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Bilanzskandal: Hess stellt Insolvenzantrag

Insolvenzantrag: Bei Hess in Villingen-Schwenningen drohen die Lichter auszugehen.
Hess

Nach den Negativschlagzeilen der letzten Wochen folgt nun der nächste Paukenschlag für den Leuchtenhersteller Hess: Wie das Unternehmen mitteilte, wird der Vorstand heute einen Insolvenzantrag stellen. Nach "Ausschöpfung aller Alternativen" sei man zu diesem Schritt gezwungen gewesen, sagte Vorstandssprecher Till Becker. Dem vorausgegangen war eine umfassende Prüfung, die die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens bestätigte und außerdem belegte, dass es keine positive Fortführungsprognose gebe, wie es in einer Ad-hoc-Mitteilung heißt. Auch die Geschäftsführung der 100%igen Tocher Hess Lichttechnik GmbH wolle Insolvenzantrag stellen.

Ursache für die Zahlungsunfähigkeit ist der Mitteilung zufolge unter anderem, dass die größte Aktionärin, die Hess Grundstückverwaltungs GmbH & Co. KG, hinter der die Gründerfamilie in Person des fristlos gekündigten Ex-CEO Christoph Hess steht, Zahlungsverpflichtungen nicht erfülle, die aus Sicht der Hess Gruppe fällig seien. Wegen möglicher Anlegerklagen sei es außerdem ausgeschlossen, kurzfristig auf anderen Wegen frisches Kapital zu erhalten.Vielmehr hätten die laufenden Sonderprüfungen den Verdacht der Bilanzfälschungen nach offiziellen Angaben erhärtet.

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Vorstand derzeit mit einem Verlust bis zu 12 Millionen Euro. Der operative Geschäftsbetrieb soll allerdings nach Hoffnung des Unternehmens im Insolvenzverfahren saniert werden. Er wolle alles in seiner Macht stehende tun, um so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten, versprach CEO Becker.

Bereits in der letzten Woche war bekannt geworden, dass das Unternehmen einen Teil der Januargehälter seiner Angestellten noch nicht gezahlt hatte. Das Unternehmen, das im November 2012 den Gang an die Börse gewagt hatte, ist seit Wochen wegen eines Bilanzskandals in der Presse. Im Januar hatte der Aufsichtsrat CEO Christoph Hess und CFO Peter Ziegler deshalb fristlos entlassen.

Wenig vertrauensbildend wirkten auch die gezielten Indiskretionen von Unternehmensinsidern: So hatte ein Whistleblower, der möglicherweise auch mit der Aufdeckung  des Skandals im Zusammenhang steht, gezielt auch FINANCE Informationen angeboten – gegen Bares.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de