Ade IFRS: Schweizer CFOs kehren zu Swiss GAAP zurück

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24.10.14
Finanzabteilung

Ade IFRS: Schweizer CFOs kehren zu Swiss GAAP zurück

Zu teuer, zu aufwendig: Viele Schweizer Unternehmen haben IFRS satt und kehren zum nationalen Standard Swiss GAAP FER zurück, Knackpunkte sind dabei auch einige neue Bilanzierungsregeln. Doch CFOs sollten auch die Folgen eines Wechsels im Blick haben.

IFRS ist zu komplex, zu teuer, zu zeitintensiv – So lautet die Kritik vieler Unternehmen, die nach den internationalen Rechnungslegungsstandards bilanzieren. Immer mehr Schweizer Unternehmen wagen jetzt einen radikalen Schritt: Sie kehren IFRS den Rücken und wechseln wieder zurück zum nationalen Rechnungslegungsstandard Swiss GAAP FER.

So auch die Schweizer Goldbach Group, die den Wechsel vor wenigen Tagen ankündigte. „Die zunehmende Komplexität und die immer aufwändigeren Detailregelungen von IFRS führen mehrheitlich nicht zu einem besseren Verständnis der Finanz- und Ertragslage des Unternehmens“, begründet das Unternehmen aus der Medienbranche mit einem Umsatz von knapp 460 Millionen Schweizer Franken (2013) den Wechsel. Das Unternehmen befindet sich in guter Gesellschaft, wie eine aktuelle Auswertung der Geschäftsberichte von 30 Schweizer Aktiengesellschaften im Auftrag von Deloitte zeigt.

Das Ergebnis des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens: Alleine 2013 haben 7 Unternehmen von IFRS zu Swiss GAAP FER gewechselt, seit 2012 sind es damit schon 14 Unternehmen, die IFRS den Rücken gekehrt haben. Als Hauptursachen nennen die sie die zunehmende Komplexität der IFRS-Normen sowie die Erwartung weiterer Aufwandserhöhungen. Kurzum: aus Kosten-Nutzen-Perspektive würde sich die Bilanzierung nach IFRS dann nicht mehr lohnen. Ganz konkret stoßen sich die Unternehmen an zwei Bilanzierungsrichtlinien.

IFRS 11: Joint Ventures werden niedriger ausgewiesen

So machten einigen Unternehmen die negativen Folgen von IFRS 11 zu schaffen. Demnach müssen sie neu bewerten, mit welchem Anteil der Umsatz von Joint Ventures in ihrem eigenen Konzernumsatz konsolidiert wird. Bei vielen Unternehmen hatte die Regelung dazu geführt, dass der Umsatz niedriger ausgewiesen werden musste.

So hat auch das Schweizer Industrieunternehmen Georg Fischer 2013 den Wechsel zu Swiss GAAP FER damit begründet, dass IFRS zu Verzerrungen bei der Konsolidierung von einem ihrer größten Unternehmen, der chinesischen Chinaust-Gruppe, führen würde. „Mit Swiss GAAP FER wird die Konsolidierung des 50 Prozent Chinaust-Anteils an Bilanz und Erfolgsrechnung beibehalten, was die wirtschaftliche Realität von Georg Fischer besser reflektiert“, so das Unternehmen in einer Pressemitteilung anlässlich der Verkündung.

Und auch deutsche Konzerne kennen das Problem mit IFRS 11: So verlor beispielsweise das Weinheimer Familienunternehmen Freudenberg im Jahr 2013 optisch eine Milliarde Umsatz in der Bilanz, weil es den Umsatz einiger Gemeinschaftsunternehmen nur noch in geringerem Maße ausweisen durfte. Und auch der Automobilzulieferer Elring-Klinger durfte sein japanisches Joint Venture nur noch in einem geringeren Umfang in der Bilanz ausweisen – um den Umsatzrückgang zu verhindern, ging das Unternehmen einen radikalen Schritt und kaufte die restlichen 50 Prozent auf.

IAS 19: Pensionsrückstellungen steigen noch mehr

Auch die Bilanzierungsregel IAS 19 wurde der Deloitte-Auswertung zufolge als Ursache für den Wechsel von IFRS zu Swiss GAAP FER angeführt. Mit IAS 19 wurde 2013 das Korridorverfahren bei der Bilanzierung von Pensionsverpflichtungen abgeschafft. Während vorher versicherungsmathematische Gewinne und Verluste im Rahmen des Korridorverfahrens zeitverzögert außerhalb der Bilanz fortgeschrieben werden konnten, müssen diese jetzt direkt im Eigenkapital erfasst werden. Das wollte auch das Technologieunternehmen Meyer Burger Technology nicht in Kauf nehmen.

Vor gut einem Jahr kehrte Meyer Burger zu Swiss GAAP FER zurück und bergründete den Wechsel unter anderem mit der Bilanzierung der Pensionsrückstellungen: „Bezüglich Vorsorgeverpflichtungen entstehen für Meyer Burger auf Basis der existierenden Vorsorgepläne wesentlich geringere Verpflichtungen als unter IFRS“, schreibt das Unternehmen in seiner Pressemitteilung. Auch bei vielen deutschen Unternehmen führte die Einführung von IAS 19 zu einer noch stärkeren Belastung durch Pensionsrückstellungen, prominentes Beispiel ist derzeit Lufthansa.

Von IFRS zu Swiss GAAP FER: Nicht nur Vorteile

Anfang 2013 wechselte sogar die Swatch Group zum Schweizer Standard und war damit das erste große börsennotierte Unternehmen, das diesen Schritt unternahm. Der Uhrenkonzern erhoffte sich von dem Schritt eine Rückkehr „zu einer praxisnäheren und weniger theoretischen Rechnungslegung“ und dürfte damit einigen Unternehmen aus der Seele sprechen. Die Studie von Deloitte zeigt, dass bei den untersuchten Unternehmen zumindest schon der Bericht zur Finanzlage im Schnitt um fast ein Viertel kürzer ausfällt als noch unter IFRS.

Doch der Wechsel bringt auch Nachteile mit sich. So dürfen Unternehmen nicht mehr im Main Standard der Schweizer Börse SIX notieren, sondern müssen in den Domestic Standard wechseln, wo die Berichterstattung gemäß IFRS-Standard nicht verpflichtend ist.

Grundsätzlich nehmen die Unternehmen mit der Umstellung zudem in Kauf, dass ihre internationale Vergleichbarkeit sinkt – für CFOs global tätiger Unternehmen ist dies ohne Zweifel eine Frage der Abwägung im Hinblick auf ihre internationale Aktionärsstruktur. Insbesondere angelsächsische Investoren legen schließlich Wert auf ein international vergleichbares Zahlenwerk. Deren Interesse könnte durch einen Wechsel zurück zu Swiss GAAP nachlassen.

julia.becker[at]finance-magazin.de