dabei komplexe Zusammenhänge in den historischen Daten intuitiv verständlich. Das Ergebnis ist ein validierter Werttreiberbaum, der von allen Beteiligten akzeptiert wird.
Phase 3: Die Simulation
Der validierte Werttreiberbaum wird in ein Planungsmodell überführt. Ob anfangs als Prototyp in Excel oder direkt in einer professionellen EPM-Software – das Modell berechnet die finanziellen Auswirkungen auf Basis aller definierten Treiber. Die Werttreiber werden durch eine Kaskade von Formeln in finanzwirtschaftliche Planzahlen übersetzt. Ein Vertriebsleiter plant nicht mehr den Umsatz, sondern etwa die Anzahl der Kundenbesuche und die erwartete Abschlussquote. Das Modell ermöglicht jederzeitige Aktualisierungen und die Simulation verschiedener Szenarien.
Nachhaltige Investitionen mit kurzer Amortisationsdauer
Anfänglich erforderliche Kapazitäten und eventuelles Softwarebudget sind als nachhaltige Investition zu sehen. Dieser stehen nicht nur Einsparungen aus einem deutlich verkürzten Planungsprozess gegenüber. Vielmehr ermöglicht das neue Modell eine proaktive Unternehmenssteuerung: Die Ersparnis von Mehrkosten durch frühzeitige Gegenmaßnahmen bei zum Beispiel Rohstoffpreissteigerungen durch Working-Capital-Management übersteigt die Investitionen um ein Vielfaches.
Die Sanierungsexpertin ist seit 2014 im Team von FTI-Andersch. Schwerpunkte ihrer Tätigkeit sind die Erstellung von Sanierungskonzepten, integrierten Unternehmensplanungen und kurzfristigen Liquiditätsplänen sowie die Durchführung von Strategie-Reviews. Die Branchenerfahrung der Managing Director liegt insbesondere in den Bereichen Automotive, erneuerbare Energien, Technologie, Logistik und Maschinen-/Anlagenbau.
