Ralph Heuwing

Knorr-Bremse AG

Name:
Ralph Heuwing
Unternehmen:
Knorr-Bremse AG
Ressort:
Finanzen
Position:
CFO ab Januar 2018
Ausbildung:
Ingenieurstudium Maschinenbau (Dipl.-Ing.) an der RWTH Aachen sowie MBA-Studium an der INSEAD Business School, Visiting Scholar an der Sloan School of Management des MIT, Cambridge (USA).
Geburtstag:
05.04.1966
Familie:
Verheiratet, zwei Kinder
Ehrenamt:
Keine Angaben
Hobbies:
Reisen, Sport (Tennis, Golf, Bergsteigen), Moderne Kunst

Karriere

1990 startet Heuwing seine Karriere bei The Boston Consulting Group. Zunächst ist er als Consultant und Projektleiter in den Büros München und Frankfurt tätig. 1996 bis 2001 wechselt er nach Indien und baut das indische Büro auf, in dem er als Geschäftsführer und Partner tätig ist. 2001 kommt Heuwing als Geschäftsführer und Partner zurück nach Deutschland.

Zuletzt ist er Mitglied der Geschäftsleitung des deutschen Systems von BCG. Während seiner langjährigen Tätigkeit bei BCG arbeitet Heuwing mit zahlreichen internationalen Unternehmen der Industriegüter- und Finanzdienstleistungsbranche zusammen. Schwerpunkte sind Strategieentwicklung, Organisation, Performancesteigerung und Unternehmensfinanzierung.

Im Mai 2007 wird Heuwing Finanzvorstand des Technologieunternehmens Dürr und verantwortet die kaufmännischen Bereiche des Konzerns, außerdem die Informationstechnologie und das Global Sourcing. Im Januar 2011 übernimmt er auch die Leitung des Geschäftsbereichs Clean Technology Systems, mit dem sich Dürr ein Standbein jenseits der Autoindustrie aufbauen möchte, die noch für einen Großteil der Konzernerlöse sorgt.

Im Dezember 2014 übernimmt Heuwing zusätzlich zu seinen bestehenden Aufgaben den Vorstandsvorsitz bei Homag. Im Sommer 2015 übergibt er das Amt an Pekka Paasivaara, um sich wieder voll auf seine Aufgabe als Dürr-CFO zu konzentrieren. Für seine Leistungen als CFO von Dürr erhält Ralph Heuwing 2016 die Auszeichnung CFO des Jahres.

2016 teilt Heuwing auch mit, dass er seinen im Mai 2017 auslaufenden Vorstandsvertrag bei Dürr nicht verlängern wird. Im November 2017 steigt er bei dem Familienunternehmen Knorr-Bremse ein, wo er im Januar 2018 als Nachfolger von Lorenz Zwingmann neuer Finanzchef wird.

Karriere-Highlights:

1)    Strategische Erneuerung: Unter CEO Ralf W. Dieter und CFO Ralph Heuwing wird aus dem Sanierungsfall Dürr ein Börsenstar. Mit der Strategie „Dürr 2015“, bei der Emerging Markets, Service, Innovation und Prozessoptimierung im Vordergrund stehen, führt der zweiköpfige Vorstand das Unternehmen zu neuen Bestmarken bei Umsatz, EBIT-Marge und ROCE. Im bisherigen Rekordjahr 2013 erzielt das Unternehmen bei einem Umsatz von knapp 2,4 Milliarden Euro ein Ebit von 203 Millionen Euro. Im Jahr 2008, dem ersten vollen Geschäftsjahr, das Heuwing verantwortet, lag Dürr bei 1,6 Milliarden Euro Umsatz und einem Ebit von 56 Millionen Euro. In den Jahren davor musste das Unternehmen sogar wichtige Tochtergesellschaften verkaufen, um die Liquidität zu sichern und die Verschuldung  zu begrenzen.

2)    M&A: 2009 Übernahme des Auswuchttechnikspezialisten Datatechnic und des Schweizer Feinstreinigungstechnikspezialisten UCM. 2010 Übernahme der Klebetechnikspezialisten Kleinmichel und Helmut Rickert, im Mai 2011 Mehrheitsbeteiligungen an dem dänischen Befülltechnikanbieter Agramkow und am Technologieunternehmen Cyplan. Im Juli 2013 folgte die Übernahme des Umwelttechnikspezialisten LTB  Bayreuth.

Ein großer Zukauf gelingt Heuwing im Juli 2014: Für einen Unternehmenswert von fast 500 Millionen Euro übernimmt Dürr die Mehrheit des Holzmaschinenbauers Homag. Der Deal steht im Zeichen der Diversifikation, der Umsatzanteil des Geschäfts mit der Autoindustrie sinkt. Dürr will Homag weiter eigenständig agieren lassen.

3)    Kapitalmarkt: Im Juni 2008 leitet Heuwing eine Kapitalerhöhung um 10 Prozent ein, im September 2010 wird Dürr unter Heuwings Regie einer der ersten Emittenten am neu entstandenen Markt für Mittelstandsanleihen, wo das Unternehmen 225 Millionen Euro einwirbt. Die Transaktion ist viermal überzeichnet. Im März 2014 löst Heuwing die Mittelstandsanleihe ab, indem er einen ungerateten Bond über 300 Millionen Euro begibt. Mit 2,875 Prozent liegt der Kupon der neuen Euro-Anleihe unter dem der Mittelstandsanleihe von 7,25 Prozent.

Dürr wird von Medien wie Capital, Manager Magazin und Thomson Reuters Extel zudem regelmäßig für seine IR-Arbeit und exzellente Geschäftsberichte ausgezeichnet.

4)    Im November 2016 wird Ralph Heuwing für seine herausragenden Leistungen bei Dürr als CFO des Jahres 2016 ausgezeichnet. 5)    Im Juni 2018 begibt Ralph Heuwing für seinen neuen Arbeitgeber Knorr-Bremse eine siebenjährige 750 Millionen Euro schwere Anleihe für die das Unternehmen jährlich 1,125 Prozent bezahlt.

Ralph Heuwing, Dürr: Der Performance-Treiber

Nach Abschluss der Aufräumarbeiten, die CEO Ralf Dieter unternommen hatte, kam Ralph Heuwing 2007 zu Dürr, um den Technologiekonzern wieder zu einem Wachstumsunternehmen zu machen. Das ist ihm eindrucksvoll gelungen. Angetrieben vom Autoboom in China ist Dürr zu einem Börsenstar geworden. Dank seines straffen Finanzmanagements hat Heuwing neben Umsatz und Gewinn auch noch weitere wichtige Kennzahlen nach oben getrieben. Jetzt baut der frühere Strategieberater den neuen Geschäftsbereich Umwelttechnik auf. Hat er dort Erfolg, dürften ihm die Türen zu einem weiteren Karrieresprung weit offen stehen.
   
Unter Investoren gilt CEO Ralf Dieter als Retter des Technologieunternehmens Dürr, das im Kerngeschäft Lackieranlagen an die Autoindustrie verkauft. Aber der Aufstieg des Konzerns zu einem Börsenstar ist auch untrennbar mit dem CFO Ralph Heuwing verbunden.

Als der damalige Top-Strategieberater im Jahr 2007 von der Boston Consulting Group zu Dürr stieß, war der Konzern ausgelaugt von Jahren schlechter Performance. Nachdem Dürr 2004 und 2005 in eine existenzbedrohende Situation hineingeraten war, sendeten die Schwaben 2006 und 2007 leichte Anzeichen der Erholung. Die Umsätze stabilisierten sich, Dürr operierte wieder konstant in der Gewinnzone, und die Schulden sanken auf ein erträgliches Maß.

Heuwing trat an, um Dürr auf den Wachstumskurs zurückzuführen. Dafür richtete er die Konzernstrategie konsequent auf die Emerging Markets aus. Der Erfolg stellte sich schnell ein. Insbesondere der rasante Zubau von Autofabriken in China trug Dürr von Rekord zu Rekord – von der Marktschwäche in den Stammmärkten Europa und Nordamerika hatten sich die Schwaben weitgehend abgekoppelt.

Das fixkostenlastige Geschäft reagierte wie gewünscht auf den starken Rückenwind aus China. Zwischen 2009 und 2012 wuchs der operative Gewinn (Ebit) mit hohen zweistelligen Raten von 6 auf 177 Millionen Euro, der Umsatz konnte auf 2,6 Milliarden Euro mehr als verdoppelt werden. CFO Heuwing gelang es, trotz dieser Erfolgsserie Begehrlichkeiten abzuwehren und sowohl die Investitionen als auch die Kapitalbindung eng zu halten. Das Net Working Capital wuchs deutlich langsamer als der Umsatz und der Gewinn. Dadurch hebelte Heuwing die Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROCE) im Geschäftsjahr 2012 auf den erstaunlichen Wert von 43,9 Prozent.

Starke Cashflows, ein prall gefülltes Auftragsbuch und eine schuldenfreie  Bilanz ermöglichen es ihm mittlerweile, sich auch als Geschäftsstratege einzubringen. Mit der Aufgabe, die Umwelttechnik als neues Standbein des Konzerns aufzubauen, kehrt Heuwing zu seinen Wurzeln als Strategieberater zurück. Dabei setzt Heuwing stark auf kleinere Zukäufe, die neben dem Knowhow-Transfer aus anderen Konzernteilen helfen sollen, dem neuen Geschäftsfeld schnell die kritische Masse zu verschaffen. Genügend Geld dafür ist dank seiner guten Arbeit der vergangenen Jahre vorhanden.

Wie effizient und ertragsstark das Umwelttechnikgeschäft bei Dürr in einigen Jahren dastehen wird, dürfte wegweisend für Heuwings weitere Karriere sein. Zeigt er, dass er neben seiner viel gelobten Kapitalmarktkommunikation und dem straffen Finanzmanagement auch strategisch mit Weitblick agieren kann, dürften ihm die Türen zu einem CEO-Posten in einem deutschen Großkonzern weit offen stehen.  

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de