Dr. Stefan Wolf

ElringKlinger AG

Name:
Dr. Stefan Wolf
Unternehmen:
ElringKlinger AG
Ressort:
Konzerngesellschaften, Finanzen, Controlling, Recht, Personal, IT, Investor Relations, Unternehmenskommunikation, die Geschäftsbereiche Ersatzteile und Gewerbeparks
Position:
CEO seit 2006, zugleich CFO von 2006 bis Januar 2016
Ausbildung:
Banklehre bei der Commerzbank und Studium der Rechtswissenschaften mit anschließender Promotion an der Eberhard-Karls-Universität zu Tübingen
Geburtstag:
12.09.1961
Familie:
Verheiratet, ein Kind
Ehrenamt:
Arbeitgeberpräsident Baden-Württemberg, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall
Hobbies:
Golf, Skifahren, Bücher, Familie

Karriere

Nach seiner Promotion arbeitet Wolf zunächst als Rechtsanwalt in der Kanzlei Thümmel, Schütze & Partner. 1997 tritt er als Syndikusanwalt dem Automobilzulieferer Elring Klinger bei und ist bis 2004 Bereichsleiter für Recht und Personal.

Den durch juristische Verschmelzung realisierten Börsengang im Jahr 2000 übernimmt Wolf gleich selbst und wird Leiter Investor Relations. 2004 erhält er die Generalvollmacht des Vorstands und wird 2005 in den Vorstand berufen und zugleich dessen Sprecher. Seit 2006 ist Wolf Vorstandsvorsitzender und verantwortete dabei bis 2016 unter anderem auch den Finanzbereich. Bis Mai 2018 war Wolf außerdem Aufsichtsratschef der Norma Group, wurde von der Hauptversammlung aber nicht mehr wiedergewählt.

Karriere-Highlights:

1) Im Jahr 2000 realisiert Wolf Deutschlands wohl günstigsten IPO aller Zeiten durch die Ausnutzung  des Umwandlungsgesetzes. Kostenpunkt: 40.000 DM Beurkundungsgebühr. Der Börsenwert von Elring Klinger steigt zwischen 2001 und 2013 um über 1.400 Prozent.

2) Elring Klinger ist seit 2005 von 474 Millionen Euro Umsatz auf 1,1 Milliarden Euro gewachsen bei gleicher oder besserer Profitabilität. Dabei werden fünf M&A-Transaktionen erfolgreich integriert. ElringKlinger ist einer der profitabelsten Autozulieferer mit Ebit-Zielmargen zwischen 16 und 18 Prozent.

Dr. Stefan Wolf, ElringKlinger: Die Allzweckwaffe

Ein Jurist an der Spitze eines der erfolgreichsten deutschen Autolzulieferer und in Personalunion auch noch CFO – das gibt es nicht alle Tage. Stefan Wolf ist die Allzweckwaffe unter Deutschlands Managern.

An einen Wechsel hat Stefan Wolf nie gedacht. Schon seit 16 Jahren ist der promovierte Jurist Elring Klinger treu. Warum sollte er auch wechseln? Die Aufgabe ist reizvoll genug: Mit jedem Entwicklungsschritt von Elring Klinger rutscht Wolf ein Stück weiter nach oben. Und mit jedem Schritt, den Wolf nach vorn kam, ist Elring Klinger weiter gewachsen.

1997 kommt der damals 36-jährige nach Dettingen/Erms. „Damals habe ich noch einmal im Jahr eine Blindbewerbung gemacht, um meinen Marktwert zu testen“, sagt Wolf. Ihn reizt der Wechsel von der Juristentätigkeit in die Corporate-Welt, weil er endlich einen statt hunderte Mandanten haben möchte. Grund: „Das ist leichter.“ Elring Klinger sucht als neuen Leiter des Beteiligungscontrollings einen Kandidaten mit betriebswirtschaftlichem Profil. Wolf ist nicht die Idealbesetzung. Dennoch lädt ihn der Personalchef ein, als vorausschauende Nachfolgelösung für den kurz vor dem Ruhestand stehenden Leiter der Rechtsabteilung. Wolf erhält die Stelle, die alsbald um immer mehr Aufgaben ergänzt wird.

Ein seltener Zufall sorgt dafür, dass Wolf als Bereichsleiter Recht und Personal den IPO der Gesellschaft durchführen kann. Nach einer schrittweisen Konsolidierung der Gesellschafterstruktur, bei der sich die Göppinger Unternehmerfamilien Schuler, Voith und Lechler (Elring-Seite) und vor allem die Besitzerfamilien des Freudenberg-Konzerns (Klinger-Seite) schrittweise von ihren Beteiligungen trennen, liegt das Unternehmen in der börsennotierten Beteiligungsholding Ziegelwerke Ludwigsburg (ZWL). „Die Holdingstruktur war aber nicht sinnvoll“, sagt Wolf. Indem er die Möglichkeiten des Umwandlungsgesetzes nutzt, verschmilzt er die Elring Klinger GmbH auf die Mutter und bringt diese kostengünstig an die Börse: Deutschlands billigster IPO hat nur rund 40.000 DM Beurkundungsgebühr gekostet. Das freut den sparsamen Schwaben, und seine Gesellschafter lieben es.

Nach dem IPO bleibt die IR noch eine Zeitlang etwas „handgestrickt“, erinnert sich Wolf, der inzwischen auch Leiter der Kapitalmarktkommunikation geworden ist. „Die Geschäftsberichte 2001 bis 2004 habe ich selbst geschrieben“, sagt er. Als 2004 die Nachfolgelösung im Vorstand ansteht, sieht sich der Konzern extern um. Doch der externe Kandidat passt kulturell nicht so recht in den Konzern, der kostenbewusstes Agieren und schnelle Entscheidungen gewohnt ist. Die Chance zum großen Sprung für Wolf ist gekommen. 2004 wird er Generalbevollmächtigter des Vorstands, 2005 dessen Vorsitzender. Es soll nicht zum Schaden der Firma sein.

Bis 2010 sinkt die Beteiligung der Familie Lechler auf 52 Prozent, die der Klingers auf 4 Prozent. Die Elring Klinger-Aktie schießt wie ein Pfeil nach oben,  der Kurs steigt zwischen 2001 und 2011 um über 1.300 Prozent. 2009 rückt der Konzern als Lohn in den MDax auf. Nebenher übernimmt und integriert Elring Klinger mit Sevex, der Sparte Metallische Flachdichtungen von Freudenberg, HUG, Hummel und Thawa gezielt Unternehmen entlang der Kernkompetenz Dichtungstechnologie sowie Abschirmtechnik und ergänzt das Produktportfolio um die Abgasreinigung. Der Umsatz steigt von unter 500 Millionen Euro auf 1,1 Milliarden im Jahr 2012 – mit „guter Marge“, wie Wolf zufrieden betont. Das treibt den Konkurrenten die Tränen in die Augen. Selbst den meisten OEMs – mit Ausnahme vielleicht von Porsche – zeigt Wolf in Sachen Profitabilität die Rücklichter.

Unermüdlich arbeitet Wolf mit seinen sparsamen Schwaben weiter an der Performance von  ElringKlinger. Verantwortlich dafür ist aus seiner Sicht „der Mix aus den richtigen Produkten und marktgerechten Preisen“, zudem ein typisch schwäbisches hohes Kostenbewusstsein im Konzern, das nicht nur den Vorstand, sondern auch die Prozesse schlank hält. So ist die Finanzierung des cashstarken Geschäfts von Elring Klinger kein großes Thema. Harte Verhandlungen erlebt Wolf eher in seiner Verbandsarbeit, wo er als Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall immer wieder mit den Gewerkschaften um den Erhalt der Wirtschaftlichkeit seiner Verbandsunternehmen ringt.

Unermüdlich ist Wolf auch abseits des Konzerns. Sonntagsmorgens findet man den Frühaufsteher um 6 Uhr auf dem Golfplatz unweit seines Hauses, wo er eine Neun-Loch-Runde absolviert, bevor er sich um 7.30 Uhr mit seiner Frau und seiner Tochter den vom Bäcker mitgebrachten Brötchen widmet.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de